Digitale Gesundheitsanwendungen

Ärzte sehen DiGA im Aufwind

Die anfangs nur zögerlich akzeptierten DiGA sind inzwischen von jedem dritten ambulant tätigen Arzt schon einmal verordnet worden. Eine Studie zeigt auch, was Ärztinnen und Ärzte überzeugt.

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Ärzte befürworten laut Umfrage den Einsatz von DiGA vor allem im somatischen Bereich.

Ärzte befürworten laut Umfrage den Einsatz von DiGA vor allem im somatischen Bereich.

© Prykhodov / Getty Images / iStock

Hamburg. Für den einen sind sie der "größte Blödsinn", für den anderen ein "Zugewinn für die Patienten". Die Einschätzungen in den Freitexten der von der Stiftung Gesundheit befragten Ärztinnen und Ärzte über Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gehen weiterhin auseinander. Die Ergebnisse zeigen jedoch einen klaren Trend: Jeder dritte Befragte hat schon einmal eine DiGA auf Rezept verordnet. Der Anteil stieg von 14,3 Prozent in 2021 auf 33,6 Prozent in diesem Jahr. Weitere 13,9 Prozent wollen DiGA laut Studie "in nächster Zeit" ebenfalls einsetzen, vor einem Jahr hatten dies nur 8,2 Prozent der Studienteilnehmer erklärt.

Der Anteil unter den mehr als 2200 befragten Ärztinnen und Ärzte, die DiGA ausdrücklich ablehnen, ist inzwischen auf 34,7 Prozent gesunken, vor einem Jahr lag dieser Anteil noch bei 55,2 Prozent. Nur ein verhältnismäßig kleiner Anteil an Ärztinnen und Ärzte setzt DiGA wirklich häufig ein: 6,3 Prozent der Teilnehmenden gab an, dass sie schon mehr als 15 Verordnungen ausgestellt hätten. Weitere 7,5 Prozent kommen auf sechs bis 15 Verordnungen.

Klinische Evidenz überzeugt am meisten

Professor Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit, leitet aus den Zahlen nach "anfänglich großer Skepsis" mittlerweile eine deutlich gestiegene Akzeptanz in der Ärzteschaft ab.

Die Studie zeigt auch, was die Akzeptanz steigen lässt:

  • Erstens: Klinische Evidenz - diese lässt bei Zweidrittel der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte die Akzeptanz steigen.
  • Zweitens: Die sich wandelnden Wünsche und Bedarfe der Patienten - ein Argument für rund die Hälfte der Studienteilnehmer.
  • Drittens: Die Vertrautheit mit digitalen Diagnostika und Therapeutika (ebenfalls 50 Prozent).
  • Viertens: Die Position der ärztlichen Fachgesellschaften und Gremien (36 Prozent).

Als überraschend stuft die Stiftung Gesundheit ein, dass viele Ärztinnen und Ärzte den Einsatz der digitalen Therapiemöglichkeiten vor allem im somatischen Bereich befürworten - etwa in Form von Tagebuchanwendungen oder Apps, die Vitalparameter aufzeichnen. Denn die Zahlen zeigen, dass DiGA am häufigsten bei psychischen Indikationen eingesetzt werden - nämlich in Zweidrittel aller Fälle. „Das legt nahe, dass die für diesen Bereich angebotenen Apps die vorhandenen Bedarfe derzeit besser abdecken als im somatischen Bereich“, interpretiert Obermann diesen scheinbaren Widerspruch.

Datenschutz und weitere Hürden

Trotz der offensichtlich steigenden Akzeptanz geben die Ergebnisse auch Hinweise auf noch bestehende Hürden. Die Teilnehmer nannten datenschutzrechtliche Bedenken, Zweifel an der Wirksamkeit, zu hohe Kosten und Zweifel an der Motivation der Patienten. Viele Befragte nannten außerdem mangelnde Testmöglichkeiten als Hürde für den Einsatz. Obermann mahnte, diese Bedenken ernst zu nehmen: "DiGA darf kein Freifahrtschein für unkontrollierte und möglicherweise schädliche Apps auf Krankenschein werden."

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Auch nach den Informationsquellen über DiGA wurde gefragt. Nach Informationsmaterial wurden Fachzeitschriften am häufigsten genannt, gefolgt von Testzugängen. Die meisten Befragten hatten das erste Mal von DiGA über Printmedien erfahren, mit deutlichem Abstand gefolgt von Online-Werbung. (di)

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