Corona-Splitter der KW 35/2021

Corona-infizierter Haushaltskontakt größter Risikofaktor für Geimpfte

Infizieren sich Geimpfte mit SARS-CoV-2, passiert dies häufig über eine SARS-CoV-2-positive Person im Haushalt, hat eine Studie unter israelischen Mitarbeitern im Gesundheitswesen ergeben. Außerdem: Phase-IIb/III-Daten zum Vakzin-Kandidaten von CureVac.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

Die Familie ist für Geimpfte der häufigste Infektionsort, legen Daten aus Israel nahe.

© Jovanmandic / Getty Images / iStock

Update vom 3. September

Das Zusammenleben mit einer SARS-CoV-2-positiven Person ist offenbar der größte Risikofaktor für Geimpfte – das legt zumindest eine Studie mit 5312 geimpften israelischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen (davon 27 mit Impfdurchbrüchen) nahe. Ergebnisse: Bei 56 Prozent derjenigen Geimpften mit Serokonversion (15 Durchbruchinfektionen) war der Kontakt mit einer SARS-CoV-2-positiven Person im Haushalt der Transmissionsweg. Das kam außerdem häufiger vor als bei nichtgeimpftem Personal (38 Prozent). Die Vermutung liegt also nahe, dass die Vakzine vor anderen, flüchtigeren Transmissionswegen schützt (JAMA Netw Open 2021; online 1. September).

Phase-IIb/III-Daten zum Vakzin-Kandidaten „CVnCoV“ des Unternehmens CureVac: Insgesamt betrug die Schutzwirkung vor COVID bei 39.680 Patienten 48,2 Prozent. Damit erreicht der Impfstoffkandidat nicht die untere Grenze der Wirksamkeit, die von WHO und FDA als Kriterium für eine Zulassung angegeben wird. Weitere Ergebnisse: In der Subgruppe 18 bis 60 Jahre lag die Wirksamkeit bei 52,5 Prozent, die Vakzine schützt außerdem zu 70,7 Prozent vor moderater bis schwerer COVID-19 (Preprints with the Lancet 2021; online 27. August).

Update vom 2. September

Eine COVID-19-Erkrankung geht mit einem höheren Risiko für dauerhafte Nierenschäden einher. Das hat eine Kohortenstudie mit 1,7 Millionen US-Veteranen ergeben, die 30 Tage nach ihrer Erkrankung untersucht worden waren. Je schwerer der COVID-Verlauf, desto höher ist dabei offenbar das Risiko für langfristige Nierenschäden oder eine eingeschränkte Nierenfunktion. Allerdings stellte das Team auch bereits bei COVID-Patientinnen und -Patienten, die nicht hospitalisiert werden mussten, unter anderem eine Reduktion der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) um -3,26 fest. Bei hospitalisierten COVID-Kranken lag die Reduktion bei -5,20, bei intensivmedizinisch versorgten bei -7.69. Insgesamt lag bei 30-Tage-Überlebenden das Risiko für dauerhafte Nierenschäden um 35 Prozent höher im Vergleich mit nicht mit SARS-CoV-2 infizierten Veteranen (JASN 2021, online 1. September).

Update vom 1. September

In den USA hat eine ungeimpfte Lehrerin offenbar die Hälfte ihrer Klasse mit Corona infiziert. Das berichtet die Seuchenbehörde CDC. Diese hat die Ursachen des Ausbruchs vom Mai und Juni dieses Jahres untersucht. 27 Fälle mit der Delta-Variante waren an der „Elementary School“ (Schüler der 1. bis 8. Klasse) im Marin County in Kalifornien aufgetreten. Die Lehrerin war am 19. Mai symptomatisch geworden, hatte aber bis zu einem Test zwei Tage später weiter gearbeitet. In der Klasse der Frau wurden in den folgenden Tagen 12 von 24 Kindern positiv getestet. Acht von zehn Betroffenen saßen in der ersten Reihe des Klassenraums und hatten damit die größte Nähe zur Lehrerin. In den hinteren Reihen waren nur vier von 14 Schülern infiziert. Angeordnete Vorsichtsmaßnahmen hatten die Schüler offenbar gut eingehalten. Zwischen allen Sitzplätzen gab es einen Abstand von 1,80 m. An die angeordnete Maskenpflicht hatte sich die Lehrerin mehrmals beim Vorlesen nicht gehalten. Unter den 15 weiteren in Folge infizierten Personen waren Mitschüler, Geschwister, Eltern und ein Lehrer. Eine weitere Ausbreitung sei vermieden worden, wahrscheinlich durch die hohen Impfraten in der umliegenden Gemeinde von 72 Prozent (MMWR 2021; online 27. August).

