Corona-Splitter der KW 05/21

Testen, testen, testen!

Blick auf neue Corona-Studien: Forscher haben untersucht, welche Teststrategie die ökonomisch effektivste ist, um gegen SARS-CoV-2 vorzugehen.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek und Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:
Schnelltest auf COVID-19: In Deutschland wurde in dieser Woche eine Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung verabschiedet, damit auch Privatpersonen Antigentests in Apotheken kaufen und sich selbst testen können.

Schnelltest auf COVID-19: In Deutschland wurde in dieser Woche eine Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung verabschiedet, damit auch Privatpersonen Antigentests in Apotheken kaufen und sich selbst testen können.

© Sebastian Gollnow / dpa / picture alliance

Update vom 5. Februar

Wöchentliche Testung der Bevölkerung mit Antigen-Schnelltests und eine 14-tägige Quarantäne bei positivem Testergebnis ist die kosteneffektivste Strategie, um in Regionen mit hohen Infektionszahlen die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern – zumindest so lange, bis flächendeckend COVID-19-Impfstoffe oder antivirale Medikamente zur Verfügung stehen. Bei geringer bis moderater Transmissionsrate ist die wirtschaftlichste Strategie eine monatliche Testung sowie eine einwöchige Quarantäne bei positivem Testnachweis, schreibt ein Team der Universität von Texas. „Mit Massentestungen werden infizierte Personen am schnellsten identifiziert und isoliert“, betonen die Autoren. Dies sei auch im Bezug auf die Kosten am effektivsten. Während zu Beginn der Pandemie SARS-CoV-2-Tests relativ teuer waren und längere Zeit benötigten, um ein Ergebnis zu liefern, gebe es mittlerweile günstige Schnelltests, die in nur wenigen Minuten ein Testergebnis lieferten. Insgesamt hatten die Wissenschaftler acht Strategien für den Umgang mit SARS-CoV-2 per mathematischem Algorithmus auf ihre Kosten (Tests, Klinikeinweisungen, Arbeits-und Gehaltsausfall, verlorene Lebensjahre/YLL) für die USA hin analysiert (Lancet Public Health, online 5. Februar).

Update vom 4. Februar

Der Impfstoff von AstraZeneca ist offenbar wirksamer, wenn die zweite Dosis zwölf statt sechs Wochen nach der ersten verabreicht wird. Außerdem gibt es Hinweise, dass eine Transmission von SARS-CoV-2 bei Geimpften weniger wahrscheinlich ist. Das sind vorab veröffentlichte Ergebnisse einer Phase-III-Studie der Universität Oxford. Demnach liegt die Schutzwirkung der Vakzine nach der ersten Impfung bei 76 Prozent, und zwar ab Tag 22 nach erster Injektion. Die Schutzwirkung lasse bis Tag 90 nach Erstimpfung nicht nach. Bei Verabreichung einer zweiten Dosis höchstens sechs Wochen nach der ersten Dosis betrage die Schutzwirkung 55 Prozent. Werde die zweite Dosis allerdings nach zwölf oder mehr Wochen verabreicht, liege die Schutzwirkung mit 82 Prozent höher, schreiben die Wissenschaftler. Einschränkend gilt zu bemerken, dass der Großteil der Studienteilnehmer (83 Prozent ohne und 86 Prozent mit Booster-Injektion) zwischen 18 und 55 Jahren alt war, lediglich zwölf beziehungsweise neun Prozent waren zwischen 56 und 69 Jahre alt, und sechs beziehungsweise fünf Prozent waren älter als 70 Jahre. Des Weiteren gibt es den Ergebnissen zufolge Hinweise auf ein reduziertes Risiko einer Virustransmission bei Geimpften: Die Forscher geben zwar keine Daten zu Virustransmissionen an, jedoch einen Surrogatparameter in Form positiv PCR-getesteter Abstriche von Geimpften. Demnach fielen nach der ersten Impfdosis 67 Prozent weniger PCR-Ergebnisse positiv aus als vor der Impfung. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass die Vakzine das Potenzial habe, das Risiko einer Virustransmission zu verringern. Allerdings könnten auch andere immunologische Mechanismen involviert sein, die noch nicht ausreichend verstanden werden (Preprint The Lancet 2021; online 2. Februar).

