Blitzumfrage zu 2019-nCoV

Coronavirus sorgt für Konjunktur in Sprechstunden

Das Coronavirus treibt wohl immer mehr Menschen vor dem Urlaub in die reisemedizinischen Sprechstunden, so eine Umfrage der „Ärzte Zeitung“. Welche, teils kuriosen, Fragen stellen die Patienten?

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 11.02.2020, 15:48 Uhr
Coronavirus sorgt für Konjunktur in Sprechstunden

Soll es nach Asien gehen? Auch als reisemedizinische Berater sind Ärzte derzeit viel gefragt.

© Remains / Fotolia

Neu-Isenburg. Hausärzte, die reisemedizinische Sprechstunden anbieten, können sich auf vermehrte Nachfragen von Patienten im Hinblick auf die Ansteckung mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV, gefasst machen – sofern sie den Run auf die speziellen Sprechstunden nicht eh schon spüren.

Eine Blitzumfrage der „Ärzte Zeitung“ unter Anbietern reisemedizinischer Sprechstunden hat gezeigt, dass das Thema in Deutschland teils als reale Gesundheitsbedrohung wahrgenommen wird – und das nicht nur bei der Abwägung, eine geplante Fernreise anzutreten oder zu stornieren.

Hausarzt erster Ansprechpartner

Für Dr. Camilla Rothe von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität in München, bleibt der Hausarzt auch in 2019-nCoV-Zeiten der primäre Ansprechpartner für Patienten, die eine Fernreise oder eine Kreuzfahrt planen.

„Wir haben hier im Hause sofort eine Hotline zu dem Thema eingerichtet, um uns vor einem Run auf die reisemedizinischen Sprechstunden zu schützen“, erläutert Rothe, die auch Vorsitzende des Ständigen Ausschusses für Reisemedizin in der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit (DTG) ist. Dort würden teils absurde Fragen zum neuen Coronavirus – etwa, ob man sich durch Waren, die man aus China per Post zugesendet bekommen habe, anstecken könne – geklärt und die Patienten mit ernsthaften Beratungswünschen in die private reisemedizinische Sprechstunde eingeladen. Die sei trotz der Hotline gut besucht.

Rothe, die den deutschen 2019-nCoV-Indexfall – einen Mitarbeiter des Unternehmens Webasto – behandelt hat, berichtet vor allem von zwei Patientengruppen, die in die Reisesprechstunde der LMU kommen: „Die einen sind die, die Fernreisen in Nachbarländer Chinas oder in die Region geplant haben. Die anderen sind Studenten, die an ihren Plänen für einen längeren Studienaufenthalt im Reich der Mitte unbedingt festhalten wollen.“

An Hausärzte richtet Rothe den Appell, sich bei Zweifeln in puncto 2019-nCoV an spezialisierte Einrichtungen wie ihre oder andere Tropeninstitute zu wenden. „Gerade angesichts der sich überlappenden Influenzawelle und der nahezu täglich wechselnden Falldefinition fällt es Hausärzten zunehmend schwer, immer auf dem neuesten Stand zu sein“, zeigt sie Verständnis für die gegenwärtigen Herausforderungen im ambulanten reisemedizinischen Beratungsgeschehen auf Selbstzahlerbasis.

Regionale Unterschiede

Das CRM Centrum für Reisemedizin verzeichnet eine den Erfahrungen in München teils gegenläufige Tendenz. Hier sind es vor allem die Ärzte und Apotheker, die sich melden: „Seitens der Ärzte und Apotheker haben wir beim CRM und beim Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) tatsächlich sehr viele Anfragen. Bei den Reisenden hingegen kommt das Thema Coronavirus in der Beratung vor, dominiert aber überhaupt nicht in den Anfragen“, resümiert der wissenschaftliche Leiter des CRM Tomas Jelinek.

Reisemedizin nach GOÄ

Die reisemedizinische Beratung ist eine Selbstzahlerleistung. Für die Beratung stehen die Nr. 1 (kurze Beratung, 2,3-facher Satz: 10,72 Euro) oder für längere Gespräche auch die Nr. 3 (mind. 10 Min. Dauer, 2,3-facher Satz: 20,10 Euro) zur Verfügung. Aber Vorsicht: Neben der Nr. 3 dürfen zwar die Untersuchungsziffern (Nr. 5 bis 8 GOÄ) angesetzt werden, nicht aber die Impfziffer 375 GOÄ.

Impfungen müssten dann also in einer separaten Sitzung erfolgen. Bei Untersuchungsziffern kann je nach Patient die symptombezogene Untersuchung (Nr. 5), die vollständige körperliche Untersuchung (Nr. 6 oder 7) oder der Ganzkörperstatus (Nr. 8) berechnet werden.

Im Saarland – hier haben sich nCoV-Verdachtsfälle nicht bestätigt – ist die Stimmung offensichtlich aufgeheizter als in Bayern. „Die Menschen hier treibt die Angst vor dem neuen Coronavirus um. Das merken wir in unserer reisemedizinischen Sprechstunde deutlich“, zieht Professor Barbara Gärtner, Leiterin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Institute für Infektionsmedizin an der Uni des Saarlandes in Homburg, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ eine erste Zwischenbilanz. Besorgt zeigten sich demnach vor allem Menschen, die Reisen zum Beispiel nach Singapur oder nach Neuseeland oder aber auch Kreuzfahrten gebucht hätten. Mit dem Reiseziel China hingegen sei noch niemand in der Sprechstunde aufgetaucht oder habe sich telefonisch erkundigt, ergänzt Gärtner.

Firmen spannen Werksärzte ein

Ein unternehmensseitig positives Feedback erfährt der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) derweil nach seinem Aufruf, mit Blick auf das neue Coronavirus, die Arbeitsmediziner vor Ort einzubeziehen, wenn China-Reisen von Mitarbeitern unumgänglich sind. „In der Tat werden wir als Betriebsärzte zu dem Thema Corona befragt“, resümiert VDBW-Vizepräsidentin Dr. Anette Wahl-Wachendorf auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“.

Dabei handele es sich meist um Firmen, die in China tätig sind. Diese ließen Betriebsärzte Mitarbeiter, die aus dem Reich der Mitte nach Deutschland zurückkommen, vom Werksarzt checken. „Im Hinblick auf das Auftreten der aktuellen Influenzawelle wird es aber zunehmend schwieriger, bei Reisenden aus China eine Grippeerkrankung von einer möglichen Coronavirusinfektion zu unterscheiden. Da die Symptomatik wenig spezifisch ist, ist es wichtig zunächst die Reiseanamnese und die mögliche Exposition entsprechend der vorgegebenen Falldefinition des Robert Koch-Instituts zu überprüfen“, berichtet Wahl-Wachendorf aus dem derzeitigen betriebsmedizinischen Versorgungsalltag in den Unternehmen.

Eigene Coronavirus-Sprechstunde?

Hausärzte, die reisemedizinische IGeL-Sprechstunden anbieten, könnten sich überlegen, spezielle 2019-nCoV-Zeitfenster einzuplanen, da sie sich so im direkten Vorfeld der Spezial-Sprechstunde gezielt auf den aktuellen Stand – zum Beispiel bezüglich der Falldefinition oder Hotspots der Verbreitung – bringen können. Hinweise auf der Praxis-Website können zudem bei Patienten, die derartige Angebote suchen, Aufmerksamkeit für den Service schaffen helfen.

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