Corona-Studien-Splitter

Kognitive Beeinträchtigungen bei schweren Corona-Verläufen häufiger

Hospitalisierte COVID-Patienten leiden häufiger an kognitiven Langzeitbeeinträchtigungen als ambulante Patienten – und das auch noch Monate nach der Erkrankung, berichten Ärzte aus New York.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Nebel im Kopf: Einige COVID-Kranke – vor allem stationär behandelte – berichten über Schwierigkeiten, sich etwas zu merken oder sich zu erinnern.

Nebel im Kopf: Einige COVID-Kranke – vor allem stationär behandelte – berichten über Schwierigkeiten, sich etwas zu merken oder sich zu erinnern.

© francescoch / Getty Images / iStock

Update vom 25. Oktober

Kognitive Beeinträchtigungen als Folge von COVID scheinen häufiger bei stationär behandelten Patientinnen und Patienten aufzutreten als bei ambulant behandelten, und zwar oft noch Monate nach akuter Erkrankung. Das berichtet ein Team aus New York, das Daten von 740 Betroffenen ausgewertet hat, deren Erkrankung median acht Monate zurücklag. Am häufigsten sprachen die Patientinnen und Patienten über Probleme, sich etwas zu merken oder sich zu erinnern – das betraf etwa jeden fünften Betroffenen. Weitere Ergebnisse: Das relative Risiko, eine kognitive Langzeitfolge nach COVID davonzutragen, betrug für hospitalisierte Kranke im Vergleich zu ambulant versorgten 3,0 für Wortfindungs- und 2,8 für Aufmerksamkeitsstörungen, 2,3 bei Gedächtnisstörungen und 1,8 in Bezug auf Beeinträchtigungen von planendem und ausführendem Denken (JAMA Netw Open 2021; online 22. Oktober).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu:
"Das sind die kritischen Tage für eine Corona-Infektion"

Da hat man also in mühevoller detektivisch-wissenschaftlicher Detailarbeit herausgefunden, was eigentlich infektiologisches Alltagswissen ist: SARS-CoV-2-infizierte Patienten stecken Kontaktpersonen schon vor den ersten Symptomen an. Zeitpunkt/Dauer des Kontakts/Schweregrad/
Aggressivität der Virusvariante (variant of concern VOC) der Infektion beim Index-Patienten bestimmen das Infektionsrisiko für Kontaktpersonen. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie aus China in JAMA Internal Medicine
2021; DOI: 10.1001jamainternmed.2021.4686
nach denen das Ansteckungsrisiko schon 2 Tage vor dem Ausbruch beim Index-Patienten deutlich ansteigt.

Das nennt man seit Beginn der empirisch-wissenschaftlichen Medizin präsymptomatische Infektiosität in der Inkubationszeit einer Infektion.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt zu "verschiedenen Stadien des Krankheitsverlaufs" unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/13_21.pdf: "Einfluss von Impfungen und Kontaktreduktionen auf die dritte Welle der SARS-CoV-2-Pandemie und perspektivische Rückkehr zu prä-pandemischem Kontaktverhalten"

"Suszeptible (S), Infizierte in der Inkubationsphase (E), präsymptomatische (P), symptomatische (I) und asymptomatische (A) Personen. Zwei weitere Kompartimente bilden die Anzahl der hospitalisierten (H) und aufgrund von COVID-19 verstorbenen Personen (D) ab. Verschiedene Studien zur Seroprävalenz geben Hinweise darauf, dass in Deutschland eine Dunkelziffer unentdeckter Fälle existiert, die nicht in den Meldefällen erfasst wird."

Das SEPIAHD- Modell des RKI ist ein erweitertes SEIR (engl. Susceptible/Exposed/Infectious/Recovered) Modell. Es führt aber nicht zu Erkenntnisfortschritten, weil die präsymptomatische Infektiosität in der Inkubationszeit eine Quelle stetiger Neuinfektionen mit/ohne Impfschutz ist, wenn AHA-und L-Regeln weiter gelockert/umgangen werden.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu: "Bis zu jede vierte COVID-Klinikeinweisung in den USA wegen Impfdurchbruch"

Auch die Mehrzahl der sogenannten Impfdurchbrüche sind gar keine Folgen der ansteckenderen Delta-Variante, sondern lassen sich auf z. T. haarsträubende Hygienefehler und eklatante Missachtung von AHA- und L-Regeln zurückführen: Insbesondere in den Ländern wie USA und GB, wo jegliche Beschränkungen grob fahrlässig und viel zu früh aufgehoben wurden.
"Corona-Zahlen für die Vereinigten Staaten (USA).
Hier finden Sie aktuelle COVID-19 Kennzahlen für das Land Vereinigte Staaten (Nordamerika)
Aktualisiert am 20. August 2021 [Stand 19.08.]
331.002.647 Einwohner
37.294.141 Infektionen 
11,27% Infektionsrate 
298,3 Neuinfektionen (7-Tage-Inzidenz) 
59,60% Impfquote (Erstimpfung) 
50,59% Impfquote (vollständig)
https://www.corona-in-zahlen.de/weltweit/vereinigte%20staaten/