Auf eine bekannte SARS-CoV-2-Infektion kommen vermutlich etwa 1,3 bisher unbekannte Infektionen. Das ist das Ergebnis zweier Studien der Uniklinik und der Universität Düsseldorf. Insgesamt wurden für die beiden Studien 2700 Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sowie Beschäftigte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes untersucht. Im Ergebnis gab es in den beiden untersuchten Gruppen bei jeweils 3,1 Prozent beziehungsweise 4,4 Prozent der Teilnehmer Antikörper gegen SARS-CoV-2; diese Teilnehmer hatten also eine Infektion durchgemacht. Davon wussten jedoch nur 43 beziehungsweise 41 Prozent der Infizierten. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass in den untersuchten Gruppen die sogenannte Dunkelziffer der unbekannten Infektionen das 1,3- beziehungsweise 1,4-Fache der bekannten Infektionen beträgt (Studie der Uniklinik und der Universität Düsseldorf; online 3. Februar).

Update vom 3. Februar

Seit Beginn der Pandemie hat die Mortalität von COVID-19-Patienten auf Intensivstationen zunächst deutlich abgenommen. Lag sie zum Höhepunkt der ersten Pandemiewelle Ende März 2020 bei etwa 60 Prozent, betrug die Mortalität Ende Mai 2020 41,6 Prozent. Mittlerweile ist die Sterberate weiter zurückgegangen, allerdings langsamer und könnte sich einem Plateau annähern. Ende Oktober 2020 lag sie bei 35,5 Prozent, wie britische Forscher berichten. Für ihre Metaanalyse hatte das Team die Daten von 52 Studien aus der ganzen Welt mit über 43.000 COVID-19-Patienten analysiert, darunter auch eine deutsche Studie mit einer großen Patientenkohorte. Aktuell liege die Mortalität von COVID-19-Patienten in den meisten Regionen zwischen 30 und 40 Prozent, zum Teil gebe es aber deutliche Unterschiede: So lag etwa in Ozeanien die Mortalität bei 10,6 Prozent, im mittleren Osten und Nordafrika dagegen bei 61,9 Prozent. Die niedrigen Zahlen in Ozeanien beruhen allerdings auf lediglich einer Studie. In der deutschen Publikation mit Daten von rund 19.000 Patienten betrug die Mortalität 23,1 Prozent. Generell sind länderübergreifende Vergleiche nicht unproblematisch, da sich zum einen die Ausstattung der Intensivstationen als auch die Kriterien für die Aufnahme unterscheiden können (Anaesthesia 2021; online 1. Februar).

Update vom 2. Februar

Beim Impfstoff AZD1222 des Herstellers AstraZeneca stellt ein Medienbericht die Aussagekraft der Zulassungsstudien im Bezug auf die Sicherheit der Vakzine infrage. Einige der potenziellen Nebenwirkungen seien durch die Gabe von Paracetamol vor Injektion des Impfstoffs von vornherein gedämpft worden. Deshalb stehe das Vakzin in der Rubrik „Nebenwirkungen“ auf dem Papier der Studien so gut da. Ein genauerer Blick in die in dem Bericht angegebene Quelle (Epid Bull 2/2020) zeigt aber, dass nur ein sehr kleiner Teil der Impflinge prophylaktisch Paracetamol erhalten hat (56 Personen in der Verum-, 57 in der Placebogruppe).