Update vom 31. August

Kinder mit Krebs haben ein hohes Risiko für schwere COVID-Verläufe. Die Auswertung weltweiter Registerdaten ergab: Etwa jeder fünfte krebskranke Heranwachsende wird bei einer Corona-Infektion schwer krank, etwa vier Prozent sterben. Für die Studie haben US-Forscher und -Forscherinnen vom St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis Daten von 1300 Kindern und Jugendlichen des Oncology Global Registry of COVID-19 in Childhood Cancer (GRCCC) ausgewertet. Etwa 20 Prozent der Betroffenen benötigten intensive Beatmung und/oder intensivmedizinische Betreuung. Besonders gefährdet waren Kindern mit intensiver Chemotherapie, Neutropenie oder Lymphopenie. COVID-Komplikationen gab es bei Minderjährigen in armen Ländern deutlich häufiger als in reichen. Insgesamt, so das Team, ist die Prognose für krebskranke Kinder und Jugendliche mit COVID-19 immer noch besser als die für entsprechende Erwachsene – hier liegt die Sterberate je nach Untersuchung bei 10 bis 30 Prozent (Lancet Oncol 2021; online 26. August). (mut)

Der Moderna-Impfstoff ist offenbar immunogener als der von BioNTech/Pfizer. Das ergab eine Vergleichsstudie unter Klinikpersonal in Belgien, das von April bis Mai entweder mit mRNA-1273 oder BNT162b2 geimpft worden war. Nach der jeweils zweiten Dosis wurden Antikörper gegen das Nucleocapsid-Protein von SARS-CoV-2 bestimmt. Ergebnis: Nach mRNA-1273 wurden im Schnitt mehr Antikörper gebildet als nach BNT162b2 (3836 U/mL vs. 1444 U/mL). Dies lasse sich vermutlich mit dem höheren mRNA-Gehalt in der Moderna-Vakzine und dem längeren Abstand zwischen den beiden Impfdosen erklären (4 vs 3 Wochen). Zelluläre Immunität und induzierte neutralisierende Antikörper wurden allerdings nicht ermittelt (JAMA 2021; online 30. August).

Update vom 30. August

Die Delta-Variante verdoppelt im Vergleich zur Alpha-Variante das Risiko für eine Klinikeinweisung. Das berichtet ein Team von Public Health England, das über 40.000 COVID-Fälle in England aus der Zeit zwischen Ende März und Ende Mai 2021 analysiert hat. In dieser Zeit traten in der Studienpopulation etwa 34.600 Infektionen mit der Alpha- und 8.600 mit der Delta-Variante auf. Der Anteil von Delta wuchs dabei im Verlauf der Zeit auf zwei Drittel der Infektionen. Von den Betroffenen waren 1,8 Prozent vollständig und 24 Prozent teilgeimpft sowie 74 Prozent ungeimpft. Etwa jeder 50. Erkrankte wurde binnen 14 Tagen nach positivem PCR-Test stationär behandelt. Nach Bereinigung von Störfaktoren wie Alter, ethnische Gruppe und Impfstatus wurde für Delta im Vergleich zu Alpha ein 2,26-fach höheres Risiko für eine Klinikeinweisung ermittelt. Unter Ungeimpften belaste also ein Ausbruch mit der Delta-Variante das Gesundheitssystem deutlich stärker als ein Alpha-Ausbruch, so die Studienautorinnen und -autoren in einer Mittelung des Fachblatts „Lancet“ zur Studie (Lancet Infect Dis 2021; online 27. August).

Colchicin könnte bei COVID-19 doch wirksam sein, berichteten Forscherinnen und Forscher beim virtuellen Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC). Nach den ernüchternden Ergebnissen der RECOVERY-Studie zu der Substanz deute sich jetzt doch eine Wirkung an, wenngleich die statistische Signifikanz knapp verfehlt wurde, hieß es. In der Studie „ECLA PHRI COLCOVID“ wurden 1279 hospitalisierte COVID-19-Erkrankte entweder zur Standardversorgung mit oder ohne Colchicin randomisiert. Während eines 28-tägigen Follow-up trat bei 25,0 Prozent der mit Colchicin behandelten Patientinnen und Patienten der kombinierte primäre Endpunkt ein (mechanische Beatmung oder Tod). In der Kontrollgruppe war dies bei 28,8 Prozent der Fall. Damit konnte die Colchicin-Behandlung das Risiko für eine derartige Verschlechterung des Krankheitszustandes zwar tendenziell um relative 17 Prozent reduzieren. Statistisch signifikant war dieses Ergebnis, wenngleich knapp, allerdings nicht (p=0,08). (Vortrag von Dr. Rafael Diaz, Estudios Cardiologicos Latinoamerica in Rosario beim ESC-Kongress). (vsc)

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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