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Parlamentarische Anfrage

FDP sorgt sich um psychische Gesundheit von Studierenden

Fehlender Austausch, Seminare per Videochat, wegbrechende Nebenjobs: Die Corona-Krise setzt auch Studenten psychisch zu, warnt die FDP – und erwartet von der Bundesregierung Antworten. Die aber fallen dünn aus.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Viele Studierende sind bereits von einer psychischen Erkrankung betroffen. Corona verschärft die Situation.

Viele Studierende sind bereits von einer psychischen Erkrankung betroffen. Corona verschärft die Situation.

© shintartanya / stock.adobe.com

Berlin. Fehlende soziale Kontakte, Seminare per Videokonferenz, ungewisse Ausbildungsfinanzierung: Vom Corona-Lockdown sind auch Studierende belastet – besonders dann, wenn sie psychisch erkrankt sind. Zur Frage, wie viele der rund 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland betroffen sind, kann die Bundesregierung allerdings nur vage Angaben machen, wie aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Fraktion hervorgeht.

Aufgeschlüsselt nach einzelnen Jahren oder Monaten ließen sich „keine Angaben“ zur seelischen Gesundheit von Studierenden machen, heißt es in der Antwort der Regierung. Die Ausführungen liegen der „Ärzte Zeitung“ vor. „Anhaltspunkte“ ergäben sich lediglich aus Befragungen des Deutschen Studentenwerks (DSW).

2012 hätten laut „Sozialerhebung“ des DSW drei Prozent der Studierenden angegeben, sie seien psychisch beeinträchtigt. 2016 sei der Anteil auf sieben Prozent und in einer „Corona-spezifischen“ Befragung für das Jahr 2020 auf zehn Prozent gestiegen.

Weibliche Studierende gäben etwas häufiger als ihre männlichen Kommilitonen an (zwölf bzw. sieben Prozent), unter einer psychischen Beeinträchtigung zu leiden. Ältere Studierende seien mehr betroffen.

Es kommt auch auf das Studienfach an

Zudem gebe es regionale Unterschiede: 2016 habe der Anteil psychisch erkrankter Studenten in Bremen mit einem Anteil von zwölf Prozent am höchsten, in Baden-Württemberg und Bayern mit je sechs Prozent am niedrigsten gelegen. Der Anteil der Studierenden mit psychischen Leiden falle dabei in den Fächern Geisteswissenschaften (19 Prozent) und Kunst und Kunstwissenschaft (17 Prozent) besonders hoch aus. In den Fächern Humanmedizin und Sport hätten dagegen deutlich weniger Studenten angegeben, psychisch erkrankt zu sein.

Zur Frage, welche Diagnosen auftreten, verweist die Regierung auf die Studie „beeinträchtigt studieren“. Demnach hätten psychisch belastete Studierende im Wintersemester 2016/2017 angegeben, an einer Depression (80 Prozent), Angststörung (39 Prozent), Essstörung (16 Prozent) oder aber einer Persönlichkeitsstörung (zwölf Prozent) erkrankt zu sein.

Versorgung „stetig verbessert“

Zur Versorgungslage schreibt die Regierung, Studenten hätten – wie andere Versicherte auch – „umfassenden Zugang zu den Leistungen der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung“. Dieser sei „in den vergangenen Jahren stetig verbessert worden“. Konkrete Hinweise, in welcher Form das geschehen ist, finden sich in der Antwort nicht.

Zur Vorbeugung seelischer Leiden verweist die Bundesregierung auf das Präventionsgesetz von 2015. Das Gesetz verpflichte die Krankenkassen dazu, die Gesundheitsförderung in Lebenswelten auszubauen. Zu diesen Lebenswelten gehörten auch „Orte des Studierens“.

Darüber hinaus werde das Thema psychische Gesundheit von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) als „Querschnittsthema“ für unterschiedliche Zielgruppen aufbereitet. Während der Pandemie halte die BZgA überdies ein Informationsangebot zu Gesundheitskompetenz und Resilienz vor. Adressiert seien auch Studenten.

Dass immer mehr Studierende psychologische Beratung in Anspruch nehmen, erklärt sich die Bundesregierung mit der gestiegenen Gesamtzahl an Studenten. Zudem sei eine Entstigmatisierung psychischer Leiden zu beobachten. Für die Beratungsangebote zeichneten im Übrigen die Länder verantwortlich.

FDP: Flächendeckend beraten!

Der FDP-Politiker Dr. Jens Brandenburg rief die Bundesregierung auf, psychische Erkrankungen von Studenten wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Bund und Länder müssten ein flächendeckendes psychologisches Beratungsangebot gewährleisten, forderte der FDP-Obmann im Bundestags-Bildungsausschuss.

Beratungsbedarf gibt laut FDP in jedem Fall. So verweisen die Liberalen auf den Barmer-Arztreport von 2018. Demnach ist inzwischen jeder sechste Studierende von einer psychischen Erkrankung betroffen. Corona drohe die Situation zu verschärfen. So hätten laut einer Studie der Universität Würzburg knapp 60 Prozent der befragten Studierenden angegeben, dass sie wegen der Pandemie negative oder sehr negative Auswirkungen auf ihre psychische Befindlichkeit erwarten.

„Bei aller Fokussierung auf Inzidenzwerte darf die Bundesregierung diese gesundheitlichen Folgen nicht länger ignorieren“, sagte der FDP-Politiker Brandenburg. Hochschulen bräuchten endlich eine verlässliche Öffnungsperspektive.

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