Corona-Splitter der KW 03/21

Schwere allergische Reaktionen nach Impfung wohl selten

Blick auf neue Corona-Studien: Anaphylaxien sind nach Impfung mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine äußerst selten, wie erste Daten der US-Behörde CDC belegen. Außerdem gibt es neue Erkenntnisse zur Therapie mit Bamlanivimab.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek und Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:
Die SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7 ist bisherigen Daten zufolge infektiöser als das Wildtyp-Virus.

Bei 17 von 21 Patienten, bei denen eine Anaphylaxie nach Impfung mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff gemeldet wurde, waren bereits zuvor allergische Reaktionen registriert worden.

© ravipat / stock.adobe.com

Update vom 22. Januar

Zahlen der US-Behörde CDC zufolge tritt eine anaphylaktische Reaktion in Zusammenhang mit der BioNTech/Pfizer-Vakzine nur äußerst selten auf. In den ersten Tagen nach Zulassung von Comirnaty® (Tozinameran, BNT162b2) in den USA, genauer vom 14. bis 23. Dezember 2020, wurden 21 Fälle anaphylaktischer Reaktionen gemeldet, bei insgesamt 1.893.360 verabreichten (ersten) Impfdosen. Das entspricht einer Rate von 11,1 Anaphylaxien pro einer Million verimpfter Dosen. Vier Betroffene mussten hospitalisiert werden, darunter drei, die auf Intensivstation betreut werden mussten. Die übrigen Patienten wurden in der Notaufnahme behandelt. Bis auf eine Person waren zum Zeitpunkt der Meldung alle Geimpften wieder entlassen worden und hatten sich erholt. Im Mittel traten die anaphylaktischen Reaktionen 13 Minuten nach Vakzinierung ein, also zu einem Zeitpunkt, an dem Geimpfte generell noch nachbeobachtet werden sollten. Bei 17 der 21 Patienten (81 Prozent) waren bereits zuvor allergische Reaktionen dokumentiert worden, sieben hatten zuvor eine Anaphylaxie erlitten, darunter je eine Person nach Tollwut- und Influenza-Vakzinierung (JAMA 2021; online 21. Januar).

Von einer Monotherapie mit dem monoklonalen Antikörper Bamlanivimab profitieren mild bis moderat erkrankte COVID-19-Patienten wohl nicht. In Kombination mit dem monoklonalen Antikörper Etesevimab führt Bamlanivimab im Vergleich mit Placebo aber zu einer signifikanten Verringerung der Viruslast an Tag 11, wie Phase 2/3-Daten der Studie BLAZE-1 mit 577 Patienten ergeben haben. Erst im Oktober des vergangenen Jahres war eine weitere Studie mit Bamlanivimab gestoppt worden, da sich keine positiven Wirkungen bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten ergeben hatten (JAMA Net 2021; online 21. Januar).

Update vom 21. Januar

Der BioNTech/Pfizer-Impfstoff schützt einer bisher noch unveröffentlichten Studie zufolge auch vor der britischen SARS-CoV-2-Variante B.1.1.7. Die Studienautoren haben SARS-CoV-2-Viren untersucht, die entweder das wildtypische Spike-Protein enthielten oder das der B.1.1.7-Variante. Beide Virusvarianten konnten durch die Antikörper, die in Blutproben von mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff vakzinierten Probanden enthalten waren, neutralisiert werden. Diese Daten machten es unwahrscheinlich, dass der Impfstoff bedeutend an Effektivität gegenüber der B.1.1.7-Linie verliert, schreiben die Autoren. Allerdings haben nur 16 Probanden an der Studie teilgenommen, die zudem vom Hersteller selbst durchgeführt wurde. Die B.1.1.7-Variante ist Träger mehrerer Mutationen. Unter anderem sind in der Gensequenz für das Spike-Protein zehn Aminosäuren verändert (Pre-Print Server BioRxiv 2021; online 19. Januar).

