COVID-19-Splitter

Die relevanten Corona-Studienergebnisse vom August

Was tut sich bei der Erforschung von SARS-CoV-2? Die „Ärzte Zeitung“ durchforstet täglich die COVID-19-Studienlage. Hier der Überblick für den August.

Von Denis Nößler und Marco Mrusek und Anne Bäurle und Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 03.09.2020, 17:55 Uhr
Die meisten Kinder mit Corona-Infektion werden übersehen.

Die meisten Kinder mit Corona-Infektion werden übersehen.

© Andrey / stock.adobe.com

Update vom 31. August

Corona-Infektionen bei Kindern werden meist übersehen oder verlaufen symptomlos, berichten koreanische Forscher und betonen: Trotzdem können die Kinder über Wochen SARS-CoV-2 ausscheiden. Die Pädiater von der Seoul National University haben in einer Studie 91 infizierte Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre untersucht. Diese waren bei der Kontaktverfolgung von Infektionsketten entdeckt worden. 22 Prozent der Heranwachsenden hatten überhaupt keine Symptome. Von den symptomatischen Kindern und Jugendlichen waren nur 8,5 Prozent im Vorfeld diagnostiziert worden, bei 66 Prozent waren leichte Symptome übersehen worden und 25 Prozent entwickelten erst im Anschluss Symptome. Die Virusausscheidung dauerte im Median etwa 17 Tage bei symptomatischen und 14 Tage bei asymptomatischen Kindern (JAMA Pediatr 2020; online 28. August).

Ein Test-Kit für Speichelproben auf SARS-CoV-2 hat sich in einer kanadischen Studie bewährt. Damit könnten Menschen in einem Test-Center ohne Hilfe von Fachpersonal die Proben einfach selbst abnehmen. Das Test-Kit (OMNIgene ORA) haben die Forscher der University of Ottawa in einer Studie mit Rachenabstrichen und herkömmlichen Tests verglichen. Insgesamt wurden 1939 gepaarte Abstrich- und Speichelproben analysiert. Spuren von SARS-CoV-2 wurden dabei in 70 Proben gefunden, davon 80 Prozent in Abstrichen und knapp 69 Prozent in Speichel. Trotz der etwas geringeren Erkennungsrate in Speichelproben könne das Test-Kit genutzt werden, meinen die Forscher, etwa bei vulnerablen oder schwierigen Patienten oder auch in abgelegenen Regionen. (Ann Intern Med 2020, online 28. August).

Zellen mit ACE2-Rezeptoren kommen praktisch überall im Körper vor und können potenziell von SARS-CoV-2 befallen werden, berichten US-Forscher vom University Health Sciences Center in New Orleans. Sie haben die Expression ACE2-Rezeptoren in 85 Gewebetypen des menschlichen Körpers analysiert inklusive 21 verschiedenen Hirnregionen. Eine ausgeprägte Expression von ACE2-Rezeptoren fand sich in Zellen von respiratorischen, digestiven, renal-exkretorischen und reproduktiven Organen sowie in vielen Hirnarealen. Dazu gehörten die Amygdala, der zerebrale Kortex und der Hirnstamm und dort vor allem in der Pons und der Medulla oblongata (Cellular and Molecular Neurobiology 2020; online 25. August).

Update vom 28. August

Zwischenergebnisse der Phase III-Studie zum Impfstoff-Kandidaten mRNA-1273: Der Wirkstoff hat bei älteren Erwachsenen eine vergleichbare Immunantwort hervorgerufen wie bei jüngeren Erwachsenen. Das teilt der Hersteller Moderna mit. Die Phase I-Ergebnisse mit jüngeren Erwachsenen im Alter von 18 bis 55 Jahre sind bereits publiziert (NEJM 2020; online 14. Juli), wir berichteten im Corona-Splitter am 15. Juli. Nun habe die Dosis von 100 g, die derzeit in der Phase III-Studie getestet wird, bei Erwachsenen im Alter von 56 bis 70 und mehr Jahren ähnliche Ergebnisse erzielt. Wie das Unternehmen mitteilt, haben die Werte der Antikörpertiter an Tag 57 bei den 18- bis 55-Jährigen bei 267, bei den 56- bis 70-Jährigen bei 324 und bei den Über-71-Jährigen bei 242 gelegen. Zum Vergleich: Bei Konvaleszenten, deren Daten veröffentlicht wurden, habe der Titer bei 109 gelegen. Auch neutralisierende Antikörpertiter und T-Zell-Reaktionen seien bei Jüngeren und Älteren vergleichbar gewesen. Die Dosis von 100 g sei bei älteren Erwachsenen im Allgemeinen sicher und gut verträglich gewesen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Höheres Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs durch Adipositas: Zahlen dazu haben jetzt Forscher aus Washington auf Basis einer Metaanalyse von 75 Studien vorgelegt. Demnach beträgt für Adipöse das Odds Ratio einer COVID-19-Erkrankung 1,46, für eine Hospitalisierung 2,13, für die Aufnahme in der Intensivstation 1,74 und für Tod in Folge der Erkrankung 1,48 im Vergleich mit nicht-adipösen Menschen (Obes Rev 2020; online 26. August).

Kinder und Jugendliche haben üblicherweise weniger schwere Verläufe von COVID-19. Todesfälle als Folge der Erkrankung sind in dieser Altersgruppe extrem selten. Jedoch sind Kinder mit afrikanischem Migrationshintergrund schwerer von COVID-19 betroffen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Das sind die Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie von Forschern aus dem Vereinigten Königreich (UK). Für die Studie wurden Daten von 651 Kindern und Jugendlichen ausgewertet, die zwischen Januar und Juli 2020 an 260 Krankenhäusern im UK behandelt wurden. Im Ergebnis hatten 42 Prozent der erkrankten Kinder mindestens eine Komorbidität, 18 Prozent mussten auf einer Intensivstation behandelt werden, ein Prozent starb im Krankenhaus. Bei diesen sechs Todesfällen gab es ausgeprägte Komorbiditäten. Das Odds Ratio für Kinder mit afrikanischem Migrationshintergrund, an COVID-19 zu erkranken, lag bei 2,82 im Vergleich mit Kindern ohne Migrationshintergrund (BMJ 2020; online 27. August).

Warum haben Männer ein höheres Risiko für schwere COVID-19-Symptome und für einen schweren Verlauf als Frauen? Die Antwort könnte einfach „Östrogen“ lauten. Wissenschaftler aus North Carolina vermuten, dass die Zahl der ACE2-Rezeptoren im Herz durch Östrogen bei Frauen gesenkt wird und dadurch schwerere Verläufe bei Frauen seltener sind (Curr Hypertens Rep 2020; online 27. August).

Update vom 27. August

Hydroxychloroquin ja oder nein? Eine italienische Beobachtungsstudie trägt zur Diskussion bei: Nach einer retrospektiven Analyse der Daten von 3451 hospitalisierten COVID-19-Patienten in 33 Krankenhäusern war die Therapie mit der Arznei im Vergleich zu einer Therapie ohne die Arznei mit einem um 30 Prozent geringeren Sterberisiko assoziiert. Die Sterberate auf 1000 Patienten-Tage betrug mit Hydroxychloroquin 8,9 und ohne 15,7. Der Zusammenhang zwischen der Medikation und der niedrigeren Todesrate sei besonders deutlich gewesen bei Patienten mit erhöhten C-reaktivem Protein bei Krankenhausaufnahme, schreiben die italienischen Wissenschaftler (Eur J Intern Med 2020; online 25. August).

Forscher raten bei Corona-Verdacht vom Küssen ab. Eine Verbreitung von SARS-CoV-2 durchs Küssen wird nämlich nicht durch extrazelluläre Vesikel gehemmt. Diese Speichelkomponente macht zwar eine Übertragung von Flaviviren (Zika, Dengue, West-Nil) nahezu unmöglich. Auf SARS-CoV-2 haben die Vesikel jedoch anscheinend keinen Einfluss, haben Wissenschaftler aus Ulm und aus Schweden herausgefunden (J Extracell Vesicles 2020; online 24. August).

