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Multiple Sklerose

Ursache endlich gefunden?

Wie MS entsteht, darüber haben sich Forscher schon lange das Hirn zermartert: Jetzt haben Mediziner eine mögliche Ursache entdeckt – in den Gerinnungsfaktoren.

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ESSEN. Erstmals konnten Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg Essen (UDE) in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universitäten Münster und Würzburg einen Zusammenhang zwischen dem Blutgerinnungssystem und dem Entstehen von Multiple Sklerose (MS) beim Menschen nachweisen (Ann Neurol. 2016; online 24. Oktober).

Erst vor wenigen Monaten beschrieben die Forscher die Rolle des Gerinnungsfaktors XII im Mausmodell der MS. Und bereits jetzt konnten sie zeigen: "Auch bei erkrankten Menschen sind diese und andere Gerinnungsfaktoren offenbar sehr bedeutend.

Und weiter: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie die entscheidenden Motoren des schädlichen Entzündungsprozesses, der nach und nach das zentrale Nervensystem der Betroffenen angreift und zerstört", wird Professor Christoph Kleinschnitz, Neurologische Klinik der Medizinischen Fakultät der UDE in einer Mitteilung der Universität zitiert.

Unterschiede in Gerinnungsfaktoren

"Wir haben untersucht, wie sich gesunde Menschen und Patienten mit neuroimmunologischen Krankheiten bei verschiedenen Gerinnungsfaktoren unterscheiden", so Dr. Kerstin Göbel von der Universitätsklinik für Allgemeine Neurologie in Münster.

Im Experiment stellte sich heraus: Dort, wo Entzündungsprozesse stattfinden, ist nicht nur der Faktor XII erhöht. Auch der Spiegel der beiden Gerinnungsfaktoren Prothrombin und FX ist im Blut von Patienten mit schubförmiger MS höher als bei Gesunden.

Verläuft die MS jedoch primär progredient oder leiden Patienten an der Erkrankung Neuromyelitis optica, so sind die Gerinnungsfaktoren unauffällig.

"Unsere Untersuchung legt nahe, dass Gerinnungsfaktoren die Entzündungsprozesse bei neurologischen Krankheiten maßgeblich vorantreiben", sagte der Münsteraner Gruppenleiter Professor Sven Meuth. "Und dies macht sie zu idealen Zielen, die mögliche künftige Therapien aufgreifen könnten", ergänzte Kleinschnitz.

Neue Therapieoption möglich

Bereits vor einigen Monaten setzte die Arbeitsgruppe erstmals erfolgreich den Wirkstoff Infestin bei Mäusen ein, um den Gerinnungsfaktor XII zu blockieren.

Mit ihrer jüngsten Veröffentlichung haben sie bewiesen, dass Gerinnungsfaktoren sich auch beim Menschen als Zielstruktur für MS-Therapien eignen könnten. (eb)

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