Vitamin D bei Unterfunktion der Nebenschilddrüsen

MÜNCHEN (hbr). Als Komplikation nach Schilddrüsenoperationen kann eine permanente Hypokalzämie auftreten. Das Risiko beträgt bis zu acht Prozent und trifft heute deutlich mehr Patienten als früher. Sie brauchen außer Kalzium auch Vitamin D.

Veröffentlicht:

Ursache des Kalziumdefizits ist ein dauerhafter Hypoparathyreoidismus durch operative Verletzung oder Entfernung der Nebenschilddrüsen. Dieses Risiko ist bei totaler Schilddrüsenektomie erhöht. Und der Anteil totaler Entnahmen stieg in den letzten Jahren extrem an, so der Endokrinologe Professor Martin Grußendorf aus Stuttgart.

Er wertete Daten von 4200 Patienten aus, die nach Schilddrüsenoperationen in seine Praxis überwiesen wurden. Vor 1995 betrug die Rate der Komplettentnahmen nur elf Prozent, in den letzten sechs Jahren dagegen 52 Prozent. Bei umfassendem Eingriff lag die Gefahr eines dauerhaften Hypoparathyreoidismus bei 8,1 Prozent. Eine Analyse von 16500 Operationen in deutschen Kliniken hatte einen fast identischen Wert von acht Prozent ergeben; bei Teilektomien sank das Risiko auf ein Fünftel.

"Die Patienten müssen auf jeden Fall behandelt werden", betont Grußendorf. Denn der Kalziummangel kann unter anderem zu Tetanien und bronchialen Spasmen führen. Unbehandelt drohen Verkalkungen basaler Hirnganglien und Katarakt.

Bei postoperativen Kalziumwerten von 2,0 bis 2,2 mmol/l genügt die Substitution täglich 1000 bis 2000 mg Kalzium ohne Vitamin D. Denn dieser Zustand geht meist vorüber. Das sollte aber nach vier Wochen kontrolliert werden.

Niedrigere Werte sprechen für eine dauerhafte Unterfunktion der Nebenschilddrüsen. Dann reicht Kalzium alleine nicht, denn ohne Parathormon wird es nicht resorbiert. Die Patienten brauchen zusätzlich Vitamin D, wirksamster Metabolit ist Calcitriol.

Das Kalzium sollte niedrig-normal sein, empfahl Grußendorf bei einem Symposium von Merck Pharma in München. Solche Werte zwischen 1,95 und 2,24 mmol/l hatten aber nur 45 Prozent der Patienten, jeder vierte hatte Werte unter 1,95 mmol/l. Die niedrigsten Werte fanden sich bei den 23 Prozent der Patienten, die bislang kein Vitamin D bekommen hatten.

In der Stuttgarter Praxis erhielten fast alle Patienten täglich zusätzlich zu 500 bis 1000 mg Kalzium auch Vitamin D - meist Calcitriol in einer Tagesdosis von 0,25 bis 0,5 µg. Darunter erreichten zwei Drittel der Patienten optimale Kalziumwerte - nur sechs Prozent lagen noch darunter.

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitartikel

GVSG: Zu viele Leerstellen

Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Betablockerverzicht bei HFpEF unterschiedlich erfolgversprechend

Vor Europawahl am 9. Juni

23 Ärztinnen und Ärzte sind Abgeordnete im EU-Parlament

Lesetipps
Prinzipiell folge aus REDUCE-AMI, so Prof. Dr. Michael Böhm, dass bei Infarktpatienten mit erhaltener Pumpfunktion keine Betablocker mehr gegeben werden müssten. Das gelte, sofern es keinen anderen Grund für Betablocker gebe, konkret tachykardes Vorhofflimmern oder anhaltende Angina.

© shidlovski / stock.adobe.com

Nach der REDUCE-AMI-Studie

Bye-bye für Betablocker nach Herzinfarkt?

Viele Menschen sind adipös. Die Kombination aus Intervallfasten plus Protein-Pacing kann anscheinend neben einer Gewichtsabnahme auch zu einem gesünderen Mikrobiom verhelfen.

© Aunging / stock.adobe.com

Verändertes Mikrobiom

Intervallfasten plus Protein-Pacing lassen die Pfunde purzeln