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COPD in der Akutphase

Mit Betablockern nicht zögern!

Herzkranke sollten auch bei COPD-Exazerbationen ihren Betablocker einnehmen. Offenbar gilt sogar: je schwerer die COPD, desto größer der Nutzen.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
COPD-Exazerbation: Betablocker haben keinen Einfluss auf die Lungenfunktion.

COPD-Exazerbation: Betablocker haben keinen Einfluss auf die Lungenfunktion.

© JPC-PROD / Fotolia.com

BERLIN. Für eine retrospektive Studie zu COPD und Betablockern haben US-Forscher eine krankheitsspezifische COPD-Datenbank für den Zeitraum 2006 bis 2007 in einer Kohortenanalyse untersucht (Thorax 2012; 67: 977).

Daten von 35.000 Patienten mit COPD und entweder Herzinsuffizienz, ischämischer Herzerkrankung oder arterieller Hypertonie wurden ausgewertet. 29 Prozent der Patienten nahmen in dem Zeitraum Betablocker ein.

Die Einnahme des Betablockers hatte kurzfristig keinerlei negativen Einfluss auf die Behandlung der COPD-Exazerbation, betonte Professor Martin Kohlhäufl von der Klinik Schillerhöhe in Stuttgart.

In der gematchten Multivarianzanalyse gab es im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die eine COPD-Therapie ohne Betablocker-Begleittherapie erhielt, keine erhöhte Sterblichkeit während der Exazerbation. Es gab auch nicht mehr erneute Klinikaufnahmen innerhalb von 30 Tagen und auch keine höhere Intubationsrate.

Langfristig schnitten die COPD-Patienten, die wegen kardiovaskulärer Begleiterkrankungen Betablocker einnahmen, dagegen deutlich besser ab als COPD-Patienten mit kardiovaskulären Begleiterkrankungen ohne Betablocker, betonte Kohlhäufl beim Praxis Update 2013 in Berlin.

Kein negativer Lufu-Trend

So war die Gesamtsterblichkeit bei einer Nachbeobachtungszeit von vier Jahren um 22 Prozent niedriger. Und: Je intensiver die COPD-Therapie, umso deutlicher war der Nutzen der Betablocker.

Analysiert wurden auch Lungenfunktionsparameter. Hier sei bei Patienten mit Betablocker über die Jahre kein negativer Trend aufgefallen, so Kohlhäufl. Interessanterweise hatten COPD-Patienten mit Betablocker-Therapie einen geringeren Bedarf an zusätzlichen Glukokortikoiden.

Der Grund könnte sein, dass die Patienten kardial besser therapiert sind, was sich günstig auf die Luftnot auswirkt und damit indirekt den (scheinbaren) Bedarf an COPD-Medikamenten verringert.

Insgesamt liegen damit erneut Daten vor, die darauf hindeuten, dass Betablocker bei COPD mit kardiovaskulären Begleiterkrankungen nicht nur langfristig nutzen, sondern selbst in der Akutphase in keiner Weise schadeten. Kohlhäufls Fazit: "Just do it!"

Rückschlüsse auf die korrekte Dosierung der Betablocker bei COPD lässt diese Studie leider nicht zu. Sie bestätigt allerdings die Präferenz für beta-1-selektive Betablocker gegenüber nicht selektiven Betablockern: Die Rehospitalisierungsrate innerhalb von 30 Tagen war in der Gruppe der Patienten mit nicht-selektiven Betablockern etwas höher.

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