Corona-Impfstoff

Bund steigt mit 300 Millionen bei CureVac ein

Die Bundesregierung beteiligt sich an dem Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac und unterstützt damit direkt die Entwicklung eines mRNA-Impfstoffs.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht: 15.06.2020, 15:16 Uhr
Halb bei der Pressekonferenz in Berlin vor Ort präsent , halb virtuell: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU, l.) und Staatssekretär Ulrich Nußbaum (r.) mit Investor Dietmar Hopp (auf dem Bildschirm) und dem Vorstandsvorsitzenden des Biotech-Unternehmens Curevac Dr. Franz-Werner Haas (nicht im Bild).

Halb bei der Pressekonferenz in Berlin vor Ort präsent , halb virtuell: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU, l.) und Staatssekretär Ulrich Nußbaum (r.) mit Investor Dietmar Hopp (auf dem Bildschirm) und dem Vorstandsvorsitzenden des Biotech-Unternehmens Curevac Dr. Franz-Werner Haas (nicht im Bild).

© dpa

Berlin. Um die Erforschung eines Corona-Impfstoffs zu beschleunigen, steigt der Bund beim deutschen Biotech-Unternehmen CureVac ein. Vorgesehen sei eine Investition in Höhe von 300 Millionen Euro, teilte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Montag in Berlin mit.

Das Geld werde über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eingespeist, so Altmaier. Die KfW halte damit einen Anteil von rund 23 Prozent an CureVac. Die unternehmerische Unabhängigkeit der Tübinger Biotechfirma bleibe aber unberührt, betonte der Wirtschaftsminister. Der Bund nehme keinen Einfluss auf geschäftspolitische Entscheidungen.

Weiterer Partner aus UK

CureVac gehört zu den weltweit zahlreichen Unternehmen, die derzeit an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs arbeiten. Experten gehen davon aus, dass ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 allerfrühestens Ende dieses Jahres bereitsteht.

Am vergangenen Wochenende hatte das Bundesgesundheitsministerium mitgeteilt, Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande hätten einen ersten Vertrag über 300 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geschlossen. Vertragspartner ist AstraZeneca, die einen Impfstoff-Kandidaten von der Universität Oxford einlizenziert haben und nun weiterentwickeln.

Altmaier betonte, die Investition in die CureVac AG sei Teil des kürzlich beschlossenen Corona-Konjunkturpakets. Ein Ziel der Bundesregierung sei es, bei der Herstellung von Wirkstoffen und deren Vorprodukten sowie in der Impfstoffproduktion mehr Unabhängigkeit zu erlangen. „Mit dieser Investition tun wir einen ersten Schritt in diese Richtung.“

„Vorne mit dabei“

Keiner wisse derzeit, welches Unternehmen wann den ersten Impfstoff gegen Corona entwickeln und auf den Markt bringen werde, so Altmaier. „Aber wir wissen eines: CureVac ist in dieser Entwicklung vorne mit dabei.“ Es sei wichtig, erfolgversprechende Schlüsseltechnologien am Standort Deutschland zu stärken. „Das gilt ganz besonders für die Biotechnologie und für Life Sciences.“

Dietmar Hopp, Hauptanteilseigner bei CureVac, betonte, die Corona-Pandemie wirke wie ein „Weckruf“ für Gesellschaft und Politik. „Man scheint zu verstehen, dass die Pharma- und Biotechindustrie systemrelevant sind und man ihr Engagement braucht.“

Dr. Franz-Werner Haas, amtierender Chief Executive Officer und Chief Operating Officer von CureVac, sagte, mit der „klaren Unterstützung“ des Bundes gewinne das Unternehmen „finanzielle Reichweite und Stabilität“ für die weitere Entwicklung seiner mRNA-Technologie. „Zugleich bewahren wir durch diese Vereinbarung unseren vollen unternehmerischen Handlungsspielraum.“

Grüne: Schädliche Stragegie

Die Grünen-Fraktion im Bundestag warf der Bundesregierung vor, mit ihrer „Germany First“-Strategie eine „schädliche internationale Konkurrenz um den Impfstoff“ zu fördern.

Das treibe nicht nur die Preise nach oben, sondern gefährdet auch den schnellen Zugang gerade von Risikogruppen zu Impfstoffen, erklärten die Berichterstatterin für Infektionsschutz der Fraktion, Kordula Schulz-Asche, und der Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule, Kai Gehring, am Montag.

Die Bundesregierung müsse sich entscheiden, ob sie bei Impfstoffen auf die „nationale Karte“ setzen wolle oder ob ein Covid-19-Impfstoff ein „globales, öffentliches Gut“ sein solle, so die Grünen.

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