Rinder sind offenbar nur geringfügig empfänglich für SARS-CoV-2. In ihnen kann sich das Virus nur wenig replizieren, eine Transmission findet nicht statt. Bei der Verbreitung des Virus spielen sie also wohl keine relevante Rolle, heißt es in einer Studie von Forschern aus Greifswald, die auf dem Preprint-Server BioRxIv veröffentlicht wurde. Bei Schweinen, Hühnern und Meerschweinchen habe es überhaupt keine Virusreplikation gegeben, bei Rindern hingegen bei zwei von sechs Tieren, dort jedoch nur geringfügig. Die Tiere entwickelten Antikörper, Kontakttiere wurden nicht infiziert. Die Forscher schränken ein, dass nicht auszuschließen sei, dass das SARS-CoV-2-Virus noch mutiere (2020; online 25. August).

Update vom 26. August

In der Zeit des Corona-Lockdowns zwischen März und Mai 2020 hat es offenbar keine gehäuften Diabetesfälle bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland gegeben. Das hatten Experten zuvor in Betracht gezogen, da Stress und Viruserkrankungen Risikofaktoren für Typ-1-Diabetes sind, teilt die Deutsche Diabetes Gesellschaft mit. Für die Studie hatte ein deutsches Forscherteam die Inzidenz von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen an 216 deutschen Kinder-Diabetes-Zentren untersucht. Ergebnis: Zwischen März und Mai 2020 gab es 531 neue solche Fälle, im gleichen Zeitraum 2019 waren es 503. Die Differenz sei nicht signifikant, schreiben die Wissenschaftler. Eine kürzlich publizierte Studie hat allerdings ergeben, dass es fast bei jedem zweiten Kind und Jugendlichen mit einem neu manifestierten Typ-1-Diabetes mellitus während des Lockdowns zu einer Ketoazidose gekommen ist. Grund könnten aufgeschobene Arztbesuche sein (Diabetes Care 2020; online 21. August).

Parkinson-Patienten haben häufig Komorbiditäten, die sie besonders anfällig für einen schweren COVID-19-Verlauf machen. Das ist das Ergebnis einer Studie deutscher Wissenschaftler, für die sie die Daten aller 45.000 im Jahr 2018 in Deutschland stationär behandelten Patienten mit Parkinson ausgewertet haben. Ergebnis: Überdurchschnittlich häufig litten diese Patienten auch an Hypertonie, Diabetes, Hepatitis, COPD und chronischen Nierenerkrankungen – also Erkrankungen, die auch als Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe bekannt sind. Als Konsequenz empfehlen die Forscher hohe präventionshygienische Standards für Patienten mit Parkinson (Neurol Res 2020; online 11. August).

Mehr US-Amerikaner suchen seit Pandemie-Beginn im Internet nach Hilfe, wie mit einer akuten Panik- oder Angstattacke umzugehen ist. Die Menge der Suchanfragen stelle einen neuen Höchstwert dar, heißt es in einem Research Letter von Forschern der University of California. Entsprechende Suchanfragen seien besonders ab Mitte März 2020 häufiger vorgekommen, als sich Nachrichten über Todesfälle in Europa und China häuften. Insgesamt seien die Anfragen im März und April elf Prozent erhöht gewesen verglichen mit dem Durchschnittswert der Jahre 2004 bis 2020. Am 28. März habe es 52 Prozent mehr solcher Anfragen gegeben – der Höchstwert im analysierten Zeitraum. Das entspreche 375.000 zusätzlichen Anfragen (JAMA Int Med 2020; online 24. August).

Update vom 25. August

Das Tragen von Gesichtsmasken kann dazu beitragen, dass sich die Träger weniger an Maßnahmen der sozialen Distanz halten. So waren Maskenträger im Durchschnitt damit einverstanden, näher an Mitmenschen zu stehen oder zu sitzen als der Sicherheitsabstand es vorsieht, und auch zu Maskenträgern verringerte sich die durchschnittlich als akzeptabel empfundene Distanz von Nicht-Maskenträgern. Für die Studie zeigten britische Wissenschaftler der Warwick Business School 800 Probanden Fotos von Menschen mit und ohne Maske und hielten fest, welcher Abstand zu diesen als akzeptabel angegeben wurde. Im Ergebnis hielten die Probanden zu Personen ohne Mund-Nasen-Schutz im Durchschnitt einen Abstand von mehr als zwei Metern, zu Personen mit Mund-Nasen-Schutz einen Abstand von 1,8 Metern (preprint, J Exp Psychol Appl 2020; online 12. August).

Die Überwachung des Abwassers könnte möglicherweise dazu beitragen, lokale Infektionsherde zügig zu identifizieren. Ein Team aus Frankfurter und Aachener Wissenschaftlern hat die „Virenfracht“ von neun Kläranlagen untersucht und sei in der Lage, aufgrund der Menge der festgestellten Viren Rückschlüsse über die Zahl der Infizierten anzustellen, teilt die Universität Frankfurt am Main mit. Die Sensitivität sei ausreichend, um als Frühwarnsystem anzuzeigen, ob der Grenzwert von 50 Inzidenzen pro 100.000 Einwohnern überschritten werde. Die im Abwasser nachgewiesenen Viren-Fragmente seien nicht-infektiös gewesen, heißt es in der Mitteilung (Sci Total Environ 2020; online 18. August).

Update vom 24. August

Eine Fünf-Tages-Gabe von Remdesivir bessert den klinischen Status von hospitalisierten COVID-19-Patienten signifikant. Das hat erneut eine randomisierte Phase III-Studie mit 584 Patienten mit moderater COVID-19-Erkrankung bestätigt. Die Zehn-Tages-Verabreichung brachte dagegen keinen Unterschied im Vergleich mit der Standardtherapie. Der Therapieerfolg wurde am 11. Tag anhand einer 7-Punkte-Skala überprüft. Remdesivir hat als Veklury (Gilead Sciences) bereits seit Anfang Juli eine EU-Zulassung für die Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen (im Alter von 12 Jahren oder älter) mit COVID-19 und Pneumonie, die zusätzlichen Sauerstoff benötigen (JAMA 2020; online 21. August).

Eine Therapie mit RAAS-Hemmern bei Hypertonie-Patienten scheint wohl nicht mit einem schwereren Verlauf von COVID-19 zusammenzuhängen. Das legt eine britische Meta-Analyse mit knapp 29.000 Patienten nahe. Bei den Patienten mit dieser Medikation gebe es keinen Hinweis darauf, dass dadurch der Schweregrad der Erkrankung oder die Mortalität steige – es sehe sogar so aus, als hätten die RAAS-Hemmer eine protektive Wirkung auf Hypertonie-Patienten, weil das Risiko für einen schweren Verlauf und für Tod signifikant reduziert sei (Odds Ratio 0,66), wird Studienautor Dr. Vassilios Vassiliou in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Dies hatten bereits mehrere Experten vermutet. Hypertonie-Patienten sollten deshalb ihre RAAS-Hemmer-Therapie auch bei COVID-19-Erkrankung unbedingt fortsetzen, schreiben die Forscher (Curr Atheroscler Rep 2020; online 24. August).

Singen scheint nicht riskanter im Bezug auf eine SARS-CoV-2-Infektion zu sein als Sprechen. Stattdessen kommt es auf die Lautstärke der Person an. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Bristol, die beim Preprint-Server ChemRxiv eingereicht wurde. Für die Studie untersuchten die Forscher, welche Menge an Tröpfchen und Aerosolen beim Atmen und beim Singen ausgestoßen werden. Als Probanden dienten 25 professionelle Sänger, darunter Musicalsänger, Opernsänger und Rocksänger. Erst ab einer Lautstärke von 90 bis 100 Dezibel gab es einen 1,5- bis 3,4-fachen Unterschied in der ausgestoßenen Aerosol-Menge (ChemRxiv; online 20. August).

