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Kommentar zur Delta-Variante

Infiziert ist nicht dasselbe wie krank

Die COVID-19-Infektionszahlen im Vereinigten Königreich steigen derzeit drastisch an. Doch die Hospitalisierungszahlen ziehen nicht nach. Ein Hinweis darauf, wie es auch in Deutschland laufen könnte?

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:

Mit Beginn der Corona-Pandemie hat es einen kleinen Paradigmenwechsel in der Diagnostik von Atemwegserkrankungen gegeben: Entscheidend für die Diagnostik ist seitdem plötzlich nicht mehr das klinische Bild eines Patienten, sondern die PCR-Labordiagnostik nach Abstrich in Praxis, Klinik oder im Testzentrum.

Dieses Rad könnte vielleicht ein Stück zurückgedreht werden, sobald die vulnerablen Gruppen wirklich durchgeimpft sind.

Darauf deuten aktuelle Zahlen zu den Auswirkungen der drastisch steigenden Inzidenzzahlen in Großbritannien aufgrund der dort verbreiteten Delta-Variante, die sich auch bei uns bereits bald durchgesetzt haben könnte.

Viele Tests bringen viele Befunde

In UK werden zwar mittlerweile täglich Infektionszahlen von 25 .000 SARS-CoV-2-Infizierten und mehr vermeldet. Allerdings steigt die Zahl der Klinikeinweisungen bisher nicht im selben Umfang, wie Zahlen der britischen Regierungsorganisation Public Health England andeuten. Das gilt auch, wenn man den üblichen zeitlichen Vorlauf zwischen Infektion und Hospitalisierung von zwei bis drei Wochen berücksichtigt.

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Dahinter steckt die einfache Logik, dass die Ansteckung mit SARS-CoV-2 – selbst mit der Delta-Variante – nicht gleichbedeutend damit ist, dass ein Patient tatsächlich (schwer) erkrankt. Wenn viel getestet wird, damit sich das Virus nicht weiter verbreitet, werden freilich auch die nur leicht oder gar nicht erkrankten Infizierten gezählt.

Natürlich erkranken auch Menschen schwer, die nicht zu den Risikogruppen gehören. Aber die Hoffnung steht im Raum, dass es in einer Bevölkerung mit vielen Geimpften längst nicht so viele sein werden, dass das Gesundheitssystem wieder an seine Grenzen stößt.

Schulen schließen trotz Impfung?

Angesichts der aktuell niedrigen Inzidenzwerte und des hohen Impftempos sollte dieses Szenario Mut machen, dass eine Delta-Welle in Deutschland nicht gleich in einen neuen Lockdown führen muss, wie das teilweise befürchtet wird. Warum sollten Schulen geschlossen werden, wenn die am meisten gefährdeten Menschen durch Impfung geschützt sind?

Die erweiterten Meldepflichten für COVID-19-bedingte Klinikeinweisungen, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt einführen will, werden zudem ein genaues Monitoring der Situation erlauben. Vielleicht könnte in absehbar Zeit sogar die sogenannte Bundesnotbremse auf Hospitalisierungsraten umgestellt werden.

Und vielleicht lernen wir dann auch wieder, dass eine hohe Inzidenz nicht notwendigerweise eine hohe Morbidität nach sich zieht. Entscheidend ist dann endlich wieder das klinische Bild.

Schreiben Sie dem Autor: hauke.gerlof@springer.com

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