Darmkrebs

Schrilles Theater und mutlose Langzeitpatienten

Ein schrilles Theaterstück soll Brücken für Gespräche über ein Tabuthema bauen: die Hilflosigkeit von Langzeitpatienten nach Darmkrebs.

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:
Eine Ärztin erläutert die Koloskopie, der Patient hört verunsichert zu.

Eine Ärztin erläutert die Koloskopie, der Patient hört verunsichert zu.

© Christoph Fuhr

MANNHEIM."Hast du Blut im Stuhl?" Eine merkwürdige, irritierende Frage, die die Gattin ihrem verblüfften Ehemann beim abendlichen Gespräch im Wohnzimmer stellt. Der reagiert reichlich unbedarft. Seine Frau hakt zur Sicherheit noch einmal nach: "Ist dir eigentlich klar, dass ein Polyp nicht unbedingt ein Polizist sein muss?"

"Alarm im Darm" heißt ein seit Jahren erfolgreiches Theaterstück der Stiftung Lebensblicke, das jetzt bei einem Patiententag an der Uni Mannheim zu sehen war. Die Geschichte ist deftig und überdreht. Der derbe Humor ist sicher nicht jedermanns Sache, und doch: Das Stück baut Brücken, erleichtert Gespräche über das Tabuthema Darmkrebs.

"Genau darum geht's", sagt der Stiftungs-Vorsitzende Professor Jürgen F. Riemann. Lebensblicke hat sich den Kampf gegen den Darmkrebs auf die Fahnen geschrieben. Und der hat nicht nur mit Prävention zu tun, sondern auch mit Menschen, die nach der Therapie in der Langzeitbehandlung stehen.

"In ein schwarzes Loch gefallen"

"Nach der Behandlung bin ich in ein schwarzes Loch gefallen, alle Unterstützung war weg, ich fühlte mich allein gelassen" - die frustrierende Einschätzung eines Patienten war zugleich Kernthema der mehrstündigen Infoveranstaltung, zu der die Stiftung Lebensblicke in die Uniklinik Mannheim eingeladen hatte.

Professor Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, und Jürgen F. Riemann zogen an diesem Tag gemeinsam an einem Strang. Ihr Ziel: Patienten sensibilisieren, aufklären, mit ihnen ins Gespräch kommen.

"Vielen Patienten ist nicht klar, dass man in der Gemeinschaft eine Krankheit viel besser erträgt als alleine", sagt Riemann. Er nennt zum Beispiel die "Ilco - Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs" als Ansprechpartner.

 Der frühere Direktor der Medizinischen Klinik C am Klinikum Ludwigshafen setzt auch auf Hausärzte, sie sollten noch stärker für die besonderen Probleme der Patienten in der Nachsorge sensibilisiert werden.

Das Problem: Für Menschen, die nach Krebs in eine Langzeitbehandlung gehen, gibt es bisher keinen wirklich erkennbaren Versorgungsstrukturen.

Zwar ist ein Ausbau der Krebsberatungsstellen geplant, die auch psychosoziale Hilfe anbieten. Dennoch sei die Verunsicherung bei vielen Langzeitpatienten immer noch groß, sagt der Psychoonkologe Professor Joachim Weis von der Uni Freiburg.

Weitgehend verbreitet sei die falsche Einschätzung, die Beratungsinstitutionen seien ausschließlich für Menschen unmittelbar nach Ende der Krebsbehandlung zuständig.

Weis sieht hier dringenden Handlungsbedarf: "Die Betreuung von Langzeitpatienten ist eine interdisziplinäre Aufgabe", sagt der Psychoonkologe. "Wir brauchen Konzepte, in die auch Haus- und Fachärzte gut eingebunden sind."

Eine kluge Entscheidung

Volker Heymann, Autor des Theaterstücks "Alarm im Darm", und Schauspieler Jürg Hummel haben gemerkt, dass sie die Kernbotschaft des Stücks nur dann glaubwürdig vermitteln können, wenn sie selbst zu Vorbildern werden. "Wir sind inzwischen beide zur Koloskopie gegangen", sagt Heymann, "und das war eine kluge Entscheidung."

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