Empfänger von Spenderherzen erkranken nicht häufiger an COVID-19. Wenn es aber dazu kommt, dann häufig mit schwerem Verlauf, hoher Mortalität und kardiovaskulären Komplikationen, legt eine Umfrage unter allen deutschen Herztransplantationszentren nahe. Die Forscher berichten von 21 Patienten mit Herztransplantation, die an COVID-19 erkrankten. Von diesen hatten acht (38 Prozent) einen schweren Verlauf, der eine Beatmung erforderte. Von diesen acht Patienten starben sieben (88 Prozent). Die Mehrheit der Patienten war immunsupprimiert: 71 Prozent erhielten Calcineurininhibitoren, 86 Prozent Mycophenolatmofetil und 71 Prozent Steroide. Die Forscher halten es für möglich, dass die Transplantationspatienten eine besondere Sorgfalt in der Infektionsprävention und bei der Hygiene an den Tag gelegt haben könnten und so womöglich seltener in Kontakt mit SARS-CoV-2 gekommen sind (Clin Res Cardiol 2020; online 11. August). (sj)

Update vom 21. August

SARS-CoV-2 breitet sich in trockenen Räumen wohl stärker aus. Physiker haben zehn Studien, die zwischen 2007 und 2020 den Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf das Überleben, die Ausbreitung und Infektion mit Influenza- und verschiedenen Coronaviren (SARS-CoV-1, MERS und SARS-CoV-2) untersucht haben, ausgewertet. Ergebnis: Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Aerosole weniger Wasser auf, sind leichter und verbleiben damit länger in der Luft. Außerdem können sie eine längere Strecke zurücklegen. Bei dieser Luftfeuchtigkeit ist damit die Wahrscheinlichkeit, dass Virus-enthaltende Aerosole von Nicht-Infizierten in der Umgebung eingeatmet werden, höher als bei feuchter Luft. Die Forscher vom Institut für Troposphärenforschung in Leipzig empfehlen daher, neben den bisher üblichen Maßnahmen wie Abstand halten auch die Raumluft zu kontrollieren. Eine relative Feuchte von 40 bis 60 Prozent könne die Ausbreitung von SARS-CoV-2 und die Aufnahme über die Nasenschleimhaut reduzieren (Aerosol and Air Quality Research 2020; online 28. Juli).

Ein experimenteller monoklonaler Antikörper zur Prävention von COVID-19 wird in Pflegeeinrichtungen in den USA getestet. Das berichtet die „New York Times“. Der vom Unternehmen Lilly entwickelte Antikörper wurde demnach aus dem Serum eines Rekonvaleszenten kloniert und soll an insgesamt 2400 Bewohnern und Mitarbeitern von Pflegeeinrichtungen im ganzen Land gegen Placebo getestet werden. Das Unternehmen hofft, dass mindestens 500 Einrichtungen teilnehmen – bisher sind es 125. Der Antikörper soll zum Einsatz kommen, wenn in einer Pflegeeinrichtung ein Bewohner positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern und die besonders vulnerable Gruppe der Älteren schnell zu schützen. Dem Bericht zufolge könnte der Antikörper nach Infusion mindestens einen Monat im Körper des Impflings stabil sein, möglicherweise sogar drei Monate. Die Kosten könnten bei mehreren tausend Dollar liegen, mutmaßt die „New York Times“ (NYT; online 20. August).

Update vom 20. August

Zwei von drei Intensivpatienten in Deutschland mussten künstlich beatmet werden. Jeder dritte beatmete Intensivpatient starb, bei den nicht beatmeten Intensivpatienten mit einer COVID-19-Infektion war es etwa jeder vierte. Das hat eine Studie mit den Daten von allen 1904 COVID-19-Patienten ergeben, die seit Beginn der Pandemie in den 86 Krankenhäusern der Helios Gruppe aufgenommen wurden. Die Ergebnisse decken sich mit Daten einer kürzlich publizierten Studie mit mehr als 10.000 Patienten aus insgesamt 920 Kliniken in Deutschland. Auch hier wurde bei Patienten, die beatmet werden mussten, eine Überlebenschance von weniger als 50 Prozent festgestellt (in den Helios-Kliniken lag sie bei rund 33 Prozent). Von den hospitalisierten Patienten, die nicht beatmet werden mussten, starben 16 Prozent (in den Helios-Kliniken etwa 25 Prozent) (Clin Microbiol Inf 2020; online 18. August).

Sind Kinder „silent spreaders“? Abermals wirft eine Studie diese Frage auf. Dr. Lael Yonker und Kollegen vom Massachusetts General Hospital in Boston haben nämlich festgestellt, dass Kinder und Jugendliche, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, eine besonders hohe Viruskonzentration im Rachenraum aufweisen, die sogar signifikant über den Virustitern bei schwerkranken erwachsenen COVID-19-Patienten liegt – und zwar in allen Altersklassen zwischen 0 und 22 Jahren. Symptome, die meist mild und unspezifisch ausfielen, entwickelte nur jedes zweite der 49 untersuchten Kinder mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis. Die Studienautoren bezeichnen Kinder daher als „silent spreaders“. „Sollten Schulen wieder vollständig und ohne die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen öffnen, werden Kinder wahrscheinlich eine sehr viel größere Rolle im Pandemiegeschehen spielen“, warnen Yonker und Kollegen. Ob die sekundäre Attackrate durch infizierte Kinder – etwa bei Haushalts- oder Schulkontakten – tatsächlich höher ist, konnten die Forscher aber nicht untersuchen (J Ped 2020; online 20. August).

Antikörper deuten offenbar auf einen Schutz vor SARS-CoV-2-Infektion hin. Vorläufige Belege dafür stammen von einem Fischtrawler, berichtet ein US-Team um Amin Addetia von der University of Washington. Das Schiff war im Mai von Seattle (US-Staat Washington) aus in See gestochen. Vor Ablegen hatte man alle 122 Besatzungsmitglieder auf Zeichen einer Corona-Infektion getestet, und zwar mit PCR-Tests (alle negativ!) und Antikörpertests. Bereits nach 18 Tagen kehrte das Schiff wegen eines schweren Krankheitsfalls zurück. Von 120 der Seeleute wurden anschließend 104 positiv auf das Coronavirus getestet. Resultate der Erreger-Feintypisierung legen nahe, dass der Ausbruch auf einen einzigen Infizierten zurückgeht. Unter den wenigen Nicht-Infizierten befanden sich die einzigen drei Besatzungsmitglieder mit positivem Antikörpertest vor Abreise. Dass diese zufällig geschützt waren, haben die Forscher mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen (p=0,002). Die Studie – obwohl klein und nur vorläufig publiziert – gibt Hinweise auf eine wichtige Frage zur Pandemie: Sind Menschen nach erfolgreich überstandenen SARS-CoV-2-Infektion vor weiteren Ansteckungen geschützt? Auch die Impfstoff-Entwicklung würde durch den Beleg, dass Antikörper als immunologisches Korrelat für Schutz dienen können, erheblich erleichtert, so die Forscher (medRxiv preprint 2020; online 14. August).

Der bisweilen bei COVID-19 auftretende Zytokinsturm könnte Ursache dafür sein, das manche Patienten keine lang anhaltende Immunität ausbilden. Dr. Naoki Kaneko und Kollegen von der Harvard Medical School und vom Massachusetts Institute of Technology haben in einer Studie die Milz und Lymphknoten von 19 gestorbenen COVID-19 Patienten untersucht, bei denen zuvor eine hohe Konzentration von Zytokinen im Blut nachgewiesen worden war. Sie konnten in den Lymphknoten der Patienten keinerlei Keimzentren nachweisen – diese sind ein essenzieller Bestandteil der Immunantwort. So sind sie verantwortlich dafür, dass sich beispielsweise B-Gedächtniszellen ausbilden, die für eine langfristige Immunantwort wichtig sind (Cell 2020; online 19. August).

