Krankheiten

Liste soll Arznei-Therapie bei Älteren optimieren

Ältere Patienten sind durch Interaktionen von Arzneien besonders gefährdet. Eine Arzneiliste soll das Risiko reduzieren.

Veröffentlicht: 26.05.2011, 14:27 Uhr

NEU-ISENBURG (eb). Mit dem Ergebnis, dass ältere Menschen im Schnitt sechs Medikamente täglich einnehmen, von denen viele gar nicht für sie geeignet sind oder sich untereinander nicht vertragen, haben die Forscher im Verbund PRISCUS* für Aufsehen gesorgt.

Als Gegenmaßnahme entwickelten sie eine Liste, die Ärzten als Hilfe bei der Auswahl und Zusammenstellung von Medikamenten für Ältere dienen soll, wie es in einer Mitteilung der Ruhr-Universität Bochum heißt.

Ob und wie die Liste wirkt, wollen sie in der zweiten Projektphase prüfen. Der Verbund, koordiniert von Professor Hans-Joachim Trampisch aus Bochum, RUB-Abteilung Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, wird vom Bundesforschungsministerium (BMBF) mit 1,5 Millionen Euro für drei Jahre weiter gefördert.

83 Arzneistoffe setzte das interdisziplinäre PRISCUS-Expertenteam auf die Liste derer, die man älteren Menschen möglichst nicht verordnen sollte. Zu groß ist bei ihnen das Risiko ernster Nebenwirkungen, die den Patienten nicht selten sogar ins Krankenhaus bringen: Verwirrtheit, Herzkreislaufprobleme, Stürze.

In der zweiten Projektphase wollen die Spezialisten die lange Liste noch einmal prüfen und eine handhabbare Kurzfassung für die tägliche Praxis entwickeln. Diese Liste wird dann in Hausarztpraxen in den Großräumen Ruhrgebiet und Hannover erprobt.

Der Zufall entscheidet darüber, ob eine Praxis diese Liste erhält oder eine allgemein gehaltene Handreichung für die Verschreibung von Medikamenten an ältere Menschen als Kontrollgruppe.

Über ein Jahr hinweg werten die Forscher die Verordnungen bei 1680 Patienten über 70 Jahre aus. Sie vergleichen, welche Medikamente die Patienten zu Beginn und nach Einführung der jeweiligen Liste in der Hausarztpraxis bekommen, erfragen zudem die Lebensqualität der Patienten und führen Buch über eventuelle Krankenhauseinweisungen.

Nach einem Jahr soll sich zeigen, was die Kurzfassung der Liste bewirkt. Gesundheitsökonomen ermitteln darüber hinaus, ob sie auch wirtschaftliche Auswirkungen hat.

*Prerequisites for a new health care model for elderly people with multi-morbidity

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