Digitalisierung

Deutsche haben kein Problem mit Pflege- und Op-Robotern

Die Digitalisierung schreitet im pflegerischen wie im medizinischen Alltag voran. Die Menschen in Deutschland präferieren zwar die Versorgung von Menschenhand, sind aber offen für Roboter – in Grenzen.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Ein Pflegeroboter in Japan: Auch Deutsche zeigen sich offen für die Entwicklung.

Ein Pflegeroboter in Japan: Auch Deutsche zeigen sich offen für die Entwicklung.

© RIKEN

Pflege 4.0 und Medizin 4.0 – unter diesen beiden Schlagworten werden derzeit sowohl in der medizintechnischen und wissenschaftlichen Fachwelt wie auch in der breiten Gesellschaft Diskussionen über die Einbeziehung von Robotern in den jeweiligen Versorgungskontext geführt.

Fakt ist, dass vielfältige Medizin- und Pflegeroboter in der nicht allzu fernen Zukunft im Versorgungsalltag eingesetzt werden können. Die Forschung hat hier schon einige Meilensteine erreicht – vor allem in Japan und Deutschland. Prototypen haben längst die Schwelle zur Serienreife überschritten – vor allem in der Pflege.

Denken die Entwickler vor allem an Grenzen der technischen Machbarkeit und medizinethische sowie datenschutzrechtliche Limitationen ihrer schöpferischen Kraft, scheiden sich die Geister in der Bevölkerung, wenn sie zu ihrer persönlichen Akzeptanz von Pflege- und Op-Robotern befragt werden – zu unkonkret sind wahrscheinlich die Vorstellungen davon, wie die maschinelle Pflege-Betreuung oder Op-Unterstützung aussieht.

Nahezu kongruente Befragungsergebnisse

Drei von vier Bürgern in Deutschland haben nichts dagegen, wenn bei einer stationären Op "Kollege Roboter" statt eines Chirurgen das Skalpell führen würde. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Managementberatung Porsche Consulting.

Unter den Befragten knüpfen 41 Prozent ihr Ja allerdings an die Bedingung, dass der Robotereinsatz weniger risikoreich wäre als die Behandlung durch einen Arzt. 23 Prozent lehnen Medizinroboter ab.

Die Ergebnisse sind beinahe kongruent mit den Resultaten einer Befragung von 2050 Bundesbürgern im Auftrag der Strategieberatung PricewaterhouseCoopers. Hier lehnte ein Viertel der Befragten – unabhängig von der Indikation – einen Roboter-Arzt kategorisch ab, 40 Prozent zeigten sich offen gegenüber, wenn sie dem menschlichen Arzt überlegen sind.

Pflegeroboter? Kein Kroblem für die Deutschen

Aufgeschlossen für automatisierte Lösungen zeigen sich die Bürger laut Porsche-Erhebung, wenn es um die Betreuung im Alter geht. Aus dem Bett heben, Medikamente geben, Speisen und Getränke reichen – typische Tätigkeiten von Pflegekräften könnten schon bald auch von computergesteuerten Robotern erledigt werden.

56 Prozent der Befragten würden sich von einer Maschine pflegen lassen. Nach den Gründen dafür befragt, führte der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal bei 37 Prozent zur Bereitschaft, einen Pflegeroboter zu akzeptieren. Und 36 Prozent würden den Roboter akzeptieren, wenn sie dadurch zu Hause wohnen bleiben und einen Umzug in ein Heim verhindern könnten.

Als weitere Gründe wurden die ununterbrochene Betreuung rund um die Uhr (29 Prozent) sowie mögliche Kostenvorteile gegenüber einem Pflegedienst (21 Prozent) genannt. 44 Prozent lehnen Pflegeroboter generell ab.

Patienten würden Gesundheitsdaten weitergeben

Die jüngste Umfrage greift auch den hochsensiblen Punkt der persönlichen Gesundheitsdaten auf. Eine robotergestützte, digitalisierte medizinische Betreuung erfordert Zugang zu allen erforderlichen Daten.

Das scheint aus Patientensicht kaum ein Problem zu sein: 71 Prozent der Befragten würden der Speicherung der gesamten Krankenakte, zum Beispiel auf der elektronischen Gesundheitskarte, sofort zustimmen.

Diese Gruppe hätte auch keine Einwände gegen die Datenweitergabe an behandelnde Ärzte und an die eigene Krankenversicherung. Zwei Drittel der Befürworter würden ihre Einwilligung an die Bedingung der vertraulichen Datenbehandlung knüpfen.

Die Bereitschaft zur Datenweitergabe hat bereits Deutschlands oberste Datenschützerin Andrea Voßhoff auf den Plan gerufen. So warnte sie vor Avancen des Versicherers Generali, Datentransparenz via Fitness-Apps mit günstigeren Tarifen belohnen zu wollen. Der Datenschutz wird auch im Kontext von Pflege 4.0 und Medizin 4.0 eine essenzielle Rolle einnehmen – unabhängig von deren Akzeptanz durch Pflegebedürftige und Patienten.

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