Update vom 19. August

Das Spike-Protein von SARS-CoV-2 ist besonders dynamisch: „Wie ein Ballon an einer Schnur scheinen sich die Spike-Proteine auf der Oberfläche des Virus zu bewegen und so den Rezeptor für das Andocken an der Zielzelle suchen zu können“ – so beschreiben es Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts und des European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Mithilfe moderner Elektronenmikroskopie haben sie SARS-CoV-2-Partikel untersucht, die aus dem Überstand infizierter Zellen gewonnen wurden. Dabei stellte sich heraus, dass das Spike-Protein auf einer Art „Stiel“ auf der Oberfläche des neuen Coronavirus sitzt. Dieser Stiel besteht aus vier unterschiedlichen Domänen. Diese bezeichneten Dr. Beata Turoňová und ihre Kollegen als „Hüft-“, „Knie“-, „Knöchel“- und „Fuß“-Domäne. Letztere ist in die Membran des Virus eingebettet. Ein weiteres, für die Impfstoffentwicklung erfreuliches Ergebnis der Wissenschaftler: Der obere Teil des Spikes weist unter natürlichen Bedingungen eine Struktur auf, die von rekombinanten Proteinen, die für die Impfstoffentwicklung genutzt werden, gut wiedergegeben wird (Science 2020; online 18. August).

Mit dem bei COVID-19 häufig auftretenden Geruchs- und Geschmacksverlust beschäftigen sich zwei aktuelle Studien. Ein Team der University of East Anglia hat festgestellt, dass sich der Geruchs- und Geschmacksverlust bei COVID-19 von dem bei einer Influenza-Erkrankung deutlich unterscheidet. Typisch für COVID-19 ist nämlich, dass die Patienten frei atmen können und nicht unter Rhinitis leiden. Außerdem sei ihr Geruchs- und Geschmacksverlust „tiefgreifender“ als bei einer Influenza, schreiben Professor Carl Philpott und Kollegen. So könnten COVID-19-Patienten süßen und bitteren Geschmack absolut nicht voneinander unterscheiden, und die Riechstörung/Anosmie trete im Gegensatz zu einer Grippe sehr abrupt auf. Die Symptome könnten sich daher für die Differentialdiagnose eignen. Für ihre Studie hatte das Team 30 Personen befragt: 10 waren an COVID-19 erkrankt, 10 an einer Influenza, und 10 Teilnehmer waren völlig gesund. In der zweiten Studie untersuchten Wissenschaftler um Dr. Mengfei Chen von der Johns Hopkins Universität, warum der Verlust von Geruch und Geschmack so „tiefgreifend“ ist. Sie kommen zu dem Schluss, dass ACE2 – das Zielprotein des Virus – nur im olfaktorischen Nasenepithel in besonders hoher Zahl exprimiert wird: Die ACE2-Konzentration war im olfaktorischen Nasenepithel 200-mal so hoch wie in den anderen Bereichen des Nasenepithels und 700-mal so hoch wie in der Trachea. Das olfaktorische Nasenepithel könnte daher die molekulare Eintrittspforte für SARS-CoV-2 sein und damit auch Ansatzpunkt für antivirale Therapien, die nasal appliziert werden, resümieren die Forscher (Rhinology 2020; online 19. August und Eur Resp J 2020; online 18. August).

Ob es zu Übertragungen von SARS-CoV-2 im Flugzeug kommt, haben sich Virologen des Universitätsklinikum Frankfurt gefragt. Um das zu klären, haben sie Reisende einer Passagiermaschine befragt und getestet. Das betreffende Flugzeug flog am 9. März mit 102 Passagieren an Bord von Tel Aviv nach Frankfurt. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf Flügen noch keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz einer Übertragung – etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Die Flugzeit betrug 4 Stunden und 40 Minuten. Einige der Passagiere gehörten einer Reisegruppe an, die sieben Tage vor dem Abflug Kontakt zu einem Mann hatte, bei dem später COVID-19 diagnostiziert wurde. Vor dem Flug hatte keiner der 102 Passagiere eine COVID-19-Diagnose erhalten, unmittelbar nach dem Flug, bei Testung am Flughafen, waren sieben der 24 Personen mit Kontakt zu dem COVID-19-Patienten SARS-CoV-2-positiv – also zum Zeitpunkt des Fluges bereits infiziert gewesen. Bei zwei Passagieren, die nicht zu der Reisegruppe gehörten, wurde zu einem späteren Zeitpunkt eine Infektion festgestellt. In diesen beiden Fällen erscheint aufgrund der zeitlichen Abfolge eine Übertragung im Flugzeug sehr wahrscheinlich, schreiben Dr. Sebastian Hoehl und seine Kollegen. „Die Anzahl der Übertragungen ist niedriger, als wir bei sieben Ausgangspatienten angenommen hätten. Das spricht dafür, dass die Luftfilteranlagen im Flugzeug Übertragungen des Virus reduzieren können – aber eben nicht vollständig verhindern. Mit Blick auf diese Ergebnisse erscheinen zusätzliche Schutzmaßnahmen im Flugzeug – wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – sehr sinnvoll“, wird Studienautorin Professor Sandra Ciesek in einer Mitteilung aus Anlass der Publikation zitiert (JAMA Netw Open; online 18. August).

Update vom 18. August

Gleich mehrere Studien belegen einen längerfristigen Immunschutz nach einer milden oder asymptomatischen SARS-CoV-2-Infektion durch T-Zellen – auch wenn keine Antikörper gebildet werden. Dies war in der Vergangenheit immer wieder vermutet worden. Nun haben etwa Forscher des Karolinska-Instituts in Stockholm selbst bei nur mild oder asymptomatisch Erkrankten eine robuste T-Zell-Antwort nachgewiesen, die auch die Bildung von Gedächtnis-T-Zellen induziert und damit wohl über einen längeren Zeitraum hinweg vor einer weiteren Infektion schützt, schreiben Dr. Takuya Sekine und ihre Kollegen (Cell 2020; in press).

COVID-19-Patienten, bei denen SARS-CoV-2 auch in den Nieren nachzuweisen ist, haben ein höheres Risiko für Nierenversagen und für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf. Für ein Team um Dr. Fabian Braun, Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, ist das ein Hinweis darauf, bei einer COVID-19-Erkrankung früh auf Organbeteiligungen zu achten, im Fall der Niere durch Urintests. Auch sollten therapeutische Interventionen in Betracht gezogen werden. Die Autoren bestätigen damit ihre Befunde aus dem Mai. In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler die Obduktionen von 63 überwiegend älteren Patienten mit COVID-19 und Vorerkrankungen ausgewertet. Unter den Patienten mit einem akuten Nierenversagen wiesen sie bei 72 Prozent SARS-CoV-2 in den Nieren nach. Im Gegensatz dazu fanden sie bei Patienten ohne akutem Nierenversagen nur in 43 Prozent der Fälle den Erreger in den Nieren. Zudem isolierten die Forscher aus der Niere eines Patienten SARS-CoV-2. In in-vitro-Versuchen konnte das Virus Zellen infizieren und sich in ihnen vermehren – ein Hinweis darauf, dass auch die Nieren ein direktes Ziel von SARS-CoV-2 sind (Lancet 2020; online 17. August).

Bestimmte Ethnien sind in den USA deutlich stärker von COVID-19 betroffen. So liegt der Anteil an Afroamerikanern an der Bevölkerung im Bundesstaat Ohio nur bei 13 Prozent – ihr Anteil an den dort hospitalisierten COVID-19-Patienten dagegen bei ganzen 32 Prozent. Auch für Menschen hispanoamerikanischer und spanischer Herkunft zeigt sich ein solcher Trend: In Virgina liegt ihr Anteil an der dortigen Bevölkerung bei 9,6 Prozent, ihr Anteil bei den hospitalisierten COVID-19-Patienten allerdings bei 36,2 Prozent. Menschen einer Ethnie scheinen dagegen deutlich seltener von COVID-19 betroffen zu sein: In sechs von zehn Bundesstaaten, die diesbezüglich Angaben machen konnten, lag der Anteil an chinesisch-stämmigen COVID-19-Patienten deutlich unter deren Anteil an der Bevölkerung. Sozioökonomische Faktoren spielen vermutlich eine große Rolle, schreiben die Forscher um Dr. Pinar Karaca-Mandic. Allerdings müssten die Gründe, warum nicht-weiße Menschen so viel stärker von COVID-19 betroffen seien, dringend geklärt werden, um diese vulnerablen Gruppen zu schützen. Für die Studie analysierte das Team von der University of Minnesota in Minneapolis Daten aus 12 Bundesstaaten aus dem „COVID-19 Hospitalization Tracking Project“. Innerhalb von zwei Monaten waren in den 12 Staaten fast 49.000 COVID-19-Patienten hospitalisiert worden (JAMA Intern Med 2020; online 17. August).