Der russische Impfstoffkandidat „Gam-COVID-Vac“ (Sputnik V) hat vorläufigen Phase-III-Daten zufolge eine Schutzwirkung von 91,6 Prozent vor symptomatischer COVID-19. Insgesamt nahmen fast 20.000 Personen über 18 Jahre an der Studie teil. 14.964 erhielten den vektorbasierten Impfstoff in zweimaliger Dosierung im Abstand von 21 Tagen, 4902 eine zweimalige Placebo-Impfung. In der Gruppe der Vakzinierten wurde ab Tag 21 nach erster Immunisierung bei 0,1 Prozent eine symptomatische COVID-19 festgestellt, in der Gruppe der mit Placebo Geimpften bei 1,3 Prozent. Dies entspricht einer Schutzwirkung von 91,6 Prozent. Auch in einer Subgruppenanalyse mit rund 2000 Über-60-Jährigen habe sich eine ähnliche Schutzwirkung ergeben, berichten die Wissenschaftler vom Nationalen Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie, das an das russische Gesundheitsministerium angegliedert ist. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren mild (Grad I, bei 94 Prozent). 0,3 Prozent in der Impf- und 0,4 Prozent in der Placebogruppe berichteten von schweren unerwünschten Wirkungen, ein Zusammenhang mit der Impfung wurde in keinem Fall festgestellt (Lancet 2021; online 2. Februar).

Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind einer Studie zufolge plazentagängig und können bei infizierten Müttern zu einer passiven Immunisierung des Ungeborenen führen. Wissenschaftler des Childrens‘ Hospital of Philadelphia haben Blutproben von 1471 Müttern, die an ihrer Klinik in der ersten Pandemiewelle zur Entbindung aufgenommen wurden, untersucht. Von den Müttern lagen zudem Proben des Nabelschnurbluts des Kindes vor. Bei 83 Müttern detektierten die Ärzte SARS-CoV-2-spezifische IgG-Antikörper – und auch 72 Neugeborene (87 Prozent) dieser Mütter waren seropositiv. Der Antikörpertiter bei den Neugeborenen lag umso höher, je früher im Schwangerschaftsverlauf sich die Mutter infiziert hatte und je höher ihr eigener Antikörpertiter war. Bei den elf Neugeborenen, bei denen keine Antikörper nachgewiesen werden konnten, hatten auch die Mütter keine oder nur eine sehr geringe Menge an IgG-Antikörpern im Blut. Keinen Einfluss hatte offenbar, ob die Erkrankung der Mutter symptomatisch oder asymptomatisch verlief (JAMA Pediatrics 2021; online 29. Januar).

Update vom 1. Februar

Eine frühe therapeutische Antikoagulation verbessert die Überlebenschancen bei schwerer COVID-19 wohl nicht. Ärzte von der Havard Medical School in Boston bewerteten in einer Studie mit mehr als 3200 schwerkranken COVID-19-Patienten die Inzidenz venöser Thromboembolien (VTE) und schwerer Blutungen innerhalb von 14 Tagen nach Aufnahme auf der Intensivstation. Dabei untersuchten sie den Effekt einer frühen, innerhalb der ersten zwei Tage initiierten therapeutischen Antikoagulation auf die Überlebensrate. Insgesamt erhielten zwölf Prozent der Patienten eine solche Behandlung. Ergebnis: Die Patienten hatten während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 27 Tagen ein ähnliches Sterberisiko wie diejenigen ohne die Behandlung (Ann Intern Med 2021; online 26. Januar). (sj)

Autoantikörper könnten eine Erklärung für Long-COVID-Symptome sein. In einer kleinen, noch nicht publizierten Studie haben Wissenschaftler die Konzentration von 18 verschiedenen IgG-Autoantikörpern im Blut von COVID-19-Rekonvaleszenten untersucht. Die Infektion mit SARS-CoV-2 lag bis zu sieben Monate zurück. Bei allen fünf Rekonvaleszenten, die weiterhin unter Symptomen litten, stellten die Wissenschaftler Autoantikörper fest, außerdem bei zwei von vier Rekonvaleszenten ohne andauernde Symptome. Antikörper, deren Konzentration in der Rekonvaleszenten-Gruppe deutlich erhöht waren, waren Anti-Beta-2-Glykoprotein, Anti-Proteinase 3-ANCA, Anti-Mi-2 und Anti-PM/Scl-100. Diese seien etwa mit Symptomen wie Myopathie und Vaskulitis assoziiert, die auch bei COVID-19 häufig seien, so die Forscher (PrePrint, MedRxiv 2021; online 25. Januar).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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