Digitalisierungsreport

Digitalisierung muss für Ärzte nutzwertig sein

Blockierer sind die Ärzte bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht mehr. Gleichwohl muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Digitalisierungs-Diskussion – von links: Dr. Alexander Schachinger, EPatient RSD GmbH; Jörg Bodanowitz, Leiter der Unternehmenskommunikation der DAK Gesundheit; Andreas Storm, DAK-Vorstandsvorsitzender; Dr. Thomas Kriedel, KBV-Vorstand, und Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der Ärzte Zeitung und Director News & Politics Springer Medizin Verlag.

Digitalisierungs-Diskussion – von links: Dr. Alexander Schachinger, EPatient RSD GmbH; Jörg Bodanowitz, Leiter der Unternehmenskommunikation der DAK Gesundheit; Andreas Storm, DAK-Vorstandsvorsitzender; Dr. Thomas Kriedel, KBV-Vorstand, und Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der Ärzte Zeitung und Director News & Politics Springer Medizin Verlag.

© Anno Fricke

BERLIN. Ärzte stehen der Digitalisierung im Gesundheitswesen offen gegenüber, fordern aber klare Nutzenbelege für die technische Entwicklung.

Darauf verweist der Digitalisierungsreport 2019, den die DAK-Gesundheit gemeinsam mit der „Ärzte Zeitung“ und der EPatient RSD GmbH am Dienstag vorgestellt hat.

Ärzte spielen zudem eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung digitaler Anwendungen. So ist die Abbruchrate von Patienten in Online-Schulungen geringer, wenn der Arzt den Patienten persönlich dazu aufgeklärt hat.

Die elektronische Gesundheitsakte, die ab 2021 in die E-Patientenakte münden soll und die Kassen dann jedem Versicherten zur Verfügung stellen müssen, steht thematisch im Fokus des Digitalisierungsreports.

Den digitalen Check von Wechselwirkungen zwischen Medikamenten bewerten 71 Prozent der rund 2300 befragten Ärzte (70 Prozent Männer/ 30 Prozent Frauen) positiv, weitere 21 Prozent haben den Haken bei „neutral“ gesetzt.

Dass Patienten im Zeitalter der E-Patientenakten informierter in die Praxis kommen sehen in der aktuellen Befragung lediglich 29 Prozent der Ärzte positiv, 25 Prozent beurteilen diese Entwicklung eher negativ.

Ganzheitliche Digital Health Strategie gefordert

Der Vorstandsvorsitzende der DAK, Andreas Storm, richtete an die Gesundheitspolitik die Forderung nach einer ganzheitlichen Digital Health Strategie. Der Staat solle den Rahmen setzen, die Selbstverwaltung die Strategie umsetzen, allerdings unter strengen Zeitvorgaben.

Storm, betonte, dass die Digitalisierung Effizienzeffekte und höhere Versorgungsqualität mit sich brächte. Zum Beispiel könnten Doppelbefundungen vermieden werden. „Man kann mit digitalen Anwendungen als Kasse Kosten sparen. Das ist aber nicht unsere erste Motivation“, sagte Storm.

Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der „Ärzte Zeitung“, verwies auf Fehlanreize bei der Vergütung. Solange das Versenden eines herkömmlichen Faxes im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) höher bewertet sei als die elektronische Kommunikation, würden die Vorteile der Digitalisierung aufgehalten.

Unter Ärzten gebe es aber bei Weitem keine „komplette Technikverweigerung“, sagte van den Bergh. Wo der Nutzwert der neuen Technologien für den Arzt klar erkennbar sei, werde der Wunsch geäußert, diese Anwendungen in den Praxisalltag zu übernehmen.

Hase-Igel-Rennen

Maximale Datensicherheit führe zur Hemmung des Datenaustausches, sagte KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel. Es werde immer ein Hase-Igel-Rennen um die Daten von Patienten und Ärzten geben, prognostizierte Kriedel.

Es gelte, die haftungsrechtliche Sicherheit für die Ärzte und die Möglichkeit, überhaupt Daten auszutauschen, zum Beispiel über die Patientenakte, auszutarieren.

Am Digitalisierungsreport beteiligt waren außer DAK und „Ärzte Zeitung“ der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, der Hartmannbund, Monks Ärzte im Netz GmbH und der Spitzenverband Fachärzte Deutschland (SpiFa).

Lesen Sie dazu auch: Digitalisierungsreport: So stehen Ärzte zu E-Health Kommentar zu E-Health: Ärzte in der Warteschleife

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