Update vom 17. August

Im ehemaligen Corona-Hotspot Kupferzell haben sich 3,9-mal so viele Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert wie bisher angenommen. Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts hervor (RKI). Insgesamt wurden bei 7,7 Prozent der erwachsenen Studienteilnehmer Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen, akute Infektionen wurden nicht festgestellt. 16,8 Prozent der Seropositiven waren dabei asymptomatisch. Interessant ist auch die Tatsache, dass bei 28,2 Prozent der Teilnehmer mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis keine Antikörper detektiert werden konnten. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine längerfristige Immunität besteht – aktuelle Studien deuten auf einen gewissen Immunschutz durch T-Zellen hin. Da mehr als 2200 von den etwa 6000 Einwohnern des Ortes – und damit mehr als ein Drittel – an der Befragung teilgenommen haben, gilt die Erhebung als repräsentativ (Mitteilung des RKI, online 14. Juli).

Vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren haben Forscher in Aerosolen nachgewiesen. Für ihre Studie untersuchte ein Team um Dr. John Lednicky von der University of Florida die Luft im Zimmer hospitalisierter COVID-19-Patienten, und zwar im Abstand von 2 bis 4,8 Metern. In den Proben wiesen die Wissenschaftler SARS-CoV-2-Viren nach – und auch, dass die Viren von den Patienten selbst stammten: Das jeweilige RNA-Erbgut war identisch mit demjenigen, das in den Abstrichen der Patienten detektiert worden war. Als sie die Aerosol-Proben in eine Zellkultur einbrachten, konnten die im Aerosol enthaltenen SARS-CoV-2-Viren die Zellen infizieren und sich in ihnen vermehren. Für Lednicky und Kollegen der Nachweis, dass SARS-CoV-2 auch über Aerosole übertragen wird (medRxiv 2020.08.03.20167395).

Einen möglichen Nutzen von Statinen bei schweren COVID-19-Verläufen haben Wissenschaftler in einer Metaanalyse von vier Studien mit insgesamt über 8000 Patienten gefunden. Den Ergebnissen zufolge geht eine Therapie mit den Cholesterinsenkern mit einem um 30 Prozent geringerem Risiko für schwere oder tödliche Erkrankungsverläufe einher. Aufgrund ihrer diversen pleiotropen Effekte wurden Statine schon länger als potenzielle Therapiestrategie bei COVID-19-Patienten diskutiert. So wird den Medikamenten unter anderem eine antiinflammatorische, gefäßprotektive und plaquestabilisierende Wirkung zugesprochen – Effekte also, die bei COVID-19 theoretisch nützlich wären, da die Patienten häufig eine generalisierte Entzündungsreaktion entwickeln (Am J Cardiol 2020; online 12. August). (vsc)

Eine Immunsuppression führt wohl nicht per se zu einer schlechteren Immunantwort gegen SARS-CoV-2. Denn einer Studie deutscher Virologen zufolge sind etwa Patienten nach einer Organtransplantation sehr wohl in der Lage, trotz Immunsuppression eine ausreichende Immunantwort zu erzielen. Neben hohen Antikörper-Titern waren in einer von Professor Nina Babel und Kollegen von der Ruhr-Universität Bochum durchgeführten Fallstudie auch eine starke T-Zell-Antwort nachweisbar. Ein im Immundiagnostiklabor der Universität entwickelter Test zum Nachweis dieser Immunantwort könne nun dabei helfen, die Immunsuppression während einer COVID-19-Erkrankung individuell anzupassen, schreiben die Wissenschaftler (Am J Transplant 2020; online 10. August).

Update vom 14. August

Etwa sechs Prozent der Engländer haben wohl Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Das ist das Ergebnis der epidemiologischen Studie REACT vom Imperial College London, für die sich über 100.000 Engländer bis Ende Juni zu Hause mit einem Blut-Schnelltest selbst auf Antikörper getestet haben. Die Studie werde auf dem Preprint-Server MedRxIv eingereicht, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Bei den sechs Prozent der Engländer (entspricht etwa 3,4 Millionen Bürgern) sei es wahrscheinlich, dass diese eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hätten. Besonders viele positive Testergebnisse gab es in London (13 Prozent), am wenigsten im Südwesten des britischen Landesteils (drei Prozent). Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren seien mehr als doppelt so oft positiv getestet worden (acht Prozent) wie Menschen im Rentenalter zwischen 65 und 74 Jahren (drei Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich stark betroffen seien Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Angehörige ethnischer Minderheiten. Bei Mitarbeitern in Pflegeheimen mit Patientenkontakt liege die Rate bei 16 Prozent. Menschen mit schwarzer Hautfarbe wiesen sogar zu 17 Prozent Antikörper auf. (Mit Material der dpa)

Hohes Ansteckungsrisiko bei Haushaltskontakten von SARS-CoV-2-Infizierten: Forscher der Universität von Guangdong in China haben zwischen Januar und März 3410 enge Kontakte von 391 Indexpatienten mit COVID-19 prospektiv untersucht. 127 Kontaktpersonen haben sich dabei insgesamt angesteckt (3,7 Prozent). Unter den Haushaltskontakten waren es 10,3 Prozent, bei Kontakten im Gesundheitswesen 1,0 Prozent und bei Kontakten in öffentlichen Verkehrsmitteln 0,1 Prozent. Je schwerer ein Indexpatient erkrankt war, desto größer war das Infektionsrisiko für Kontakte. Bestimmte Symptome von Indexpatienten, wie Auswurf, bargen zudem eine erhöhte Ansteckungsgefahr bei Begegnung mit anderen Personen (Ann Intern Med 2020; 13. August).

Update vom 13. August

Rekonvaleszenten-Plasma ist offenbar sicher und wirksam bei schwerer COVID-19, berichten Ärzte um Eric Salazar vom „Houston Methodist Hospital“ im US-Staat Texas. Sie stellen die vorläufige Analyse einer noch andauernden prospektiven „propensity score-matched“ Studie vor. Darin wurde der Therapieerfolg bei 136 Patienten mit Transfusion eines solchen Plasmas verglichen mit 251 ähnlich schwer Erkrankten ohne Transfusion („match“ nach Alter, Geschlecht, BMI, Grunderkrankungen, mechanische Beatmung ...). Das verwendete Rekonvaleszenten-Plasma hatte hohe Titer der „IgG anti-spike-receptor binding domain“ (RBD). Die Sterberate binnen 28 Tagen ließ sich deutlich senken (RR 3,5; 95% CI 0,87–14,08; p=0,08), vor allem wenn Patienten binnen 72 Stunden nach Klinikaufnahme damit behandelt wurden (Am J Pathol 2020, online 10. August).

Übergewicht erhöht das Risiko, an COVID-19 zu sterben. Das bestätigt eine Studie kalifornischer Forscher und stützt damit die Annahme, dass Übergewicht ein unabhängiger Risikofaktor für COVID-19 ist. Bei der Studie handelt es sich um eine retrospektive Analyse von 6916 Patienten des US-Versicherers „Kaiser Permanente“. Ergebnis: Im Vergleich mit einem BMI von 18,5 hatten Infizierte mit einem BMI von 40 bis 44 ein 2,7-fach und Infizierte mit BMI über 45 ein 4,2-fach erhöhtes Sterberisiko (Ann Int Med 2020; online 12. August).