Auch ist entgegen allen propagandidischen Beteuerungen, Großbritannien ebenfalls absolutes Negativbeispiel. Noch vor einigen Wochen galten 7-Tage-Inzidenzen um 500 als infektionsepidemiologisch unbedenklich und blieben unbeachtet. Ihr Rückgang auf Werte um 300 wurde enthusiastisch als angeblicher Durchbruch gefeiert, um zum 19.08.2021 bei immer noch äußerst bedenklichen 309,3 Neuinfektionen (7-Tage-Inzidenz) zu liegen.
"Corona-Zahlen für Vereinigtes Königreich (UK)
Hier finden Sie aktuelle COVID-19 Kennzahlen für das Land Vereinigtes Königreich (Europa)
Aktualisiert am 19. August 2021
67.886.004 Einwohner
6.385.982 Infektionen 
9,41% Infektionsrate 
309,3 Neuinfektionen (7-Tage-Inzidenz) 
69,84% Impfquote (Erstimpfung) 
60,38% Impfquote (vollständig) 
https://www.corona-in-zahlen.de/weltweit/vereinigtes%20k%C3%B6nigreich/

Nur zum Vergleich: Deutschland liegt bei der 7-Tage-Inzidenz bei Werten um 20-25 noch vor einigen Wochen jetzt "nur" bei aktuellen Werten von 45-49 ohne nennenswerte Impfdurchbrüche.
Zugleich werden AHA- und L-Regeln hierzulande auch bei Schulbeginn ernster als anderswo genommen.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Ronald Meier

„209 Tage nach der zweiten Impfdosis neutralisierten die Seren den Wildtyp von SARS-CoV-2 sowie die Varianten Alpha (B.1.1.7), Gamma (P.1), Delta (B.1.617.2) und Iota (B.1.526) mit einer Wirksamkeit von etwa 90 Prozent. Bei der Variante Beta (B.1.351) war die Wirksamkeit mit 54 bis 58 Prozent geringer".

Es dürften sich heute wohl kaum noch viele für die Wirksamkeit der Impfungen bei den Wildtyp von Alpha/Gamma etc. Interessieren. Da die Betavariante fast weltweit der vorherrschende Stamm ist, sind ca. 50-60% Wirksamkeit bei der Betavariante keine wirklich gute Nachricht.

Dr. Thomas Georg Schätzler

Zu: Antikörper-Duo bewahrt Haushaltsmitglieder vor Corona-Infektion

"Subcutaneous REGEN-COV Antibody Combination to Prevent Covid-19" von Meagan P. O’Brien et al.
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2109682
ist für mich ein Musterbeispiel für "mit Kanonen auf Spatzen schießen" und gleichzeitig äußerst geschickte, tendenziöse Werbung mit erfolgreichem Product-Placement machen.

Schlicht und ergreifend hätten AHA-REGELN und LÜFTEN denselben Effekt haben können, aber das zu untersuchen, dazu fehlten wohl den WissenschaftlerInnen Mut, Motivation, Forschungsgelder, Reputation, Ehre und Anerkennung. Stattdessen verstieg man sich auf Industrie-nahe Drittmittelforschung mit "The cocktail of the monoclonal antibodies casirivimab and imdevimab (REGEN-COV)."

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Thomas Georg Schätzler

BioNTech und AstraZeneca hochwirksam gegen Delta - Dass die vollständige Impfung mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca auch gut vor der Delta-Variante schützt, zeigt jetzt eine britische Studie, die im New England Journal of Medicine erschienen ist.
"Effectiveness of Covid-19 Vaccines against the B.1.617.2 (Delta) Variant"
von Jamie Lopez Bernal...Mary Ramsay et al. 21.07.2021
DOI: 10.1056/NEJMoa2108891

Zwei Impfungen mit BioNTech/Pfizer sind zu 88% wirksam, um eine symptomatische Erkrankung durch die Delta-Variante zu verhindern; die Wirksamkeit gegen die Alpha-Variante lag bei 93,7%. Die vollständige Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin schützt zu 67% wirksam gegen die Delta-Variante, der Schutz gegen Alpha lag bei 74,5%. Damit sind beide Vakzine gegen die hochansteckende Delta-Variante fast so wirksam wie gegen die bisherige Alpha-Variante (B.1.1.1.7).
Nach nur einer Impfdosis war die Wirksamkeit beider Vakzine gegen die Delta-Variante allerdings deutlich geringer als gegen die Alpha-Variante. Sie lag für AstraZeneca und für BioNTech nach nur einer Dosis bei 30,7% (gegen Alpha: 48,7%). Die Autoren um Dr. Mary Ramsay von Public Health England (PHE) betonen deshalb, dass speziell gefährdete Bevölkerungsgruppen sich möglichst vollständig impfen lassen sollten.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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