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Misere der Kindermedizin im Petitionsausschuss diskutiert

Der Petitionsausschuss zieht am Montag eine kritische Bilanz der bisherigen Versuche, die Versorgungsprobleme in der Kinder- und Jugendmedizin zu lindern.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:
Intensivpatient Kindermedizin? Der Petitionsausschuss des Bundestags hörte sich am Montag die Sorgen von Fachleuten an.

Intensivpatient Kindermedizin? Der Petitionsausschuss des Bundestags hörte sich am Montag die Sorgen von Fachleuten an.

© Stephan Morrosch / stock.adobe.com

Berlin. Der Petitionsausschuss des Bundestags hat am Montag die schwierige Lage bei der medizinischen Versorgung und pflegerischen Betreuung von Kindern diskutiert.

Hintergrund ist eine Petition, die mehr als 50000 Mitzeichner gefunden hat – dies ist die Voraussetzung, dass der Petitionsausschuss das Anliegen in einer öffentlichen Sitzung diskutiert. Die Situation der Kinderkliniken sei prekär, sagte Professor Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ).

Das Problem wird auch in der Selbstverwaltung zunehmend erkannt: Ende September hat der Gemeinsame Bundesausschuss den Anspruch auf die Zahlung von Sicherstellungszuschlägen auch auf Krankenhäuser mit Kinderabteilungen ausgeweitet.

Beleg für die Benachteiligung: Die Reaktion in der Pandemie

Seit 1991 seien jede fünfte Kinderabteilung geschlossen und vier von zehn Betten in der stationären Pädiatrie abgebaut worden, erinnerte Huppertz. Die Schließung von Kitas und Schulen in der ersten Welle der Corona-Pandemie sei ein „Beleg für die seit Jahren bestehende systematische Benachteiligung von Kindern- und Jugendlichen in unserer Gesellschaft“, heißt es in einer Mitteilung des DAKJ.

„Es darf nicht sein, dass Kinder bei Maßnahmen zum Gesundheitsschutz lediglich als Gefahr adressiert werden und nicht als zu schützende Gruppe“, rügte Huppertz.

In der Petition beklagen die Unterzeichner die Folgen einer „verfehlten Bedarfsplanung“, so dass Eltern kranker Kinder wochenlang auf einen Termin warten müssten. Auf mögliche Verbesserungen durch das Terminservicegesetz (TSVG) angesprochen, berichtete der DAKJ-Generalsekretär von „gemischten Erfahrungen“.

Beim „etablierten Mittelstand“ seien die neuen Möglichkeiten, einen Termin zu erhalten, sicherlich bekannt. „Dagegen wären für vulnerable Gruppen mehr Lotsen nötig“, die Eltern und ihre Kinder durch das Versorgungssystem begleiten, so Huppertz.

30 Prozent mehr Studienplätze gefordert

Für das Bundesgesundheitsministerium verwies Staatssekretär Thomas Gebhardt auf die neue Bedarfsplanung, die bundesweit 408 neue Zulassungsmöglichkeiten für Pädiater ausweise. Dem wurde entgegengehalten, es fehle immer mehr der pädiatrische Nachwuchs, um diese Stellen überhaupt besetzen zu können.

Huppertz sprach sich für einen 30-prozentigen Aufwuchs bei Medizinstudienplätzen aus. Zugleich verwies er auf die wachsende Überalterung bei den niedergelassenen Kollegen. Er warb daher für eine Weiterbildungsförderung in der Kinder- und Jugendmedizin analog zu den entsprechenden Programmen in der Allgemeinmedizin.

Probleme bei Umsetzung des Pflegeberufegesetzes

Auf die schwierige Lage in der Kinderkrankenpflege wies für die Petenten Birgit Pätzmann-Sietas vom Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland hin. Bundesweit fehlten 2000 bis 3000 Kinderkrankenschwestern. Hinzu kämen Probleme bei der Umsetzung des Pflegeberufegesetzes, da in einzelnen Bundesländern die pädiatrischen Vertiefungsansätze in den Pflegeschulen gar nicht angeboten würden.

In Flächenländern müssten schwerkranke Kinder teilweise bis zu 200 Kilometer weit transportiert werden, bis eine geeignete Kinderklinik mit ausreichend Personal gefunden wird.

Nach einer Antwort der Bundesregierung hat die Zahl der examinierten Kinderkrankenpflegekräfte von 42000 im Jahr 1996 auf 38000 im Jahr 2017 abgenommen.

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