Entlastung für Arzt und Pfleger

Auf Visite mit dem Tablet-PC

Im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn stehen die Zeichen auf Digitalisierung. Patientenakten auf Papier verschwinden nach und nach, Ärzte und Pfleger arbeiten stattdessen mit Tablet-PC. Dort können Befunde und Diagnosen eingegeben werden, die sich dann jederzeit und überall abfragen lassen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Dr. Gesa Stöhr vom Gemeinschaftskrankenhaus Bonn erläutert einer Patientin den Krankheitsverlauf mithilfe ihrer digitalen Patientenakte.

Dr. Gesa Stöhr vom Gemeinschaftskrankenhaus Bonn erläutert einer Patientin den Krankheitsverlauf mithilfe ihrer digitalen Patientenakte.

© Norbert Ittermann / Deutsche Telekom AG

BONN. Für das Projekt "Mobile Visite" mit der Deutschen Telekom hat das in katholischer Trägerschaft befindliche Gemeinschaftskrankenhaus Bonn rund 500.000 Euro in die Hand genommen.

"Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen", sagte der Kaufmännische Direktor Klaus-Werner Szesik vor Kurzem vor Journalisten in Bonn.

Angesichts des starken wirtschaftlichen Drucks sei es wichtig, die Prozesse zu optimieren. "Wir streben Technologie-Führerschaft an." Das Haus in der Bonner Innenstadt hat eine Kapazität von 479 Betten. Es beschäftigt 1100 Mitarbeiter an drei Standorten, davon 150 Ärzte und 450 Pflegekräfte.

Im Herbst 2014 hat die Klinik damit begonnen, sie mit insgesamt 200 iPads in der handlichen Mini-Version auszustatten. Inzwischen sind die Papierakten aus 80 Prozent der Stationen verschwunden.

Ärzte anfangs skeptisch

"Wir träumen davon schon seit Jahren", so der Ärztliche Direktor Dr. Jochen Textor. Der schnelle Zugriff auf Diagnosen, Befunde, Vital-Parameter und Röntgenbilder beschleunige spürbar die Versorgung gegenüber dem manuellen Transport der Dokumente.

"Wichtig ist, dass Ärzte und Pfleger entlastet werden", betonte er. Sie haben jetzt mehr Zeit für die Patienten. Außerdem erhöhe der Einsatz der Tablets die Patientensicherheit.

Medikationsfehler, die durch eine schlecht lesbare Handschrift verursacht werden, würden vermieden, Medikationsinteraktionen können direkt am Gerät analysiert werden. Zudem seien die iPads hygienischer als Papierakten, die sich nicht desinfizieren ließen.

Textor: "Die Verbreitung nosokomialer Erreger wird durch das System verhindert." Bei den Ärzten sei die Skepsis am Anfang größer gewesen als bei den Pflegekräften. Das habe sich aber geändert, weil das System schnell und sicher ist. "Außerdem werden Softwareprobleme sofort angegangen."

Die iPad minis passen in die Kitteltasche. Die Ärzte können auch von auswärts auf die Daten zugreifen. Die eingebaute Kamera erlaubt ihnen, Bilder zu machen, etwa für die Wunddokumentation.

Textbausteine sorgen für Erleichterung

"Damit kann man auch dem Patienten gut den Verlauf dokumentieren", versichert der Radiologe. Die Handhabung ist einfach. "Das System ist selbsterklärend und funktioniert sehr gut", bestätigt Dr. Gesa Stöhr von der Gefäßchirurgie.

Allerdings sei die Dokumentation auf dem kleinen Gerät manchmal etwas mühselig. Selbst entwickelte Textbausteine sorgen aber für Erleichterung. Auch der Einbau eines Diktiergeräts soll den Ärzten langfristig die Arbeit erleichtern.

Stöhr meldet sich mit ihrem Password an, dadurch kann jeder sehen, dass Einträge oder Verordnungen von ihr stammen. Die iPads sind nicht an das Internet angeschlossen, die Daten liegen in einer Cloud.

Natürlich müsse die Verschlüsselung beim Datenaustausch zwischen iPad und Cloud und innerhalb der Cloud immer sichergestellt sein, betont Telekom-Vorstandschef Thimotheus Höttges. "Das ist unser Kerngeschäft."

In Deutschland arbeiten inzwischen rund 35 Kliniken mit dem digitalen Informationssystem der Deutschen Telekom, berichtet Dr. Axel Wehmeier, Leiter des Geschäftsfeldes Gesundheit. Die Nachfrage sei wesentlich höher. "Die Ärzte wollen das, wir kommen gar nicht mehr nach."

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