Kinder in der Pandemie

Ärztekammer Hamburg fordert neue Quarantäne-Regeln für Kinder

Ab in die Quarantäne? Für Kinder müssen jetzt andere Regeln gelten, fordern die Delegierten der Kammer. Vor allem Kita-Kinder seien durch die Auswirkungen der Pandemie in ihrer Entwicklung gefährdet.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Ein Kind macht einen Corona-Test.

Positiver Test in Kita oder Schule – und alle ab in Quarantäne? Die Ärztekammer Hamburg hält das für überholt.

© Sebastian Gollnow / dpa

Hamburg. Ein Kind mit positivem Corona-Testergebnis – und die ganze Betreuungsgruppe oder sogar die ganze Kindereinrichtung muss in Quarantäne. Diese Regelung hält die Ärztekammer Hamburg für überholt; sie plädiert für eine differenziertere Herangehensweise. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution appellierten die Delegierten der Kammer an politische Entscheidungsträger, die Situation der Kinder stärker in den Blick zu nehmen und die Grundrechte von Kindern zu achten.

„Die Belange von Familien und insbesondere der Kinder müssen aktuell besser als zu Beginn der Pandemie berücksichtigt werden“, forderte Hamburgs Vizepräsidentin Dr. Birgit Wulff. Sie und die Delegierten verwiesen auf die starken Belastungen, denen Familien mit Kindern durch häusliche Quarantäne ausgesetzt seien. Dies gelte insbesondere für Kita-Kinder.

„Kinder aus dieser Altersgruppe können sich an die Situation vor der Pandemie gar nicht oder kaum noch erinnern“, heißt es in der Resolution. Das bedeute unter anderem, dass sie unbeschwerte Spielsituationen, Kindergeburtstage oder Schwimmbadbesuche ohne die Pandemie-Einschränkungen nicht erlebt hätten.

Entwicklung der Kinder sei gefährdet

Insbesondere vor dem Hintergrund der bevorstehenden Infektsaison sehen die Kammerdelegierten die Kinder in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung gefährdet, wenn sie wegen banaler Infekte wochenlang zu Hause bleiben müssten. Hinzu kommt: Manche Kinder setzten sich im häuslichen Umfeld auch noch einem höheren Misshandlungs- und Vernachlässigungsrisiko aus. Auf diese Folgen hatten Kinderärzte bereits hingewiesen.

Die Delegiertenversammlung regte deshalb zum einen an, auf die Quarantäne einer Betreuungsgruppe, in der ein positiv getesteter Fall aufgetreten ist, zu verzichten. Zum anderen rief sie dazu auf, die Grundrechte der Kinder zu schützen, indem nur noch jene Kinder für maximal fünf Tage abgesondert werden, die tatsächlich K1-Kontakte der Indexperson sind. „Sollte deren PCR-Testung dann negativ ausfallen, wird die Quarantäne-Anordnung aufgehoben“, heißt es in der Resolution.

Für unangemessen hält die Kammer die Kohorten-Quarantäne ganzer Einrichtungen. Parallel zur Sitzung der Kammer hatten die Gesundheitsminister der Länder beschlossen, die Quarantäneregelungen in Schulen und Kitas zu vereinheitlichen. Hamburgs Kammerpräsident Dr. Pedram Emami begrüßte diese Entscheidung als „Schritt in die richtige Richtung“ und „ganz im Sinne unseres Beschlusses“. (di)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

© Olia / Generated with AI / stock.adobe.com

Neurologische Entwicklungsstörung

Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Phenylketonurie – Phenylalanin-Zielwerte und Monitoring während der Lebensphasen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [2, 3]

Enzymersatztherapie der Phenylketonurie

Pegvaliase: anhaltendes Ansprechen, flexiblere Ernährung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Kronberg am Taunus
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Person im CT.

© oksanazahray / stock.adobe.com

Risikoadaptiertes Vorgehen

Lungenkrebs-Screening: Nach Rauchstopp erst später ins CT?

Eine Frau hat Schmerzen im Unterbauch aufgrund einer Blasenentzündung und hält sich mit der Hand den unteren Bauch.

© Aleksandr Rybalko / stock.adobe.com

Urogenitale Malignome

Akute Zystitis kann auf künftigen Krebs hinweisen

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!