Verdacht auf M. Cushing? Blick auf Haut und Muskeln kann ihn erhärten

Die Symptome eines Hyperkortisolismus sind unspezifisch. Trotzdem gibt es Tipps, womit die Diagnose erleichtert wird.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Bei einem Verdacht auf Cushing sollte man die Patienten in die Hocke gehen lassen, empfahl Professor Bruno Allolio von der Universitätsklinik Würzburg. Denn kommen sie alleine nicht mehr hoch, könnte das Zeichen einer kortisolinduzierten Myopathie sein.

Hypertonie, Diabetes und Depressionen sind typisch

Problem bei der Cushing-Diagnostik ist, dass die bekannten Symptome von der Gewichtszunahme über Hypertonie bis zu Diabetes und Depressivität zwar typisch, aber unspezifisch sind. "Das gibt es alles auch beim metabolischen Syndrom oder bei polyzystischen Ovarien", sagte Allolio.

Mit der proximal betonten Myopathie ist das anders: "Die tritt zwar nicht bei vielen Cushing-Patienten auf, aber wenn sie auftritt, ist sie sehr spezifisch", sagte Allolio in Berlin. Die Kombination aus unspezifischen Cushing-Symptomen und pathologischem Hock-Test sollte deswegen auf jeden Fall ein Laborscreening nach sich ziehen, wenn nicht andere Probleme wie etwa Knieschmerzen das Aufstehen aus der Hocke verhindern.

Hautsymptome sind Atrophien und Blutungen

Auch der etwas genauere Blick auf die Haut hilft beim Cushing-Verdacht weiter: "Akne und Hirsutismus sind zwar sehr typisch, aber das gibt es beides auch bei vielen Patienten ohne Cushing-Syndrom. Sehr viel aussagekräftiger mit Blick auf den Hyperkortisolismus sind Hautatrophien und flächenhafte Einblutungen der Haut", sagte Allolio.

Die immer wieder gern als Auslöser für eine laborchemische Cushing-Diagnostik angeführten Striae seien dagegen nur dann verdächtig, wenn sie breit und stark livide sind. "Ihren Daumen müssen Sie da schon unterbringen können, sonst zählt es nicht", sagte Allolio.

Besteht der dringende klinische Verdacht auf einen Hyperkortisolismus, dann sollte der Hausarzt auf jeden Fall zwei Screening-Tests machen. Zur Auswahl stehen die Bestimmung des freien Kortisols im 24-Stunden-Urin, der Dexamethason-Kurztest und die Bestimmung des Speichelkortisols.

Ratsam ist, zwei Tests machen zu lassen

Beim Dexamethason-Kurztest müssen die Patienten 1mg Dexamethason oral um 23 Uhr einnehmen. Die Blutentnahme erfolgt dann am nächsten Tag zwischen 8 und 9 Uhr.

Beim Speicheltest erhalten die Patienten ein Teströhrchen mit nach Hause, in welchem sie ebenfalls kurz vor Mitternacht Speichel sammeln. Am nächsten Morgen geht es dann ins Labor. Sowohl der Speicheltest als auch die Urinbestimmung müssen doppelt gemacht werden. "Sparen kann man sich die einfache Kortisol-Bestimmung im Plasma. Das bringt nichts", so Allolio.

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