KI-Strategie

„Bescheidene Mittel“ – Verbände reagieren enttäuscht

Die Bundesregierung wähnt Deutschland bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz auf gutem Weg. Branchenverbände wie Bitkom sehen das anders – und verweisen auf eine Zahl in den USA.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 16.11.2019, 12:35 Uhr

Berlin. Branchenverbände haben enttäuscht auf die von der Bundesregierung vorgelegte erste Bilanz der nationalen „Strategie Künstliche Intelligenz“ (KI) reagiert. „Die bescheidenen Mittel von 500 Millionen Euro pro Jahr haben bislang so gut wie keine Wirkung erzielt“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder am Freitag in Berlin.

Die Bundesregierung hatte ihre KI-Strategie im Herbst 2018 gestartet. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte am Freitag erklärt, Deutschland sei bei der Entwicklung und Umsetzung der Technologie „auf einem guten Weg“.

„Sehen bald nicht mal mehr die Rücklichter“

In den Vereinigten Staaten werde derzeit über ein „100-Milliarden-Dollar-Programm zur KI-Entwicklung“ diskutiert, hielt Bitkom-Chef Rohleder dem entgegen. Die Bundesregierung solle daher prüfen, „ob die deutsche KI-Strategie überhaupt richtig dimensioniert“ sei.

Von den bislang angekündigten 100-KI-Professuren in Deutschland sei nach einem Jahr „noch nichts zu sehen“. Bislang seien erst 30 solcher Professuren ausgeschrieben worden. „Wenn wir so weitermachen, sehen wir von den schnellen Vorreiterländern der KI bald nicht mal mehr die Rücklichter“, kritisierte Rohleder.

„Es tut sich etwas in Sachen KI. Aber es fehlen nach wie vor konkrete Maßnahmen zur Umsetzung“, bemängelte auch der Vorsitzende des KI-Bundesverbands Jörg Bienert gegenüber der „Ärzte Zeitung“.

KI-Technologien entwickelten sich in den nächsten Jahren zu einem strategischen Erfolgsfaktor über alle Branchen hinweg, so Bienert. „Wenn wir das nicht aktiv mitgestalten, werden es andere Länder tun.“ Problematisch sei auch, dass es in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland noch immer eine „gewisse KI-Skepsis“ gebe. Das gelte auch für die Medizintechnik.

Fokus liegt „einseitig“ auf Datenschutz

KI könne im Gesundheitsbereich eine „große Rolle“ spielen, sagte Bienert. Gesundheitsdaten können mithilfe der neuen Technologie besser gezielt genutzt werden, um Krankheiten zu erforschen und Heilungsprozesse zu optimieren. „Der Fokus in Deutschland ist nach wie vor einseitig auf den Datenschutz gerichtet. Das ist aber nur eine Seite der Medaille.“

Auch Bikom-Chef Rohleder betonte, es sei wichtig, Künstliche Intelligenz und Datenpolitik „zusammen“ zu denken. „Es macht keinen Sinn, viel Geld in KI-Förderung zu pumpen und ihr gleichzeitig ihre wichtigste Ressource zu entziehen“ – und das seien nun mal die Daten. „Hier brauchen wir mehr Konsistenz in den politischen Maßnahmen.“

Nach Einschätzung von Rohleder gibt es mit Blick auf die zu fördernden KI-Anwendungen zwei „herausragende Felder“ in Deutschland: Das eine sei die autonome Mobilität, das andere die individuelle Medizin. „So wie wir führend bei Computertomografen sind, so müssen wir führend werdend in der KI-gestützten Diagnostik und Therapie.“ (hom)

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