Nikotinsäure für mehr HDL

Megastudie verfehlt ihr Ziel

Erneut muss die Forschung zur HDL-Erhöhung einen schweren Rückschlag hinnehmen. In einer Megastudie ist es nicht gelungen, durch Behandlung mit Nikotinsäure Herzinfarkte und Schlaganfälle zu reduzieren. Die Schlappe setzt die Reihe anderer Fehlschläge fort.

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Mehr HDL-Engel bitte: Etliche Präparate sind daran bereits gescheitert.

Mehr HDL-Engel bitte: Etliche Präparate sind daran bereits gescheitert.

© Albix / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Eigentlich hätte die Öffentlichkeit über den Ausgang der HPS-2-THRIVE-Studie (Heart Protection Study 2-Treatment of HDL to Reduce the Incidence of Vascular Events) erst beim Kongress des American College of Cardiology im März in San Francisco in Kenntnis gesetzt werden sollen.

Doch wenige Tage vor Weihnachten informiert der Studiensponsor Merck (außerhalb Nordamerikas MSD) in einer Pressemitteilung die Öffentlichkeit bereits vorab darüber, dass die Studie ihr Ziel nicht erreicht hat.

Demnach ist es nicht gelungen, mit einem Präparat, das Nikotinsäure (Niacin) in Kombination mit dem Anti-Flush-Wirkstoff Laropiprant enthält und in Deutschland als Tredaptive® auf dem Markt ist, die Inzidenzrate für den primären Studienendpunkt wie erhofft zu senken.

Auch ist zu erfahren, dass die Therapie das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Effekte signifikant erhöht hat.

Der primäre Endpunkt setzte sich aus den Ereignissen koronare Todesfälle, nicht tödliche Herzinfarkte, Schlaganfälle und koronare Revaskularisationen zusammen.

Zahlen werden in der Pressemitteilung nicht genannt. Die Beobachtungsdauer betrug knapp vier Jahre. An der Studie haben 25.673 Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko teilgenommen.

Beim Europäischen Kardiologenkongress sind im August 2012 bereits erste Ergebnisse einer Zwischenanalyse zur Sicherheit der geprüften Therapie vorgestellt worden.

Danach war unter Nikotinsäure/Laropiprant eine Zunahme von Myopathien beobachtet worden, wobei dieses Problem insbesondere bei den in China rekrutierten Teilnehmern aufgetreten war.

Mit HPS-2-THRIVE-Studie setzt sich die Serie enttäuschender Studien fort, in denen das therapeutische Potenzial einer auf Erhöhung des vermeintlich protektiven HDL-Cholesterins zielenden Behandlung ergründet werden sollte.

Bereits die mangels Erfolgsaussichten vorzeitig gestoppte AIM-HIGH-Studie hatte die Möglichkeit, dass Nikotinsäure das kardiovaskuläre Risiko reduziert, nicht bestätigen können.

Über die Frage, wie die Aussagekraft dieser mit rund 3400 Teilnehmern relativ kleinen Studie zu bewerten sei, gab es allerdings in der Folge kontroverse Diskussionen.

Viele Experten hofften deshalb, dass die wesentlich größere HPS-2-THRIVE-Studie zu schlüssigeren Ergebnissen zugunsten der Behandlung mit Nikotinsäure kommen würde. Diese Hoffnung hat sich, wie man jetzt weiß, nicht erfüllt.

Auch der Weg, über eine Hemmung des Enzyms CETP das HDL-Cholesterin und damit den Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen zu erhöhen, hat zumindest bisher nicht zum Erfolg geführt. Zu dieser neuen Wirkstoffgruppe zählt unter anderen Dalcetrapib.

Der als CETP-Modulator eingestufte Wirkstoff erhöht das HDL-Cholesterin nur moderat um etwa 30 Prozent, ohne das LDL-Cholesterin wesentlich zu verändern. Im Mai 2012 ist nach einer Zwischenanalyse eine große Endpunktstudie mit Dalcetrapib wegen Wirkungslosigkeit vorzeitig beendet worden.

Aus anderen Gründen, nämlich wegen Sicherheitsrisiken der Therapie, war schon 2006 die klinische Entwicklung von Torcetrapib nach anfänglich beeindruckenden Ergebnissen zur HDL-Erhöhung eingestellt worden.

In einer großen Endpunktstudie war eine Zunahme der Mortalität unter diesem CETP-Hemmer beobachtet worden. Als Grund werden von der CETP-Hemmung unabhängige "Off-target"-Effekte auf die Aldosteron-Aktivität vermutet, die zu einer Blutdruckerhöhung führen können.

Jetzt ruhen die Hoffnungen auf den beiden CETP-Hemmern Anacetrapib und Evicetrapib, die in noch laufenden Endpunktstudien ihren Nutzen beweisen müssen. (ob)

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