Direkt zum Inhaltsbereich

Studie mit KiGGS-Daten

Psychische Probleme in der Kindheit – ein Päckchen auch im Erwachsenenalter

Wissenschaftler belegen anhand von Langzeitdaten, wie stark eine angeschlagene psychische Gesundheit in der Kindheit viele Betroffene auch als Erwachsene prägt.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:
Ob Ängstlichkeit, Schüchternheit, Niedergeschlagenheit oder aber motorische Unruhe – psychische Auffälligkeiten in der Kindheit schreiben sich in anderen Formen oft bis in das Erwachsenenalter fort.

Ob Ängstlichkeit, Schüchternheit, Niedergeschlagenheit oder aber motorische Unruhe – psychische Auffälligkeiten in der Kindheit schreiben sich in anderen Formen oft bis in das Erwachsenenalter fort.

© K. Schmitt / Fotostand / picture alliance

Berlin. Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendliche beeinträchtigen auch im jungen Erwachsenenalter deren Chancen auf ein gesundes und sozial erfolgreiches Leben.

Das zeigt eine Arbeitsgruppe um Dr. Robert Schlack von der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring beim Robert Koch-Institut (Journal of Health Monitoring 6(4):3-20. DOI 10.25646/8862). Die Untersuchung belege somit die „Notwendigkeit früher Prävention und Intervention bei Vorliegen psychischer Auffälligkeiten in Kindheit und Jugend“, betonen die Autoren.

Die Wissenschaftler griffen auf Kohortendaten der Studie zu Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KiGGS) zurück. Sie verbanden dabei Daten der KiGGS-Basiserhebung aus den Jahren 2003 bis 2006 mit der zweiten Befragungswelle der Studie aus den Jahren 2014 bis 2017 und konnten so Längsschnitt-Daten über einen Zeitraum von elf Jahren auswerten. Auf diese Weise wurden Daten von 3546 Teilnehmern analysiert, die zum Befragungszeitpunkt 21 bis 31 Jahre alt waren.

Ängstlichkeit, Schüchternheit, Niedergeschlagenheit

Danach beeinflussen internalisierende psychische Auffälligkeiten – wie etwa Ängstlichkeit, Schüchternheit oder Niedergeschlagenheit – die Entwicklung der jungen Erwachsenen in anderer Form als externalisierende Auffälligkeiten wie motorische Unruhe, Aufmerksamkeitsprobleme oder aggressives und dissoziales Verhalten.

In beiden Fällen aber weisen die betroffenen Kinder und Jugendliche im jungen Erwachsenenalter überdurchschnittlich häufig eine schlechtere psychische Gesundheit auf und berichten über eine geringere Lebenszufriedenheit als ihre Altersgenossen.

Höheres Risiko für riskanten Alkoholkonsum

Internalisierende Auffälligkeiten in Kindheit und Jugend schlagen sich den KiGGS-Daten zu Folge nicht in einem niedrigeren Bildungsstatus nieder. Auch beim Alkohol- und Tabakkonsum ist für diese Gruppe kein erhöhtes Risiko nachweisbar. Auffällig ist hingegen, dass die jungen Erwachsenen seltener als ihre Altergenossen in einer festen Partnerschaft leben und durchschnittlich später sexuell aktiv werden.

Bei externalisierenden psychischen Auffälligkeiten bestätigen sich in der KiGGS-Studie die Ergebnisse früherer auch internationaler Untersuchungen. Für diese Gruppe junger Erwachsener wurde auch in der Kohortenstudie ein höheres Risiko für Depressivität und Angstsymptome ermittelt. Gleiches gilt für ADHS oder für Suchtstörungen.

Basierend auf Daten der BELLA-Studie (BEfragung zum seeLischen WohLbefinden und VerhAlten), einem Vertiefungsmodul der KiGGS-Studie, konnte gezeigt werden, dass das Risiko für diese Gruppe, im Erwachsenenalter einen riskanten Alkoholkonsum zu entwickeln, um das 1,6-fache höher als bei Altersgenossen ohne Verhaltensauffälligkeiten.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Das GKV-Sparpaket und die Neinsager in der Koalition

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Woman with diabetes standing on top of the hill and looking at camera

© Getty Images

Impflücken bei Chronikern

Grippeimpfung bei Diabetes: Risiko für Folgen senken

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Die vergessene Reiseimpfung

© Milo Zanecchia | Getty Images

Impfen in der Praxis

Die vergessene Reiseimpfung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Kommentare
Dr. Detlef Bunk 13.12.202115:03 Uhr

Bella Modul - wichtige Studie.

Bereits aus früheren internationalen Untersuchungen ist bekannt, dass die Persistenz psychischer Störungen des Kindes- und Jugendalters ins Erwachsenenalter bei etwas über 50% liegt.

Dr. phil Detlef Bunk, Psychol. Psychotherapeut, Ki.-Ju- Th., Essen

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Haustiere

Kasuistik: Was passieren kann, wenn der Hund die Wunde ableckt

Patienten häufig überwässert

Praxistipps zur Hyponatriämie: „Trinken nur bei Durst!“

Lesetipps
Ein Kleinkind kratzt an einem juckenden Ausschlag in der Nabelregion.

© shangarey / stock.adobe.com

Hausärztin gibt Tipps

Darauf ist in der Kommunikation mit Skabies-Patienten zu achten

Nicht alles können Ärzte in der Rheumatologie delegieren – die strukturierte Vorbereitung einer Anamnese allerdings schon.

© auremar / stock.adobe.com

Aufgabenteilung

Wie Delegation in der Rheumatologie funktionieren kann

Eine Frau hat einen kleinen Ventilator in der Hand.

© Marcus Brandt/dpa

Auf einen Blick

Unsere Beiträge zum Thema Hitze in der Übersicht