Video-Aufruf bei Facebook

Dorf sucht Doktor

In einem Video auf Facebook und Co. präsentieren sich die Bewohner des niedersächsischen Örtchens Rastede/Hahn-Lehmden als Gemeinschaft, der zum vollkommenen Glück nur noch ein neuer Hausarzt fehlt. Im Netz ist der Film ein Hit.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Am Werbe-Video haben sich viele Bewohner von Rastede/Hahn Lehmdem beteiligt.

Am Werbe-Video haben sich viele Bewohner von Rastede/Hahn Lehmdem beteiligt.

© Screenshots Facebook-Video

RASTEDE. „Moin. Wir suchen Dich. Du bist Arzt“, so wirbt eine kleine Ortschaft im Nordwesten Deutschlands per Video für einen neuen Hausarzt. Denn in Rastede/Hahn-Lehmden fehlt ein Doktor.

So sehen es jedenfalls die Bewohner des 1800-Seelen-Ortes in Niedersachsen. Der einzige Hausarzt in Hahn-Lehmden machte zum Jahresende seine Praxis zu. Was nun?

So wie es aussieht, hat das halbe Dorf beim Dreh des Werbevideos mitgemacht, um einen neuen Hausarzt oder eine neue Hausärztin für die Einzelpraxis im Ort zu werben: die Feuerwehr, Bauersleute, der Schornsteinfeger, der Jäger, Kinder, Alte und Familien.

Sie halten breit lächelnd selbst gebastelte Schilder in die Kamera und versprechen ein „Zuhausegefühl“ in einem Ort „wo andere Urlaub machen“, und sie bitten: „Werde unser Arzt in Hahn-Lehmden.“

09.01.2019 Video

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Versorgungsgrad von 133 Prozent

Von einem Hausärztemangel in dem betroffenen Versorgungsbezirk spricht die KV Niedersachsen aber nicht. Der entsprechende Bezirk ist für Hausärzte mit einem Versorgungsgrad von 133 Prozent gesperrt, berichtet Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg der KV Niedersachsen (KVN).

Er hält das Video für eine pfiffige Idee. Aber er weist auch darauf hin, dass es von Hahn-Lehmden aus bis zu den nächsten Hausarztpraxen in Rastede mit zehn Arztsitzen oder nach Wiefelstede zwischen sechs und sieben Kilometer sind. Dort sind die Ärzte im Durchschnitt relativ jung, die Arztzahlprognose sei positiv, so Scherbeitz.

„Natürlich wünscht sich jeder, dass die Einzelpraxis in Hahn-Lehmden wieder besetzt wird. Aber das Problem ist, dass sich junge Ärzte immer seltener in Einzelpraxen niederlassen wollen“, so Scherbeitz zur „Ärzte Zeitung“.

Video mehr als 300.000 Mal aufgerufen

Eine Unterschriftensammlung der Bürger in Hahn-Lehmden für einen neuen Arzt war der Anfang der Video-Idee. Mit den Unterschriften wandte man sich an den CDU-Stammtisch im Ort, berichtet Gemeindesprecher Ralf Kobbe.

Und hier wurde das Thema Hausärztemangel in der Gemeinde wohl auch zum Wahlkampfthema. Denn im Mai sind Bürgermeisterwahlen in Rastede und mit am CDU-Stammtisch saß Alexander von Essen, der gerne Bürgermeister werden will. Das Video darf man als Erfolg sehen. Auf Facebook und YouTube wurde es schon mehr als 300.000 Mal angeklickt.

Im Februar trifft sich der Zulassungsausschuss der KVN und kann den Sitz bis Mai ausschreiben. Im Zweifel würde man die Ausschreibung auch noch einmal bis zum 1. Juli verlängern, hieß es bei der KV. „Länger geht es nicht. Zu viele Patienten des ehemaligen Arztes würden sonst schon abgewandert sein.“

Wenn auch bis zum Sommer kein Arzt für Hahn-Lehmden gefunden wird, war der Video-Clip umsonst, und die Patienten müssen in Rastede oder Wiefelstede einen neuen Hausarzt suchen.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Robert Künzel

Warum kommt eigentlich niemand auf die naheliegendste Idee ?

Wenn sich das Dörfchen geschlossen dazu entschliessen würde, in den Wahltarif "Kostenerstattung" zu wechseln, dann wäre die Praxis vermutlich nach 1 Woche wieder besetzt. Vielleicht sollte man den Leuten mal diesen Tip geben, von Ihrer GKV kriegen sie diesen bestimmt nicht.
DAS wäre mal ein echtes Statement, wem die paar Kilometer in den nächsten Ort zu weit sind, der muß eben den kleinen Obolus (Verwaltungskram und kleiner Eigenbehalt) bezahlen. 1800 Kostenerstatter, das wäre mal eine echte Ansage, der würde selbst lahme Ärzte wieder zum Gehen bringen. Selbst wenn im Lauf der Jahre sicher ein gewisser "Schwund" nicht zu vermeiden sein wird, solange eine gesunde Basis verbleibt ist es eine echte WIn-Win-Situation für das Dorf und den Arzt. Aber wie so häufig: Daraus wird wohl nichts werden, oder ???


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