Medizinstudium

Allgemeinmedizinische Lehre online bei Studierenden beliebt

In der Corona-Pandemie sind Veranstaltungen in der allgemeinmedizinischen Lehre fast komplett auf Online-Formate umgestellt worden. Eine Studie der LMU München zeigt: Der Wechsel kommt gar nicht so schlecht an.

Von Raimund SchmidRaimund Schmid Veröffentlicht:
Geht das auch online mit ähnlichem Lernerfolg? Untersuchung an einem Probanden während einer Vorlesung. Die Studierenden stehen nach einer Studie Online-Veranstaltungen positiv gegenüber. (Archivbild)

Geht das auch online mit ähnlichem Lernerfolg? Untersuchung an einem Probanden während einer Vorlesung. Die Studierenden stehen nach einer Studie Online-Veranstaltungen positiv gegenüber. (Archivbild)

© Julian Stratenschulte / dpa / picture alliance

Neu-Isenburg. Online-Vorlesungen und -Seminare statt Präsenzveranstaltung: Was aufgrund der COVID-19-Pandemie erzwungen worden ist, bringt bei Studierenden und bei Lehrenden sogar positive Rückmeldungen. Darauf deutet eine aktuelle Studie des LMU Klinikums München.

Demnach hat sich die Qualität der Lehre für eine Mehrheit der Teilnehmer an der Studie durch die Digitalisierung eher verbessert. Insgesamt bewerteten 54 Prozent der Studierenden, die teilgenommen haben, die Online-Formate mit „sehr gut“, 28 Prozent mit „gut“. Ein „mangelhaft“ wurde lediglich von vier Studierenden (drei Prozent) vergeben.

88 Prozent fühlten sich zudem während der Online-Aktivitäten gut betreut. Studierende nahmen zu 93 Prozent die bereitgestellten Materialien gerne an, weil sie diese als „verständlich aufbereitet“ ansahen.

Mehr Online-Formate auf der Wunschliste

Da auch der Zeitaufwand für die Onlineveranstaltungen im Vergleich zu Präsenzveranstaltungen als geringer empfunden wurde, wünschen sich sogar zwei Drittel der Studierenden in Zukunft mehr Online-Formate als Ergänzung zu den klassischen Präsenzterminen.

Basis der Studie ist eine Evaluation im Sommersemester 2020 an der LMU. Von rund 250 Studierenden, die fakultativ die Vorlesung und obligatorisch das Seminar im Sommersemester 2020 im Fach Allgemeinmedizin an der LMU München besuchten, nahmen 50 Prozent (n=124) an der Evaluation teil, von 38 Lehrenden 84 Prozent (n=32). Diese wurden am Ende des Semesters in einer Online-Evaluation (Erhebungszeitraum 24.06.-03.08.2020) zu Vorlesung und Seminar im Fach Allgemeinmedizin abgefragt.

Evaluiert wurden die Bereiche „Organisation und Technik“, „Lerninhalte“, „Durchführung und Qualität“ sowie „Didaktik und Betreuung“. Publiziert wurden die Ergebnisse nun in der Zeitschrift für Allgemeinmedizin (ZFA, 2021; 97 (2); 88-91).

Lehrende: Gute Diskussionsplattform

Auch drei Viertel der Lehrenden gaben an, dass sie solche Online-Formate gerade als Diskussionsplattform gut finden. Insgesamt beurteilten sie Online-Lehrveranstaltungen aber skeptischer. So waren die Lehrenden nur „eingeschränkt“ der Meinung, dass Lehrinhalte online genauso gut vermittelt werden können wie in Präsenzveranstaltungen oder dass sich die Qualität der Lehrveranstaltungen durch die Digitalisierung verbessert hat.

Zudem waren 63 Prozent der Lehrenden der Ansicht, dass sich der Zeitaufwand für Vorbereitung und Durchführung nicht verringert habe. Der Wunsch nach vermehrtem Einsatz von Online Lehrformaten war so „eher moderat“.

Am meisten vermissten die Studierenden beim digitalen Lernen nach Darstellung von PD Dr. Karoline Lukaschek, habilitierte Epidemiologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin, klare Regeln zur aktiven Teilnahme/Interaktion (zum Beispiel Wortmeldungen, Handheben).

Die Lehrenden wiederum vermissten besonders die persönlichen Kontakte, die fehlenden praktischen Übungen sowie die nur bedingt mögliche Aktivierung passiver Teilnehmer. Diese Defizite ändern aber nichts daran, dass insbesondere die Studierenden Online-Formate insgesamt positiv beurteilen und den Ausbau dieser Angebote durchaus als zukunftsfähig ansehen.

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