Update vom 20. Januar

In China ist während der COVID-19-Pandemie die Zahl der Kinder mit Myopie um das 1,4- bis 3-fache gestiegen. Forscher vermuten als Ursache die Ausgangsbeschränkungen und Home-Schooling: Dadurch habe sich die Zeit, die die Kinder vor Bildschirmen verbringen, deutlich erhöht. Das Team hatte über 123.000 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren untersucht und die Ergebnisse mit Daten aus den Jahren 2015 bis 2019 verglichen. Den Ergebnissen zufolge scheinen dabei besonders 6- bis 8-Jährige betroffen zu sein: Während die Inzidenz von Myopie 2015 bis 2019 bei den Sechsjährigen höchstens bei 5,7 Prozent lag, lag sie im Jahr 2020 bei 21,5 Prozent. Bei den 7-Jährigen lag die Inzidenz bei 16,2 (maximaler Wert in den Jahren 2015 bis 2019) versus 26,2 Prozent in 2020 und bei den 8-Jährigen bei 27,7 versus 37,2 Prozent. In der Gesamtkohorte der Sechs- bis Achtjährigen habe sich die Dioptrienzahl um -0,3 verändert. „Offenbar scheinen Kinder in dieser Altersgruppe sensibler auf Veränderungen in ihrer Umgebung zu reagieren“, schreiben die Wissenschaftler dazu (JAMA Opthalmology 2021; online 14. Januar).

Update vom 19. Januar

Das Tragen von Alltagsmasken könnte einer Studie zufolge deutlich zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Wie US-Forscher berichten, nimmt die Wahrscheinlichkeit, den R-Wert unter 1 zu halten, um das Dreifache zu, wenn der Anteil der Personen, die Masken tragen, um zehn Prozent steigt. Für die Studie wurden 300.000 Menschen über einen Zeitraum von zwei Monaten regelmäßig zu Maßnahmen der Pandemiebekämpfung befragt – also ob sie Masken tragen oder die Abstandsregeln einhalten. Im Laufe des Zeitraums nahm die Zahl der Maskenträger deutlich zu. Die Angaben wurden anschließend mit den Infektionszahlen am jeweiligen Wohnort der Befragten in Zusammenhang gebracht und mit einem mathematischen Modell analysiert. Kausal könne das Tragen einer Maske zwar nicht mit einem Rückgang der Virustransmission in Zusammenhang gebracht werden, da es beispielsweise auch sein könne, dass Menschen, die eine Maske tragen, sich generell besser an Hygieneregeln halten, bemerken die Autoren. Dennoch zeigten die Ergebnisse, dass Alltagsmasken eine wichtige Maßnahme seien, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzuschränken (Lancet Digital Health 2021; online 19. Januar).

Update vom 18. Januar

Eine Speichelprobe könnte zum Nachweis von SARS-CoV-2 via PCR genauso gut geeignet sein wie ein Nasen-Rachen-Abstrich. Das berichten Forscher aus Kanada, die sich für eine Metaanalyse 16 Studien mit insgesamt fast 6000 Teilnehmern angeschaut haben. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine PCR einer Speichelprobe eine ähnliche Sensitivität und Spezifität hat wie die PCR eines nasopharyngealen Abstrichs (Sensitivität: 83,2 versus 84,8 Prozent, Spezifität 99,2 versus 98,2 Prozent). Während nasopharyngeale Abstriche nur durch geschultes Personal durchgeführt werden sollen, könnten Speichelproben auch von Laien abgegeben werden – wodurch deutlich mehr Menschen getestet werden könnten. Die Ergebnisse bestätigen damit eine erst kürzlich publizierte Metaanalyse (wir berichteten in den Corona-Splittern vom 12. Januar). In beiden Metaanalysen variierten Studiendesign, Auswahl der Studienteilnehmer und Krankheitsstadium allerdings, betonen die Autoren. Eine definitive Schlussfolgerung lässt sich daher nicht ziehen (JAMA Intern Med; online 15. Januar).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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