TK-Untersuchung

Sport auf Rezept wirkt

Dass Sport als Therapie gerade auch schwer chronisch kranken Menschen helfen kann, belegt jetzt eine Langzeitstudie der Techniker Krankenkasse. Bislang erreichen Präventionsangebote aber oft nicht die Patienten, die sie brauchen.

Von Susanne Werner Veröffentlicht:
Bewegung hält fit: 80 Prozent der Studienteilnehmer waren Männer.

Bewegung hält fit: 80 Prozent der Studienteilnehmer waren Männer.

© VM/iStock)

BERLIN. Bewegung hilft gerade auch schwer chronisch-kranken Menschen. Das belegt eine Langzeitstudie der Techniker Krankenkasse (TK) mit Diabetikern und Herz-Kreislauf-Erkrankten.

Die Teilnehmer zeigten nach sechs Monaten eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit, eine verbesserte Herzfrequenz und benötigten deutlich weniger Insulin.

Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, nannte es eine zentrale Hürde von Präventionsprogrammen, dass oftmals nur Menschen angesprochen werden, die bereits motiviert sind.

Um die richtigen Patienten für das Programm "Sport als Therapie" herauszufiltern, hat die TK daher die Daten von Patienten genutzt, die in einem DMP eingeschrieben sind.

1352 Risikopatienten erhielten das Angebot, an einem sechsmonatigen Ausdauer- und Krafttraining im Rahmen eines Vertrags zur Integrierten Versorgung teilzunehmen.

Durchschnittsalter: 66 Jahre

Die Versicherten waren in der Regel Diabetiker oder litten an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Knapp die Hälfte von ihnen äußerten in den Telefonaten Interesse, 379 kamen zu einer Eingangsuntersuchung und 318 machten schließlich mit.

Neben der medizinischen Eignung waren es vor allem organisatorische Gründe, dass einzelne Versicherte später doch nicht teilnehmen konnten, sagte Klaus Rupp, TK-Fachbereichsleiter für Versorgungsmanagement.

Die Teilnehmer - zu 80 Prozent Männer, im Durchschnitt 66 Jahre alt - trainierten zunächst ihre Ausdauer, später auch ihre Muskeln, wobei die Intensität der Trainingseinheiten nach und nach gesteigert wurde.

Eine ärztliche Untersuchung erfolgte zu Beginn, nach zwölf Wochen und am Ende des Programms. Professor Martin Halle, Ärztlicher Direktor am Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München, hat das Angebot in einer Drei-Jahres-Studie evaluiert.

Das Training verbesserte demnach Gewicht, Cholesterin- und Langzeitblutzuckerwerte der Teilnehmer. Deren Leistungsfähigkeit stieg deutlich an.

Jene die Insulin spritzten, benötigen aufgrund der gesteigerten körperlichen Aktivität etwa 48 Prozent weniger Insulin als zuvor.

Telefonate stabilisieren Motivation

Zentral sei, dass die Intensität des Trainings nach und nach gesteigert werde und damit gesundheitliche Effekte auch wirklich eintreten, sagte Professor Halle.

Er verwies auch darauf, dass regelmäßige Telefonate oder Online-Coaching nötig seien, um die Patienten dauerhaft zu motivieren und langfristig eine Veränderung des Lebensstils herbeizuführen.

"Es reicht nicht aus, wenn ein Hausarzt dies nur empfiehlt. Er muss konkrete Angebote parat haben und den Patienten leiten können," sagte Halle.

Baas nannte das Programm "Sport als Therapie" ein Beispiel für eine "gelungene Kooperation zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern".

Zur Motivation der Teilnehmer biete die TK sowohl ein Online- wie auch ein Gesundheitscoaching an. Ärzte würden sich eher schwer tun, die richtigen Patienten zu identifizieren.

Hier könnten die Krankenkassen mit ihren Daten unterstützen, sagte der TK-Vorstandschef. Er sprach sich dafür aus, den Krankenkassen zu erlauben, vermehrt Patientendaten für solche Programme nutzen zu dürfen.

Mit Blick auf das Präventionsgesetz ärgerte sich Baas, dass die Anreize im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich bislang falsch gesetzt seien.

So bekomme eine Krankenkasse beispielsweise für einen Diabetiker statt 2500 Euro an Zuweisungen nur noch 500 Euro, wenn dieser kein Insulin mehr brauche - was aber auch das Ergebnis einer gelungenen Prävention sein kann.

"In die Prävention zu investieren lohnt sich für eine Krankenkasse überhaupt nicht", sagte Baas. Nötig sei, die Zuweisungen für jene Volkskrankheiten zu reduzieren, die über Prävention zu beeinflussen sind.

Einen "Skandal" nannte es Baas, dass die Kassen künftig die Arbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mitfinanzieren müssten.

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