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HINTERGRUND

Liegt ein älterer Mann schon mal auf der Sonoliege, ist ein Routineblick auf die Bauchaorta immer sinnvoll

Von Gabriele Wagner Veröffentlicht:

Was ein einfaches Screening leisten kann, haben gerade dänische Kollegen in einer Studie mit mehr als 12 600 Männern über 65 Jahre belegt. Mit einer Sonographie der Bauchaorta identifizierten sie all diejenigen, die ein Bauchaorten-Aneurysma (BAA) hatten.

    In Deutschland gibt es sechs Million Männer über 65 Jahre.
   

Bei einem Durchmesser über 5,0 cm wurden die Betroffenen zur Operation überwiesen; Patienten mit Aneurysmen zwischen 3,0 und 5,0 cm wurden jährlich kontrolliert. Wuchs das BAA deutlich, wurde Betroffenen die elektive Operation empfohlen. So gelang es, im Vergleich zu nichtuntersuchten Männern, die Rate der Notoperationen um 75 Prozent und die Aneurysma-assoziierte Sterberate um 67 Prozent zu reduzieren.

"Deshalb ist ein solches Screening bei den über 65jährigen Männern, besonders bei Rauchern, so wichtig", betonte der Gefäßchirurg Privatdozent Klaus Wölfle, Leiter der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Augsburg, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Daten zu Krankheiten werden in Dänemark staatlich erfaßt

Die dänischen Kollegen um Dr. Jes S. Lindholt vom Krankenhaus in Viborg in Dänemark hatten nach dem Zufallsprinzip 12 639 Männer zwischen 64 und 73 Jahren entweder in die Ultraschall-Gruppe oder in eine Kontroll-Gruppe ohne Ultraschall eingeteilt und dann im Mittel 52 Monate beobachtet.

Die Ärzte profitierten davon, daß in Dänemark Daten etwa zu Operationen oder Todesursachen in staatlichen dänischen Gesundheitsregistern erfaßt werden. So konnten die Kollegen unter anderem feststellen, welche Studienteilnehmer wegen eines BAA operiert wurden, wieviele Rupturen es gab und wieviele Patienten wegen des BAA starben.

Die BAA-Rate entsprach mit vier Prozent (191 der knapp 4860 geschallten Patienten) der statistisch erwarteten Rate. Insgesamt wurden 49 der geschallten Patienten operiert. Nur drei Eingriffe waren Notoperationen. In der Kontrollgruppe wurden 31 Patienten, bei denen irgendwann zufällig ein Aneurysma entdeckt wurde, operiert.

Bei 20 von ihnen war es ein Notfall-Eingriff. Bei sieben Patienten der Ultraschall-Gruppe war das Aortenaneurysma die Todesursache; in der Kontroll-Gruppe bei 27 Patienten. Insgesamt mußten 352 Männer gescreent werden, um ein Leben zu retten.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Keiner der Männer mit einem Aortendurchmesser bis 2,5 cm entwickelten in der Beobachtungszeit ein BAA; aber fast jeder Dritte mit einem Aortendurchmesser zwischen 2,5 und 2,9 cm.

Welche Optionen gibt es für Betroffenen? Findet man ein BAA über 5,0 cm, kann man Patienten entweder eine offene Operation empfehlen, bei der das Aneurysma aufgeschnitten und eine Endoprothese eingenäht wird. Oder es wird minimal-invasiv ein Stent von der Leiste aus eingelegt. Dabei wird ein Katheter bis ins BAA geschoben. Durch den Katheter wird der zusammengefaltete Stent vorgeschoben und im BAA entfaltet.

Vorteil der offenen Operation ist, daß man schon seit etwa 50 Jahren Erfahrungen damit hat. Beim Stent gibt es zwar noch keine Langzeitdaten. Aber: "Diese Therapie ist zum Beispiel eine Option für ältere Patienten oder solche in schlechterem Allgemeinzustand", sagte Wölfle.

Wie häufig sollte man Patienten mit Aneurysmen zwischen 3,0 und 5,0 cm kontrollieren? Die dänischen Kollegen kontrollierten jährlich. Wölfle empfiehlt, das Intervall von der Aneurysmagröße abhängig zu machen. Bei etwa 5 cm Durchmesser sind dreimonatige Intervalle sinnvoll; bei 4cm kann auch ein Intervall von zwei Jahren genügen. "Man geht davon aus, daß Aneurysmen dieser Größen jährlich durchschnittlich um 3 mm wachsen."

Wölfle empfiehlt, die plakative Aussage von der "Zeitbombe im Bauch" zumindest nicht bei Aneurysmen bis 5,5 cm zu gebrauchen. "Die Rupturrate von Aneurysmen mit einem Durchmesser zwischen 4 und 5,5 cm beträgt nach Studiendaten etwa ein Prozent pro Jahr. Aber bei einem 7cm-Aneurysma beträgt die Rupturrate jährlich 20 Prozent."

Frauen sollten früher als Männer operiert werden

Übrigens: "Nach der gängigen Lehrmeinung muß man ab 5,5 cm bei Männern operieren; bei Frauen aber eher früher, weil Frauen schlankere, zartere Gefäße haben. Für eine Frau mit einem Aorten-Durchmesser von 1,2 oder 1,4 cm sind 5,5 cm fast eine Vervierfachung des Durchmessers, beim Mann mit einem Aorten-Durchmesser von 2 cm nur eine Verdreifachung", so Wölfle. Geschlechtsspezifische Unterschiede sind also zu beachten.

In Deutschland sind knapp 15 Millionen Menschen über 65 Jahre alt; etwa 40 Prozent von ihnen sind Männer. Knapp zwölf Prozent der über 65jährigen Männer rauchen täglich, weitere knapp vier Prozent gelegentlich.

Bekommt ein Patient einen Ultraschall, etwa wegen Bauchbeschwerden, ist die Untersuchung der Bauchaorta GKV-Leistung. Kommt ein Mann zum Gesundheitscheck, kann die Sonographie als IGeL abgerechnet werden, etwa mit GOÄ-Ziffer 410 oder 420 (Duplexzuschlag 401).

Weitere Infos zu Indikationen, Operationsmethoden und Risiken bei BAA gibt es auf der Homepage der Klink für Gefäßchirurgie am Klinikum Augsburg unter: www.gefaesschir-klinikum-augsburg.de/welcome2.html, dann "Was machen wir?" anklicken und Links auswählen.

Lesen Sie dazu auch den Gastkommentar: Bauchaorten-Sono kann Leben retten

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