Wieviel Kalzium bei Osteoporose?

Die Basistherapie bei Osteoporose hat offenbar auch Effekte auf Herz und Gefäße - positive und negative.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Modell des menschlichen Herzens mit Koronarien und den großen Gefäßen.

Modell des menschlichen Herzens mit Koronarien und den großen Gefäßen.

© Foto: Roman Dekanwww.fotolia.de

Eine Basistherapie mit Vitamin D und Kalzium nehmen Osteoporose-Patienten nicht selten jahrzehntelang ein. Wie wirkt sich diese Therapie jenseits des Knochens aus? Beim Praxis Update wurden einige aktuelle Studien vorgestellt. Und es gab eine etwas modifizierte Therapieempfehlung.

Eine ganze Reihe von aktuellen Untersuchungen belegt, dass Patienten mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln eine deutlich erhöhte Rate für kardiovaskuläre Ereignisse haben. Das hat bei der Veranstaltung Professor Bruno Allolio von der Universitätsklinik Würzburg berichtet.

Viel Vitamin D bedeutet: niedrige Mortalität

In einer dieser Untersuchungen wurden bei 3258 Männern und Frauen, die eine Koronarangiographie erhalten sollten, die Vitamin-D-Konzentrationen bestimmt.

Die Patienten wurden dann je nach ihren Vitamin-D-Werten in vier Gruppen eingeteilt. Dabei stellte sich heraus, dass die Patienten mit dem höchsten Vitamin-D-Gehalt die niedrigste kardiovaskuläre Sterberate und auch Gesamtsterberate hatten. Bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel war die Sterberate fast doppelt so hoch wie bei hohen Vitamin D-Konzentrationen. Zwei weitere Studien zu diesem Zusammenhang brachten ähnliche Resultate.

"Im Gegensatz dazu steht eine Untersuchung zur Kalziumsupplementierung aus Neuseeland", berichtete Allolio. Dabei handelte es sich sogar um eine randomisiert-kontrollierte Interventionsstudie, anders als beim Vitamin D, wo es diese Art von Studien noch nicht gibt.

An der Untersuchung zur Ergänzungstherapie mit Kalzium nahmen 1471 Frauen nach der Menopause teil, die entweder 1000 mg Kalzium täglich oder ein entsprechendes Placebo erhielten. Untersucht wurden die Raten kardiovaskulärer Ereignisse über fünf Jahre.

Das Ergebnis: Der kombinierte Studienendpunkt aus Myokardinfarkt, Schlaganfall und Tod kam bei jenen Frauen, die Kalzium erhalten hatten, fast doppelt so häufig vor wie in der Placebogruppe. Die Rate an Myokardinfarkten lag um die Hälfte höher.

Aufgrund dieser Ergebnisse stellt sich also die Frage: Was tun angesichts dieser Daten bei der Basistherapie von Patienten, die an Osteoporose erkrankt sind?

Vitamin D wurde erhöht, Kalzium dagegen erniedrigt

Eine erste Konsequenz wird in Würzburg schon gezogen: Von den üblichen 800 IU Vitamin D plus 1000 mg bis 1200 mg Kalzium wird dort abgewichen. "Wir geben 1000 IU Vitamin D, dafür aber nur 500 mg Kalzium", sagte Allolio.

Für eine endgültige Antwort seien weitere Studien nötig.

Lesen Sie dazu auch: "Effektiv, nicht aggressiv gegen Typ-2-Diabetes!" Bei Rheuma ist Rauchen besonders schädlich Verdacht auf M. Cushing? Blick auf Haut und Muskeln kann ihn erhärten Neue Strategie bei Typ-2-Diabetes: IL-1-Blockade Mukotympanon bei Kindern - die Therapie bleibt umstritten Einfaches Schema zur Diagnose bei Schilddrüsenknoten MTX-Therapie soll in wöchentlichen Abständen erfolgen Keine Scheu vorm Impfen bei Rheuma-Patienten! Polymyalgia rheumatica: wann ist Biopsie nötig?

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Stressfreie Blutabnahme

So lassen sich Schmerzen durch Nadelstiche bei kleinen Kindern mindern

Atemwegserreger

RSV-Welle hat begonnen

Lesetipps
Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte „ePA“.

© Daniel Karmann/dpa

Neue Funktion

E-Patientenakte: Volltextsuche für Ärzte geplant

So bitte nicht! Leichter kann man es Hackern kaum machen.

© Oleksandr Latkun/imageBROKER/picture alliance

Update

Datenschutz

Tipps: Darauf sollten Praxisteams bei Passwörtern achten