Empfehlungen eines Nephrologen

Wie Nierenkranke ihre Erkrankung bremsen können

Chronisch Nierenkranke können selbst einiges dafür tun, dass ihre Erkrankung langsamer fortschreitet. Ein Nephrologe gibt Empfehlungen für Patienten und Ärzte.

Veröffentlicht: 10.10.2018, 14:28 Uhr
Wie Nierenkranke ihre Erkrankung bremsen können

Bei einer chronischen Nierenerkrankung ist vegetarische Kost zu befürworten, Phosphatquellen sind zu meiden, und: "Trinkpflicht" ist out, so ein Nephrologe.

© benschonewille / fotolia.com

BERLIN. Die Nieren haben ein wesentliches Problem, so Professor Jan Galle. Nämlich das Problem, erst spät auf gesundheitliche Schäden zu reagieren.

Gerade in der ersten Lebenshälfte, in der viele Nierenerkrankungen ihren Ausgang nähmen, fehle es an hinreichend sensiblen Parametern, die eine Belastung der Organe erkennen ließen, betonte der Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren des Klinikums Lüdenscheid bei einer Veranstaltung zum Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN).

Die Allgemeinbevölkerung kenne Nierenpatienten in der Regel nur als ältere Menschen, sagte Galle, und wisse daher wenig über den langen Vorlauf, bis eine solche Erkrankung manifest werde. Oft begänne dieser bereits in jungen Jahren und gehe einer messbaren Erhöhung von Nierenwerten um Jahrzehnte voraus.

Ebenso lückenhaft – und auch mit Mythen besetzt – ist nach Erfahrung des Sprechers der DGfN das Wissen um Möglichkeiten, als Betroffener den Verlauf einer chronischen Nierenkrankheit zu bremsen.

Die zentrale Botschaft von Galle lautet hier: Nierenerkrankungen sind letztlich nichts anderes als Gefäßerkrankungen; was den Gefäßen schade, belastet immer auch die Nieren. Das hätten auch neue Untersuchungen für wichtige Risikofaktoren bestätigt.

» Rauchen, dessen schädliche Wirkung in der Allgemeinbevölkerung bislang vorwiegend mit Herz- und Lungenkrankheiten verknüpft werde, müsse in gleichem Maße auch als "Nierengift" im Bewusstsein verankert werden.

» Gleiches gelte für Übergewicht jenseits eines BMI von 25. Hierzu sei bereits seit langem bekannt, dass Fettgewebe aufgrund seiner hormonellen Aktivität häufig Glomerulopathien und eine Abnahme der Nierenfunktion nach sich ziehe.

» Vergleichsweise neu seien demgegenüber Erkenntnisse, die auch dem Phosphat eine eigenständige nierenschädigende Wirkung bescheinigen. Diese gehe über die Förderung der Steinbildung hinaus. Fertiggerichte, Fast Food, Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel seien Phosphatquellen ersten Ranges und sollten daher von Nierenpatienten und allen an ihrer Nierengesundheit Interessierten gemieden werden.

Günstige Effekte

» Ein jüngst publizierter Review sei zudem zu dem Schluss gekommen, dass eine vegetarische oder pflanzenbetonte Kost zahlreiche Gefäß- und Nierenrisiken reduziere. Das gelte für den Blutdruck ebenso wie für die Belastungen durch urämische Toxine, Entzündungen, oxidativen Stress oder auch Phosphat.

Ein prospektiv-randomisierter Nachweis dieser Effekte auf die Nierengesundheit stehe zwar noch aus, er sei aufgrund der Analogie von Nieren- und Gefäßerkrankungen von der positiven Wirkung jedoch überzeugt, so Galle.

» Gleiches gelte auch für die günstigen Effekte des Sports. Hier stünden die letzten harten Belege zwar ebenfalls noch aus. Andererseits, so der Nephrologe, seien noch nie negative Auswirkungen von Sport auf die Nierenfunktion beobachtet worden. Er sehe Bewegung bei Nierenerkrankungen deshalb für unbedingt empfehlenswert an, sagte Galle.

 » Hinsichtlich der empfohlenen Flüssigkeitsaufnahme warnte Galle davor, sich auf Grundlage von "Trinkmythen" eine "Trinkpflicht" aufzuerlegen. Für gesunde Menschen unter 70 Jahren stelle das Durstgefühl den besten Orientierungswert dar. Eine deutlich darüber hinaus gehende Trinkmenge sei tendenziell eher mit Risiken verbunden, ein Nutzen durch einschlägige Vergleichsstudien ausgeschlossen.

Leitungswasser empfohlen

Anders sehe es allerdings bei älteren und morbiden Menschen aus, bei denen das Durstgefühl nicht immer hinreichend zuverlässig funktioniere.

Hinsichtlich der Art der Getränke favorisiert Galle eindeutig das Leitungswasser. Es sei in Deutschland von hervorragender Qualität und genüge allen medizinischen Anforderungen der Flüssigkeitsversorgung.

Am zweitbesten eigne sich, was schmecke – und natürlich keinen Alkohol enthalte. Auch Kaffee zähle zur Trinkmenge. Ausdrücklich warnte Galle hingegen aufgrund des hohen kalorischen Gehalts vor gezuckerten Fruchtsäften.

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