Onkologie in der Pandemie

„Lockdown behindert Krebsfrüherkennung bei Kindern“

Eltern meiden momentan offenbar Klinikbesuche. Bei möglichen Krebserkrankungen ihrer Kinder kann das fatale Folgen haben, warnen Kinderonkologen.

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Blick in die Kinderkrebsstation: Je früher die Therapie, desto besser die Prognose.

Blick in die Kinderkrebsstation: Je früher die Therapie, desto besser die Prognose.

© Thomas Oberländer/Helios Kliniken

Berlin. Einen starken Rückgang an Neudiagnosen von Krebserkrankungen bei Kindern verzeichen aktuell die Kinderkrebszentren des Helios Klinikums Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ärzte vermuten, dass bei Eltern eine Verunsicherung herrscht, ob sie momentan einen Kinderarzt oder eine Klinik aufsuchen sollten.

Die Angst vor einer möglichen Corona-Infektion dürfe aber nicht davon abhalten, ein Kind mit unklaren Symptomen einem Arzt vorzustellen, so die Kliniken in einer Mitteilung. An Eltern wird appelliert, unklare Symptome wie Schwächegefühl, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bei Kindern abklären zu lassen. Es sei keine Lösung, Beschwerden aufgrund von Angst vor einer SARS-CoV-2-Infektion auszusitzen.

Heilungschancen stehen auf dem Spiel

„Wir machen uns Sorgen, weil die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Neuerkrankungen in frühen, heilbaren Tumorstadien vorgestellt werden, in den letzten Wochen stark zurückgegangen ist“, betont Privatdozent Dr. Patrick Hundsdörfer in der Mitteilung. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin vom Helios Klinikum Berlin-Buch warnt: „Wir befürchten, dass wir dadurch in einigen Wochen bis Monaten vermehrt junge Patienten mit Tumoren in fortgeschrittenen Stadien sehen werden. Das kann in einigen Fällen bedeuten, dass die Heilungschance enorm sinkt.“

Dass vor allem auch Erwachsene mit Krebs Kliniken während eines Lockdowns meiden, hat eine Studie der Situation im vergangenen Frühjahr ergeben. Zwischen dem 13. März und 28. April 2020 waren in bundesweit 75 Helios-Kliniken 10 bis 20 Prozent weniger Krebsbehandlungen vorgenommen worden als im gleichen Zeitraum 2019 (Oncol Research and Treatment 2020; online 17. Dezember). Es müsse davon ausgegangen werden, dass durch nicht zeitgerecht eingeleitete Untersuchungen und Behandlungen gravierende Nachteile für Patienten entstehen können, so die Kliniken. (eis)

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