Atherosklerose

Molekularer Gefäßschutz

Das Molekül MALAT1 schützt vor Atherosklerose, indem es entzündliche Vorgänge eindämmt.

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FRANKFURT / MAIN. Wissenschaftler um Dr. Sebastian Cremer und Dr. Katharina Michalik vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) an der Goethe Universität Frankfurt am Main haben herausgefunden, dass das Molekül MALAT1 Mäuse, denen das Gen für MALAT1 fehlt, vor Atherosklerose schützt (Circulation 2018; online 28. November).

Der durch MALAT1 vermittelte Schutz entsteht dadurch, dass weniger Entzündungszellen in die geschädigte Gefäßstelle einwandern, teilt das DZHK mit. Mäuse, denen MALAT1 fehlte, wiesen nicht nur größere Plaques in der Aorta auf, sondern dort befanden sich auch mehr Entzündungszellen.

Auch beim Menschen hat MALAT1 einen Schutzeffekt: In Gefäßen von Patienten mit Plaques kam weniger MALAT 1 vor als in normalen gesunden Arterien, so das DZHK.

Außerdem war die MALAT1-Menge in Plaques von symptomatischen Patienten, die also bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten, deutlich reduziert im Vergleich zu der Menge des Moleküls in Gefäßablagerungen von asymptomatischen Patienten.

Dies hat Co-Autor Professor Lars Mägdefessel vom DZHK-Standort München in Proben aus der Halsschlagader von Patienten mit Atherosklerose nachgewiesen, heißt es in der Mitteilung.

MALAT1 ist eine long non-coding (lnc) RNA

„Eine erhöhte Menge von MALAT1 fördert anscheinend die Stabilität von Plaques, denn sie korreliert mit einer günstigen Prognose bei Patienten mit einer Gefäßverkalkung“, wird Cremer in der Mitteilung zitiert.

MALAT1 ist eine long non-coding (lnc) RNA. RNA entsteht bekanntlich, wenn die DNA abgelesen wird. Nicht-codierende (non-coding) RNA-Moleküle tragen keine Informationen für den Bau eines Proteins.

Seit einigen Jahren weiß man, dass diese nicht-codierenden RNA-Moleküle nicht überflüssig sind, sondern dass sie wichtige regulatorische Funktionen übernehmen. Je nach Länge des RNA-Moleküls unterscheidet man dabei kurze, small non-coding (snc) RNAs und lange, long non-coding (lnc) RNAs, so das DZHK.

Aus vorherigen Arbeiten war bereits bekannt, dass die lncRNA MALAT1 in Entzündungszellen und Zellen der Blutgefäße häufig vorkommt und dass sie die Funktion von Zellen der glatten Muskulatur und des Endothels reguliert. „Deshalb wollten wir genauer untersuchen, welche Rolle MALAT1 im Körper spielt“, wird Cremer zitiert.

Die aktuellen Ergebnisse lassen die Frankfurter Forscher nun hoffen, zur Entwicklung neuer Therapien beizutragen, die auf Ebene der RNAs ansetzen. Veränderungen in den Expressionsmustern von nicht-codierenden RNAs bei Atherosklerose wollen sie daher auch zukünftig noch weiter erforschen. (eb/ikr)

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