Rheuma

Neues, verdrehtes Schultergelenk hilft auch alten Rheuma-Patienten

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KASSEL (mwo). Ein neues künstliches Schultergelenk hilft auch Patienten mit zerstörten Sehnen wieder zu guter Beweglichkeit. Bei dem inversen Gelenk sind Gelenkpfanne und -kugel vertauscht. Die Funktion der Sehnen wird vom Deltamuskel übernommen.

"Vor allem bei alten Rheuma-Patienten sind die Sehnen in der Schulter häufig zerfasert und zum Teil abgerissen", erläuterte Professor Werner Siebert von der Orthopädischen Klinik in Kassel (OKK) bei einer dortigen Veranstaltung. Eine herkömmliche Endoprothese bringe zwar Schmerzfreiheit, die Sehnen können das Gelenk aber nicht mehr führen.

Bei dem inversen Gelenk sitzt statt der Kugel die Pfanne auf dem Oberarmschaft. Als Gegenstück wird die Kugel im Schulterknochen verschraubt. Dadurch verschiebe sich der Drehpunkt nach unten und gleichzeitig dichter an den Körper, so Siebert. Der über die Schulter führende Deltamuskel habe so mehr Spannung und einen günstigeren Hebel, um den Arm zu bewegen.

Bisher 20 neue Prothesen komplikationslos implantiert

Die Idee zur Grammont-Schulter ist bereits 20 Jahre alt und kommt aus Frankreich. Erst vor etwa fünf Jahren sei sie über die Schweiz nach Deutschland gelangt, so Siebert. Seit gut zwei Jahren setze die OKK neue Gelenke mit einer kleineren Kugel ein, die mit nur noch zwei Schrauben in der Schulter verankert werden. Diese seien auch nach Unfällen mit zertrümmerter Schulter oder im Austausch gegen eine gelockerte konventionelle Endoprothese gut einsetzbar.

Bislang wurde die Prothese in Kassel 20-mal komplikationslos implantiert. Siebert rechnet mit etwa 50 Operationen pro Jahr. Die wichtigsten Zentren außer Kassel sind im deutschsprachigen Raum Zürich und München-Bogenhausen. Weil Erfahrungen zur Haltbarkeit fehlen, setzt Siebert die inverse Schulter bei Menschen unter 50 Jahren möglichst nicht ein. Werde zunächst ein herkömmliches Gelenk verwendet, könne später getauscht werden.

Generell sei die Haltbarkeit künstlicher Schultergelenke wegen der geringeren Belastung aber deutlich länger als bei Knie- oder Hüftgelenken. Außer den Kontraindikationen gegen ein künstliches Gelenk, etwa zu starker Knochenverlust oder starke Infekte, könne das inverse Gelenk bei einer Lähmung des Deltamuskels nicht eingesetzt werden.

Genaue Angaben zu den Kosten machte die OKK nicht. Wie alle Innovationen sei das inverse Schultergelenk etwas teurer. Auch die Op dauere statt bisher einer halben etwa eine Stunde. Die Kosten würden - zum üblichen Pauschalsatz - von den Kassen übernommen, so Siebert. Die Reha-Dauer sei ähnlich. Doch dürfe das Gelenk nur langsamer belastet werden, weil die Halterung der Kugel im Schulterknochen anwachsen muss.

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