Strukturwandel gelernt

StimMT-Projekt in Templin: Regelversorgung als nächste Hürde

Die Umwidmung eines Krankenhauses in Templin ist beim StimMT-Projekt mit viel Geld vom Innovationsfonds begleitet worden. Die Initiatoren zeigen sich zufrieden. Unklar ist, wie es nach der Förderphase weitergeht.

Von Benjamin LassiweBenjamin Lassiwe Veröffentlicht:
Wurde mit Fördermitteln in ein ambulant-stationäres Zentrum umgewidmet: Das Sana Krankenhaus in Templin (Brandenburg), hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 2018.

Wurde mit Fördermitteln in ein ambulant-stationäres Zentrum umgewidmet: Das Sana Krankenhaus in Templin (Brandenburg), hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 2018.

© Bernd Settnik / picture alliance

Potsdam/Templin. Eine positive Bilanz haben Verantwortliche des Innovationsprojekts „StimMT – Strukturmigration im Mittelbereich Templin“ gezogen. Dort wurde das Sana-Klinikum in ein ambulant-stationäres Zentrum umgewandelt. Das 2017 gestartete Projekt ist mit einem Budget von 14,5 Millionen Euro eines der finanziell am Besten ausgestatteten Projekte des Innovationsfonds gewesen.

„Wir haben mehrere Versorgungsgebiete neugestaltet“, sagte der Geschäftsführer der Projektträgergesellschaft Steffen Bohm der „Ärzte Zeitung“. Dazu gehöre etwa die Akut- und Notfallversorgung: Dort sei mit einer durch ein Expertensystem gestützten Triage, einer Bereitschaftspraxis in Trägerschaft der KV und eine Beobachtungseinheit, in der Menschen mit unklarer Symptomatik 24 Stunden überwacht werden können, eine neue Struktur geschaffen worden.

Dadurch konnten Rettungsstelle und Fahrdienst entlastet sowie stationäre Aufnahmen vermieden werden. Neu gestaltet wurde auch die Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz. „Den Ergebnissen der Evaluation folgend konnte bei dieser Patientengruppe eine signifikante Reduktion der stationären Behandlungen erreicht werden“, sagt Bohm.

Weiterführung in der Regelversorgung ungewiss

Eine Herausforderung für das Projekt sei die Schließung der stationären Pädiatrie Ende 2019 gewesen. Um die Versorgung auch weiterhin auf hohem qualitativem Niveau sicherstellen zu können, wurde im Rahmen des KV RegioMed Zentrums ein weiterer ambulanter Versorgungsauftrag erteilt.

Verankert im Landeskrankenhausplan können Kinder im ambulant-stationären Zentrum außerdem in der Beobachtungseinheit und auch teilstationär versorgt werden.

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Zusätzlich bestehe rund um die Uhr die Möglichkeit für ein kinderärztliches Konsil mit dem Krankenhaus in Eberswalde via Telemedizin. „Diese Kombination wird sehr erfolgreich eingesetzt“, sagte Bohm.

Größte Herausforderung für das Templiner Modellprojekt bleibt indes die weitere Finanzierung. „Ich glaube, wir haben unter den Restriktionen des Gesundheitswesens viel erreicht“, sagt Albrecht Römpp, Sprecher des Konsortiums von Arztnetz „Gesund in Templin“, Sana, Stadt Templin und der KV Brandenburg.

„Nun geht es darum, die Dinge weiterzuführen – ohne dass wir bislang die Sicherheit haben, dass sich der Gemeinsame Bundesausschuss entschließt, unser Projekt in die Regelversorgung zu übernehmen.“

„Praktischer Vorsprung für die Zukunft“

Man wolle jedenfalls den Standort, die Akutversorgung und die Versorgung von Geriatriepatienten auf jeden Fall weiterführen, ebenso die Kinder- und Jugendmedizin. „Wir wollen die Sektorgrenzen aufbrechen“, sagte Römpp. Der Vorstandsvorsitzende der KV Brandenburg, Peter Noack, sagte, in Templin habe sich Brandenburg einen „praktischen Vorsprung für die Zukunft“ erarbeitet.

Die ambulant-stationäre Versorgung gehöre zu den Modellen, die in der künftigen Gesundheitspolitik eine große Rolle spielen werde: „Was wir in Templin gelernt haben, können wir auch anderswo einsetzen.“

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