Mit antikörper-ähnlichen künstlichen Nanokörpern ließe sich das Spikeprotein des SARS-CoV-2 blockieren und damit ein Andocken an ACE-Rezeptoren von Atemwegszellen des Menschen verhindern. Einer Infektion ließe sich so vorbeugen, berichtet ein Team um Peter Walter von der University of San Francisco. Solche Proteine kommen natürlicherweise bei Lamas und Kamelen vor. Das Team hat Milliarden verschiedener Nanokörper künstlich hergestellt und mehrere mit spike-blockierenden Eigenschaften bei SARS-CoV-2 identifiziert. Der besonders stabile Nanokörper Nb6 konnte dabei die Interaktion des Spikeproteines mit ACE-Rezeptoren unterbinden, berichten die Forscher auf dem Preprint-Server bioRxiv. Das Team hofft, solche als „AeroNabs“ bezeichneten Nanokörper zur Infektionsprophylaxe weiterentwickeln zu können. Einmal täglich via Nasenspray oder Inhalation angewendet, ließe sich damit möglicherweise Infektionen mit dem Coronavirus vorbeugen ( bioRxiv 2020.08.08.238469).

Update vom 12. August

Das Risiko, wegen einer SARS-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, steigt anscheinend mit zunehmendem Body-Mass-Index und dem Taille-Hüft-Verhältnis an. Das berichten Londoner Forscher. Für die Untersuchung hatten sie Daten von 640 britischen hospitalisierten COVID-19-Patienten ausgewertet. Im Ergebnis habe das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt bei COVID-19 für Übergewichtige 1,18, für Adipöse 1,40 und für schwer Adipöse 1,90 betragen im Vergleich zum Normalgewicht (PNAS 2020; online 11. August).

Der ACE2-Rezeptor kommt nur sehr wenig in Lungenepithelzellen vor, bestätigen kanadische Forscher und vermuten, dass es wohl noch einen weiteren Rezeptor in diesem Gewebe geben muss, über den das Virus diese Zellen befällt (Eur Resp J 2020; online 16. Juli).

Je schwerer der Verlauf von COVID-19 ausfällt, desto höher sind anscheinend die vorhandenen Titer der Komplementkomponente C5a bei den Patienten. Das Protein ist ein Spaltprodukt innerhalb der Komplementkaskade des Immunsystems. Außerdem gelang es, mit monoklonalen Antikörpern gegen das Protein C5aR1 ein Lungenversagen bei Mäusen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren, zu verhindern, berichten Forscher aus Marseille (Nature 2020; online 29. Juli). Es gibt bereits Therapieansätze mit C5a-Inhibitoren, zum Beispiel den Antikörper IFX-1 des Jenaer Start-ups InflaRx, der derzeit untersucht wird. Außerdem gibt es den seit Jahren verfügbaren Antikörper Eculizumab, einen C5-Inhibitor. Für ihn gibt es auch bereits erste Daten aus kleinen Fallserien bei COVID-19: Eine Fallserie mit drei Patienten, von denen einer eine Remission und zwei eine Teilremission erreichten (Clin Immunol 2020; online 6. August) sowie eine Fallserie mit vier Patienten, die einen Rückgang der Entzündungsmarker erreichten (Eur Rev Med Pharmacol Sci 2020; 24(7):4040-4047).

Die mRNA-Vakzine BNT162b1 der Firma Biontech hat in einer Phase I/II-Studie eine robuste Immunantwort hervorgerufen. Die Titer erreichten das 1,9- bis 4,6-fache der Seren einer Reihe von genesenen COVID-19-Patienten zum Zeitpunkt von mindestens 14 Tagen nach einem positiven PCR-Test auf SARS-CoV-2. Eine zweite Inokulation mit 100 μg sei aufgrund von Nebenwirkungen nicht verimpft worden und weil eine bedeutend gesteigerte Immunogenität verglichen mit der ersten 30 μg-Dosis nicht vorhanden gewesen sei (Nature 2020; online 12. August).

Kinder machen nur einen Bruchteil der COVID-19-Fälle aus. Das legt eine Untersuchung aus dem Vereinigten Königreich (UK) nahe. Die Forscher stellen sogar die Rolle der Kinder bei der Transmissionsgeschehen von SARS-CoV-2 in Frage. Für ihre Studie hatten die Forscher 540.305 Corona-Fälle aus dem UK, die zwischen 16. Januar und 3. Mai erfasst worden waren, ausgewertet. Davon waren 35.200 Kinder unter 16 Jahren. Im Ergebnis waren nur etwa ein Prozent aller COVID-19-Fälle im UK Kinder (n=1408, vier Prozent aller getesteten Kinder). Unter den getesteten Kindern mit Atemwegserkrankung hatten 2,8 Prozent ein positives Testergebnis. Vier Kinder starben an COVID-19 (BMJ 2020; online 12. August).

Update vom 11. August

Eine Fallserie von drei COVID-19-Patienten, die wohl ohne vorherige neurologische Auffälligkeiten im Verlauf eine Myasthenia gravis entwickelt haben, haben italienische Forscher vorgestellt. Es handelt sich bei den Patienten um zwei Männer im Alter von 64 und 68 Jahren und eine Frau im Alter von 71 Jahren. Alle drei hatten unter anderem mehrere Tage lang hohes Fieber, Diplopie und positive Tests auf AChR-Antikörper. Die Symptome traten bei den drei Patienten innerhalb von fünf bis sieben Tagen nach Fieberbeginn auf, schreiben die Forscher. Ihre Vermutung: Möglicherweise haben die SARS-CoV-2-Antikörper zu einer Kreuzreaktion mit den AChR-Untereinheiten geführt oder die Infektion mit SARS-CoV-2 hat die Immun-Selbsttoleranz verändert (Ann Int Med 2020; online 10. August).

Enganliegende N95-Schutzmasken bieten wohl den effektivsten Schutz für Mitmenschen vor Tröpfchen und Aerosolen. Fleece-Schlauchschals, wie sie von manchen Radfahrern getragen werden, scheinen hingegen die Verteilung von Aerosolen sogar zu begünstigen, da sie größere Tröpfchen offenbar in kleinere teilen und diese länger in der Luft verbleiben. Das ist das Ergebnis eines vergleichsweise einfachen Versuchsaufbaus eines US-Forscherteams: Die Wissenschaftler haben mehrere Gesichtsmaskenarten mit einem Laser und einer Smartphone-Kamera darauf getestet, wie effektiv sie Tröpfchen und Aerosole, die beim Sprechen entstehen, aufhalten (Sci Adv 2020; online 7. August).

Länder mit hoher BCG-Impfrate haben relativ gesehen weniger SARS-CoV-2-Fälle. Schon seit geraumer Zeit gibt es die Überlegung, ob eine BCG-Impfung auch vor SARS-CoV-2 schützen könnte. Nun legt eine Untersuchung von Forschern der Universität Michigan einen solchen Zusammenhang erneut nahe. Die Wissenschaftler verglichen die Rate neuer SARS-CoV-2-Infektionen sowie daraus resultierender Todesfälle in verschiedenen Ländern in Abhängigkeit davon, ob dort die BCG-Impfung vorgeschrieben ist. Das Ergebnis lasse vermuten, dass die BCG-Impfung das Risiko reduziere, sich mit verschiedenen Erregern, unter anderem SARS-CoV-2, zu infizieren, schreiben die Forscher. Kausalitäten lassen sich daraus freilich nicht ableiten. In Deutschland wird die Impfung mittels Bacillus Calmette-Guérin gegen die Tb seit 1998 nicht mehr von der STIKO empfohlen (Sci Adv 2020; online 5. August).

SARS-CoV-2 schädigt wohl nicht direkt die Geschmackszellen. Stattdessen könnte es so sein, dass die Beeinflussungen indirekt durch Vorgänge während der COVID-19-Erkrankung auftreten. Das berichten Forscher von der Universität von Georgia. Sie haben das Vorkommen des ACE2-Rezeptors in Zungen-Epithelzellen von Mäusen untersucht. Dabei ergab sich, dass der Rezeptor eher in Nichtgeschmackszellen als in Geschmackszellen vorkommt. Eine SARS-CoV-2-Infektion und Zellschädigungen finden deshalb den Autoren zufolge eher bei den Nichtgeschmackszellen statt (ACS Pharmacol Transl Sci 2020; online 23. Juli).

