Prävention

"Signale der Hoffnung gegen Suizid setzen"

Fakten und Vorurteile benennen, Tabus brechen – mit dem Tag der Suizidprävention am 10. September sollen Signale der Hoffnung gesetzt werden.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

BERLIN. 10.078 Menschen haben 2015 Suizid begangen, mehr als 100.000 haben versucht, sich selbst zu töten. Damit sterben mehr Menschen von eigener Hand als durch Verkehrsunfälle, Drogen und Gewalttaten zusammen. In hohem Maße mitbetroffen sind Hunderttausende von Angehörigen und Freunden.

Mit dem von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufenen Tag der Suizidprävention am 10. September wollen das Nationale Suizidpräventionsprogramm, die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention und die Deutsche Akademie für Suizidprävention ein "Signal der Hoffnung setzen", in dem auf rund 40 Veranstaltungen in 20 Städten Fakten und Vorurteile benannt werden.

Konkrete Beispiele für Vorteile benannte Professor Reinhard Lindner (Uni Kassel) am Donnerstag vor Journalisten in Berlin:

  • Wer eine Suizidgefährdung anspricht, löst einen Suizid aus – falsch: ein verständnisvolles Gespräch sei vielmehr ein erster Schritt zur Suizidvermeidung.
  • Wer Suizidgedanken hat, möchte unbedingt sterben – falsch: der Todeswunsch sei meist Ausdruck einer subjektiven Ausweglosigkeit, die aber mit professioneller Hilfe überwunden werden könne.
  • Suizid alter Menschen ist nicht so dramatisch, denn diese Menschen sterben ohnehin bald – falsch: Auch ältere kranke Menschen können Krankheitsrisiken überwinden und ihr Leben wieder als wertvoll betrachten.

Derzeit arbeiten die Organisationen an einem mit 326.000 Euro vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Projekt, mit dem der Stand der Suizidprävention in Deutschland erhoben sowie Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten benannt werden sollen. Das Projekt läuft über drei Jahre und soll auch die Möglichkeiten vernetzter Prävention – ambulant/stationär – und bürgerschaftlichen Engagements aufzeigen.

Eine neue Herausforderung sehen die Organisation als Folge des starken Flüchtlingszustroms 2015. Insbesondere traumatisierte Flüchtlinge könnten suizidgefährdet sein und psychotherapeutische Hilfe benötigen. Die Versorgungssituation hat sich im Laufe der Zeit nach Einschätzung der Experten deutlich verbessert, vor allem auch durch Inanspruchnahme von Dolmetscherdiensten.

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