In Bildern erzählt

Wie Forscher mit Hollywood-Technik Arthrose bekämpfen

Mit Infrarotkameras und Kraftmessplatten sind Frankfurter Forscher der Arthrose-Entstehung auf der Spur. Die "Ärzte Zeitung" war bei der Vorstellung des Systems vor Ort – und hat Bilder gemacht.

Marco MrusekVon Marco Mrusek Veröffentlicht:
Motion Capturing: Die gleiche Technologie, die auch für Actionfilme im Einsatz ist, nutzen Forscher für ihre Arthrose-Forschung.

Motion Capturing: Die gleiche Technologie, die auch für Actionfilme im Einsatz ist, nutzen Forscher für ihre Arthrose-Forschung.

© Alexander Joppich

FRANKFURT / MAIN. Finanziert durch eine Stiftungsförderung entsteht am Uniklinikum Frankfurt der bundesweit einzige Arthrose-Forschungsbereich neben dem Rheumaforschungszentrum in Berlin.

Mit der Förderungssumme von 4,2 Millionen Euro, aufgeteilt auf sieben Jahre Förderungsdauer, unterstützt die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung die Suche nach den Grundlagen der Krankheit.

Auch frühere Diagnosemöglichkeiten und bessere Therapieoptionen des "Massenphänomens Arthrose" ist ein Ziel, wie Professor Andrea Meurer, Ärztliche Direktorin der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim, bei einer Pressekonferenz in Frankfurt sagte.

"Massenphänomen" deshalb, weil mehr als 50 Prozent der Frauen und etwa ein Drittel der Männer über 60 Jahren in Deutschland von Arthrose betroffen sind.

Volkskrankheit Arthrose: "Früher oder später kriegen wir Sie!"

 75 Prozent der Männer und Frauen in Deutschland hatten im letzten Jahr Schmerzen im Haltungs- und Bewegungsapparat, 20 Prozent waren beim Orthopäden, so Meurer. Der Wahlspruch der Orthopäden laute deshalb: "Früher oder später kriegen wir Sie!", sagt Meurer.

Die Folgen für die Betroffenen: starke Schmerzen, Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit, sozioökonomische Folgen. Ist der Gelenkknorpel zwischen den Knochen erst einmal degeneriert, ist er nicht mehr wiederherzustellen.

Erst in diesem Zustand gehen die meisten Betroffenen zum Arzt, doch dann ist es für eine Behandlung bereits zu spät, erinnerte Professor Frank Zaucke, der den neuen Forschungsbereich leiten wird. Diesen Betroffenen soll der neue Forschungsbereich in Frankfurt helfen. Unter Zauckes Leitung soll zu drei Fragestellungen geforscht werden:

- Erstens sollen die Prozesse bei der Entstehung und dem Fortschreiten der Arthrose auf molekularer und zellulärer Ebene untersucht werden. Ziel ist es, Biomarker zu identifizieren, mit denen die Erkrankung früher diagnostiziert werden kann.

- Zweitens sollen die Zelltypen identifiziert werden, die für die Entstehung der Arthrose verantwortlich sind. Das Ziel dabei: Die Entwicklung dieser Zelltypen gezielt blockieren und so die Arthrose stoppen oder verlangsamen.

- Drittens soll nach Polymeren geforscht werden, mit denen die Knorpelmasse wieder aufgefüllt werden und die Funktionsfähigkeit des Gelenks rehabilitiert werden kann.

Das Besondere am Frankfurter Forschungsbereich: die Kombination aus zellulärer Forschung und bildgebenden Verfahren im Bewegungsanalyse-Labor. Unter der Leitung von Dr. Felix Stief erstellt das Team mit Infrarotkameras, mit Markern, die auf die Haut geklebt werden und mit in den Boden eingelassenen Kraftmessplatten ein 3D-Modell des Patienten am Computer.

Das Strichmännchen-Modell gibt den aufgezeichneten Bewegungsablauf wider, gibt Aufschluss über die Belastung einzelner Gelenke und misst die Muskelaktivität.

Für Stief liefern diese Daten zu Gelenkbelastungen eines Patienten wichtige Informationen zur Arthrose-Prävention. Diese "besondere Kombination" des Standorts Frankfurt soll Erkenntnisse bringen, hofft Meurer, die die "gravierende Einschränkung der Menschen" durch Arthrose ein bisschen verringert.

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