2311 fehlerhafte oder falsche Berichte in 25 Sprachen aus 87 Ländern zum Thema SARS-CoV-2 hat eine Forschergruppe zwischen 31. Dezember 2019 und 5. April 2020 auf mehreren Nachrichtenkanälen identifiziert. Untersucht wurden Meldungen via Agenturen, Facebook, Twitter und Online-Zeitungen. Am häufigsten beschäftigten sich diese mit der Übertragung und Mortalität (24 Prozent), Eindämmungsmaßnahmen (21 Prozent), Behandlung (19 Prozent) und der Herkunft des Virus (15 Prozent) (Am J Trop Med Hyg 2020; online 10. August).

Update vom 10. August

Ohne Mund-Nasen-Schutz verteilen sich Aerosole nach einem Niesen an einem Büroarbeitsplatz bis zu acht Meter weit. Das berichten Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen. Im Vergleich dazu verhindere eine Baumwollmaske die Ausbreitung über anderthalb Meter hinaus, reduziere die Ausbreitungsgeschwindigkeit und führe dazu, dass die Partikel schneller absinken, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule. Bei FFP-Masken entweiche durch den hohen Druck beim Niesen ein Teil der Partikel nach oben, Faceshields lenkten Aersole vor allem nach unten und seitlich ab. Ungünstig sei es, einen Tischventilator zu benutzen: Ohne den Schutz durch eine Maske und bei geschlossenem Fenster würden sich die Aerosolwolke in wenigen Sekunden im ganzen Raum verbreiten, schreiben die Wissenschaftler.

Auf die Freisetzung viraler RNA hat e womöglich gar keinen Einfluss, ob ein Infizierter symptomatisch oder asymptomatisch ist. Das berichten koreanische Forscher. Für eine Studie haben sie Abstriche von 303 Patienten (davon 89 anhaltend beschwerdefrei) untersucht und geschaut, ob sich die Menge der viralen RNA in Rachenabstrichen und Sputumproben unterscheiden. Da die Viruslast beider Patientengruppen ähnlich war, muss die Isolation Erkrankter unabhängig von Krankheitszeichen erfolgen, schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen (JAMA Intern Med 2020; online 6. August). Lesen Sie dazu den kompletten Beitrag:

Fünf „Frühmarker“ der humoralen Immunantwort zur Prognose von COVID-19-Patienten haben US-Ärzte aufgelistet. Damit lasse sich vorhersagen, ob ein Patient an den Folgen von COVID-19 sterben werde oder nicht. Patienten, die COVID-19 nicht überlebten, hätten vor allem Antikörper gegen das virale Nukleokapsid-Protein (N) gebildet; Patienten, die überlebten, dagegen Antikörper gegen das virale Spike-Protein (S). Für ihre Untersuchungen analysierten die Ärzte das Vorkommen der Immunglobuline M und A1 als Reaktion auf das S-Protein und auf verwandte Komplementablagerungen sowie das Vorkommen der Immunglobuline M und A2 als Reaktion auf das N-Protein, heißt es in einer Mitteilung zur Studie (Immunity 2020; online 30. Juli).

Update vom 7. August

Bei schweren COVID-19-Verläufen kommt es offenbar, anders als bislang allgemein angenommen, nicht allein zu einer starken Immunreaktion – vielmehr könnte die Immunantwort in einer Dauerschleife aus Aktivierung und Hemmung gefangen sein. Indizien dafür hat ein deutsches Forscherteam mehrerer Institute entdeckt. Für die Studie untersuchten die Forscher Leukozyten in Blutproben von 53 Patienten mit mildem oder schwerem COVID-19-Verlauf und von Gesunden oder Patienten mit anderen viralen Atemwegsinfekten. Im Ergebnis waren Neutrophile und Monozyten bei schweren COVID-19-Verläufen zwar zum Teil aktiviert, aber auch oft unreif und in ihrer Funktion gestört, sodass sie hemmend auf die Immunreaktion wirkten. So komme es zu einer unzureichenden Immunantwort gegen das Virus bei gleichzeitiger starker Entzündung im Lungengewebe, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen zur Veröffentlichung der Studie (Cell 2020; online 5. August).

Der Wirkstoff Apilimod hat in Zellkulturen eine Infektion mit Viruschimären aus dem Vesikuläres-Stomatitis-Virus (VSV), das die Fusionsproteine entweder des Ebolavirus oder des Coronavirus SARS-CoV-2 erhalten hatte, zu 50 Prozent gehemmt. Apilimod inhibiert das Enzym PIKfyve, die endosomale Lipidkinase, das in der Zelle die Verteilung neu synthetisierter Moleküle übernimmt. Unter dem Einfluss von Apilimod können die infizierten Wirtszellen die Endosomen nicht mehr synthetisieren, wodurch die replizierten Viruskopien nicht verteilt werden können, haben Forscher aus Harvard um Dr. Yuan Lin-Kang herausgefunden (PNAS 2020; online 6. August).

Update vom 6. August

Auch mit wiederholten serologischen Tests lassen sich nicht zuverlässig bei allen vormals SARS-CoV-2-Infizierten Antikörper nachweisen. Das ist das Ergebnis einer kleinen Untersuchung griechischer Wissenschaftler. Sie hatten 26 Patienten mit nachgewiesener Infektion wiederholt und mit mehreren Assays auf SARS-CoV-2-Antikörper (IgG und IgM) untersucht. Ergebnis: Zwei der 26 Patienten (7,7 Prozent) waren in jedem Test seronegativ trotz vorherigem positiven PCR-Nachweis und anschließend milder COVID-19-Erkrankung. Dies könnte den Autoren zufolge dafür sprechen, dass insbesondere bei asymptomatischen oder milden Verläufen es nicht immer zu einer hinreichenden Serokonversion kommt (J Infect Dis 2020; online 29. Juli).

Während der Pandemie ist offenbar die Krebsinzidenz gesunken. So hat sich die durchschnittliche Zahl der Neudiagnosen pro Woche bei Patienten mit einer von sechs Krebsentitäten (Brust-, Kolorektal-, Lungen-, Pankreas-, Magen- und Ösophaguskrebs) in einer US-Studie um 46 Prozent verringert. Forscher aus New Jersey um Dr. Harvey Kaufman hatten untersucht, in welchem Ausmaß Patienten Arztbesuche aufgrund der COVID-19-Pandemie vermeiden. Vor der Pandemie waren pro Woche durchschnittlich 4310 Patienten mit neu diagnostiziertem Karzinom erfasst worden, seit Pandemiebeginn ist dieser wöchentliche Durchschnittswert auf 2310 Patienten gesunken (JAMA Netw Open 2020; online 4. August).

Update vom 5. August

Blutgefäße in der Lunge verstopfen bei COVID-19, weil neutrophile Granulozyten besonders stark aktiviert werden, sich zusammenballen und dort Netze bilden. Diese Immunthrombose geschieht aufgrund von immunologisch bedingten Vorgängen als Folge der viralen Schädigung des Lungenepithels, haben Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden. Die neutrophilen Granulozyten, die bei dieser Immunthrombose involviert sind, besitzen eine geringe Dichte und sind sonst an Autoimmunprozessen beteiligt. Die Folge ist eine pulmonale Insuffizienz (EBioMedicine 2020; online 31. Juli).

Nur etwa 60 Prozent der Patienten, die sich von einer SARS-CoV-2-Infektion wieder erholen, haben danach schützende Antikörper gegen das Virus. So war es jedenfalls in einer kleinen Studie aus Österreich. Die Forscher untersuchten Daten von 25 Probanden. Dabei hemmten die Antikörper von sechs Probanden die Bindung des Virus an den ACE2-Rezeptor um mehr als 50 Prozent, bis zu 50 Prozent bei neun Probanden und gar nicht bei fünf Probanden. Bei ebenfalls fünf Probanden entdeckten die Forscher, dass das Virus besser als vorher an den ACE2-Rezeptor der Zelle andocken konnte. Die Re-Infektion der Zelle wurde bei diesen Probanden also durch deren körpereigene Antikörper für das Virus vereinfacht – sie fungierten quasi als „Doppel-Agenten“ (Allergy 2020; online 30. Juli).

