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Entwicklungsbiologie

Offenbar Embryonen aus menschlichen Stammzellen geschaffen

Forschenden ist es wohl gelungen mit Stammzellen erstmals synthetische menschliche Embryonen zu erzeugen. Trotz großem Potenzial wirft derlei Forschung natürlich ethische und rechtliche Fragen auf.

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Extraktion von embryonalen Stammzellen

Extraktion von embryonalen Stammzellen

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Köln/London. Ein Forschungsteam um die im englischen Cambridge arbeitende Entwicklungsbiologin Magdalena Zernicka-Goetz hat nach eigenen Angaben mithilfe von Stammzellen synthetische menschliche Embryonen geschaffen. Das geht aus einem Bericht des britischen „Guardian“ hervor. Danach wurden entsprechende Erfolge am Mittwoch auf der Jahrestagung der International Society for Stem Cell Research (ISSCR) in Boston angesprochen.

Die synthetischen Embryonen, die Embryonen in den frühesten Stadien der menschlichen Entwicklung bis zum 14. Tag ähneln sollen, könnten nach Ansicht der Forscherinnen und Forschern einen entscheidenden Einblick in die Auswirkungen genetischer Störungen und die biologischen Ursachen wiederholter Fehlgeburten geben, berichtete das in Köln ansässige Wissenschaftsportal Science Media Center am Donnerstag.

Wettlauf im Gange

Dem Team von Zernicka-Goertz sowie einer konkurrierenden Gruppe am Weizmann-Institut in Israel war es Ende vergangenen Jahres bereits gelungen, synthetische Mausembryos aus Stammzellen zu erschaffen. Seitdem ist ein Wettlauf um die Übertragung dieser Arbeit auf menschliche Modelle im Gange.

Die nun in Boston angesprochene Arbeit wirft ernste ethische und rechtliche Fragen auf. So ist es vielerorts verboten, menschliche Embryos über 14 Tage hinaus im Labor zu kultivieren. Diese Richtlinien orientieren sich maßgeblich an einer Leitlinie der Internationalen Gesellschaft für Stammzellforschung aus dem Jahr 2016. Demnach galt das Überschreiten der 14-Tage-Regel als „unzulässige Forschungsaktivität“ („prohibited activities“).

Internationale Leitlinien angepasst

2021 passte die ISSCR seine internationalen Leitlinien jedoch an: Durch künstliche Befruchtung oder aus menschlichen Stammzellen hergestellte menschliche Embryonen sollten künftig länger als die bisher maximal gängigen 14 Tage im Labor heranwachsen dürfen. Forscher sollten die Embryonen so lange im Labor kultivieren können, wie es dem jeweiligen Forschungszweck dient - allerdings nur nach strenger Prüfung.

Laut den Medienberichten beschrieb Zernicka-Goetz, wie die sich allein aus Stammzellen entwickelnden synthetischen Embryonen bis zu einem Stadium kultiviert wurden, das knapp über das 14-tägige Entwicklungsstadium eines natürlichen Embryos hinausgeht. Die embryonalen Strukturen haben offenbar weder ein schlagendes Herz noch die Anfänge eines Gehirns, enthalten aber Zellen, aus denen sich normalerweise die Plazenta, der Dottersack, Vorläuferzellen der Keimzellen und der Embryo selbst bilden würden. Eine offizielle wissenschaftliche Publikation ist bisher nicht veröffentlicht, wurde aber offenbar bei einem internationalen Journal akzeptiert.

Eine wichtige Frage ist, ob die embryonalen Strukturen theoretisch das Potenzial haben, die Organbildung anzustoßen. Eine Übertragung der synthetischen Embryonen auf eine Frau zur Etablierung einer Schwangerschaft ist weltweit laut den aktuellen Richtlinien der ISSCR untersagt. Kritiker dieser Forschung befürchten, dass Menschen künftig nach bestimmten Qualitätsanforderungen gezüchtet werden könnten. (KNA/eb)

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