Infektionen

Weiter vermehrt resistente Keime

BERLIN (gvg). Es ist ein Trugschluß, daß Antibiotika-Resistenzen nur ein Problem von Kliniken sind, sagt Professor Winfried Kern von der Uni Freiburg. Probleme in der ambulanten Versorgung machen unter anderen Makrolid- und Penicillin-resistente Pneumokokken.

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Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts seien in Deutschland 20 Prozent der Pneumokokken gegen Erythromycin unempfindlich, zehn Prozent gegen Doxycyclin und ein Prozent gegen Penicillin, sagte Kern bei einer Veranstaltung des Unternehmens Brahms in Berlin: "Bei Doxycyclin ist die Lage heute nicht mehr so kritisch wie bei den Makroliden". In den vergangenen Jahren hätten niedergelassene Ärzte Doxycyclin immer weniger verordnet.

Die meisten Antibiotika werden von niedergelassenen Ärzten verschrieben. Sie verordnen nach Kerns Angaben etwa in Baden-Württemberg 86 Prozent aller Tagesdosen an Antibiotika, darunter 99 Prozent der Tetracyclin-, 95 Prozent der Makrolid- und 93 Prozent der Cotrimoxazol-Dosen.

Die Zunahme der Makrolid-resistenten Pneumokokken seit Anfang der 90er Jahre korreliere mit der zunehmenden Verschreibung dieser als gut verträglich geltenden Antibiotikaklasse. Auch der starke Anstieg des Anteils Fluorochinolon-resistenter E. coli von fast null auf über 20 Prozent in zehn Jahren korreliere mit zunehmender ambulanter Verschreibung. Sogar zwischen der Rate an Makrolid-Resistenzen in einem KV-Bezirk und der Verschreibungs-Häufigkeit neuer Makrolide seien Zusammenhänge registriert worden. "Es gibt regionale Unterschiede bei der Antibiotikaverschreibung, die nicht medizinisch begründet sind", so Kern.

Angesichts der zunehmenden Resistenzprobleme plädiert Kern für einen sparsamen Umgang mit Antibiotika und speziell für mehr Zurückhaltung bei Makroliden und Chinolonen. "Es sieht so aus, als könne mit diesen Substanzen wegen Resistenzentwicklungen mehr Schaden angerichtet werden, als zunächst vermutet", so Kern.

Das Unternehmen Brahms vertreibt einen Procalcitonin-Test, der bakterielle Infektionen anzeigt und der zur Steuerung der Behandlung mit Antibiotika genutzt werden kann (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Sorgfalt - auch eine Sache der Patienten

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