Update vom 4. August

Schulen und Kitas könnten im Vereinigten Königreich (UK) wieder geöffnet werden, ohne dass es zu einer zweiten Infektionswelle kommt. Dafür müssten das Nachverfolgen von Infektionsketten, genügend Tests auf das Virus sowie Strategien zur Infektionsvermeidung beherzigt werden. Das schlussfolgern britischen Modellierer, die die Folgen einer Schul- und Kita-Öffnung in UK im September anhand von Rechenmodellen simuliert haben. Würden diese Maßnahmen nicht ausreichend umgesetzt, gehen die Forscher von einer doppelt so großen (2- bis 2,3-mal größeren) zweiten Welle in Großbritannien aus, die im Dezember 2020 ihren Höhepunkt erreichen wird (Lancet Child Adolesc Health 2020; online 3. August).

Asthmatiker mit SARS-CoV-2-Infektion hatten kein erhöhtes Risiko, aufgrund der Infektion eine Asthma-Exazerbation zu entwickeln, wie Autoren einer französischen Studie berichten. Dafür untersuchten sie 768 hospitalisierte COVID-19-Patienten. Von diesen waren 37 (4,8 Prozent) Asthmatiker – ein Wert, der den Forschern zufolge im Wesentlichen dem Anteil der Asthmatiker unter der französischen Allgemeinbevölkerung entspricht. Bei keinem dieser Patienten sei ein schwerer Asthmaanfall aufgetreten, der eine spezifische Behandlung im Krankenhaus erfordert hätte. Dies zeige, dass COVID-19 im Vergleich zu anderen respiratorischen Virusinfektionen den Zustand von Asthmatikern weniger verschlimmere, schreiben die Forscher (Eur Respir J 2020; online 30. Juli).

Ungefähr 1.482.000 Italiener (2,5 Prozent) könnten bisher in Kontakt mit SARS-CoV-2 gekommen sein. Das ist das Ergebnis der italienischen Seroprävalenzstudie des Gesundheitsministeriums und des Roten Kreuzes. 64.660 Tests auf das Virus seien in Italien bisher vorgenommen worden. Die regionalen Unterschiede in der Prävalenz seien stark, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums zur Veröffentlichung der Studie. Die Lombardei war demnach die Region mit den meisten seropositiven Personen (7,5 Prozent), alle südlichen Regionen hatten hingegen weniger als ein Prozent Seropositive. Medizinisches Personal sei unabhängig von der Region am stärksten betroffen. Intrafamiliäre Übertragungen seien sehr häufig vorgekommen. Das Ministerium weist darauf hin, dass sich eine Infektion zwischen Familienmitgliedern mit Vorsichtsmaßnahmen verhindern lasse. 60 Prozent der Italiener hätten mittlerweile mindestens ein erkranktes Familienmitglied. Es gebe außerdem viele asymptomatische Infizierte unter den getesteten Personen (27,3 Prozent), heißt es in der Mitteilung weiter.

Update vom 3. August

Mitarbeiter im Gesundheitswesen in den USA und im Vereinigten Königreich haben ein 3,4-fach erhöhtes Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, wenn sie direkt am Patienten arbeiten. Das hat eine Auswertung einer digitalen Umfrage unter 100.000 Nutzern einer Corona-App ergeben. Bei den App-Nutzern – medizinisches Personal mit direktem Patientenkontakt – betrug die COVID-19-Prävalenz 2747 pro 100.000 Personen. Bei Nutzern aus der Allgemeinbevölkerung waren es 242 pro 100.000 Personen. Dabei berücksichtigten die Forscher um Dr. Long Nguyen von der Harvard Medical School auch Unterschiede in der Test-Häufigkeit zwischen medizinischem Personal und der Allgemeinbevölkerung (Lancet Public Health 2020; online 31. Juli).

Jeder 300. Zug-Reisende infiziert sich im Durchschnitt mit SARS-CoV-2, wenn er innerhalb eines Abstands von fünf Reihen längs oder drei Reihen quer zu einer infizierten Person sitzt. Das entspricht einem Infektionsrisiko von 0,32 Prozent, haben britische Wissenschaftler herausgefunden, die Infektionsdaten von chinesischen Reisenden in Hochgeschwindigkeitszügen ausgewertet haben. Reisende, die direkt neben einem Infizierten saßen, zogen sich in 3,5 Prozent der Fälle eine Infektion zu. In derselben Sitzreihe betrug dieses Risiko noch 1,5 Prozent. Pro Reisestunde erhöhte sich dieser Wert um 0,15 Prozent, für die Reisenden direkt neben dem Infizierten um 1,3 Prozent pro Stunde (Clin Infect Dis 2020; online 29. Juli).

Einen septischen Schock hatten 61 Prozent aller intensivpflichtigen COVID-19-Patienten an der Uniklinik Freiburg. Die Autoren einer auf dem Preprintserver MedRxiv veröffentlichten Auswertung sehen darin eine von vier dominanten Komplikationen. Sie hatten die Daten von 213 COVID-19-Patienten analysiert, die zwischen Ende Februar und Anfang Mai an der Uniklinik behandelt wurden. Davon waren 70 Patienten intensivmedizinisch versorgt worden, 33 von ihnen starben. Als weitere häufige Komplikationen bei diesen Intensivpatienten haben sie akutes Nierenversagen (37 Prozent) sowie thromboembolische und hämorrhagische Ereignisse ermittelt. Zu Lungenembolien kam es bei 16 Patienten (23 Prozent), zu ischämischen Insulten bei neun Patienten (13 Prozent). Größere Blutungsereignisse wie intrazerebrale Blutungen oder Lungenblutung gab es bei 16 bzw. 11 Prozent der Intensivpatienten (medRxiv 2020.07.22.20160127).

Update vom 2. August

Zytokininhibitoren führen offenbar nicht zu einem höheren Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion. Forscher des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) glauben im Gegenteil sogar, dass Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis (RA), entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Morbus Bechterew oder Psoriasis, die solche Medikamente nehmen, ein eher verringertes Infektrisiko haben. In ihrer Corona-Antikörperstudie war im Vergleich zu Patienten ohne entzündungshemmende Therapie und zu Gesunden einer Vergleichsgruppe – bei ähnlichen sozialen Kontakten – in der Therapiegruppe die Prävalenz von Anti-SARS-CoV-2-Antikörpern (IgG) geringer (Nat Commun 2020; 11: 3774).

Eine Untersuchung zu einem Coronavirus-Ausbruch in einem US-Sommercamp verdeutlicht der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge, dass sich Kinder jeden Alters mit SARS-CoV-2 infizieren können. Die Autoren berichten über einen Coronavirus-Cluster in einem Ferienlager in Georgia für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. Mitte Juni hat sich dort 260 der rund 600 Teilnehmer nachweislich infiziert. Allerdings konnten Tests nur von 344 Personen ausgewertet werden. Und der positiv Getesteten waren 51 Kinder im Alter bis zehn Jahren, 180 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren, 27 Jugendliche zwischen 18 und 21 Jahren und zwei Erwachsene. Die Autoren vermuten eine höhere Dunkelziffer. Die rund 250 Angestellten und Freiwilligen in dem Camp mussten Masken tragen, die etwa 350 Gäste im Alter von sechs bis 18 Jahren mussten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen und teilten sich Schlafräume. Die höchsten Infektionsraten traten dabei bei Zimmerbelegung mit 16 bis 26 Teilnehmern auf. Während des mehrtägigen Aufenthalts gab es zudem Aktivitäten auch in geschlossenen Räumen, wobei viel gesungen worden sei, heißt es weiter in dem CDC-Bericht (MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2020; online 31 Juli).

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