Report

Investoren im Gesundheitsmarkt ungebrochen aktiv

Die Konsolidierung in der fachärztlichen ambulanten Praxislandschaft unter Beteiligung institutionellen Kapitals hält an. Als nächstes rücken die Orthopäden in den Fokus, prognostiziert die Unternehmensberatung PwC.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Gesundheit und Kapitalvermehrung: Da scheiden sich die Geister. Tatsache ist: Alles will die öffentliche Hand nicht selber stemmen.

Gesundheit und Kapitalvermehrung: Da scheiden sich die Geister. Tatsache ist: Alles will die öffentliche Hand nicht selber stemmen.

© Cozine / stock.adobe.com

Düsseldorf. Kliniken, Pflegeimmobilien und Medizinische Versorgungszentren gelten als ebenso attraktive Unternehmungen wie Anlageziele. Daran hat sich auch im Pandemiejahr 2020 nichts geändert. Laut jüngstem „Transaktionsmonitor Gesundheitswesen“ der Unternehmensberatung PwC gingen im Berichtsjahr bundesweit 149 Übernahmen und Fusionen über die Bühne – sieben mehr als 2019.

Im Mittelpunkt des Interesses stehen weiterhin Krankenhäuser, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie – insbesondere für Finanzinvestoren – als Basis einer MVZ-Trägerschaft und damit des Einstiegs in den Markt der ambulanten medizinischen Versorgung dienen können.

Allerdings fiel 2020 die Anzahl der Klinik-Transaktionen mit Private-Equity-Beteiligung erneut vergleichsweise gering aus: lediglich drei Übernahmen von insgesamt 32 (Vorjahr: 26) im stationären Markt identifizierten die Autoren des PwC-Reports als „Trägervehikel für eine MVZ-Struktur“ (Vorjahr: 2 von 26).

Zahnarzt-MVZ weiterhin begehrt

Sehr viel deutlicher von Investorenengagement geprägt sind dagegen die Transaktionen innerhalb des MVZ-Marktes – was Rückschlüsse auf einen Konsolidierungstrend erlaubt: Zwölf der insgesamt 39 MVZ-Übernahmen fanden 2020 unter Federführung institutionellen Eigenkapitals statt (Vorjahr: 21 von 45).

Sieben MVZ-Transaktionen entfielen zuletzt auf zahnärztliche Einrichtungen. Damit, heißt es, sei „der Bereich Zahnmedizin weiterhin von großem Interesse gerade für von Finanzinvestoren gehaltene MVZ-Ketten“.

Zur Erinnerung: Mit dem im Mai 2019 in Kraft getretenen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) war auch die sozialrechtliche Latte für zahnärztliche MVZ-Gründungen durch Kliniken höher gelegt worden (Paragraf 95 Absatz 1b SGB V). Eine Ausdehnung der dort getroffenen Beschränkungen auch auf die ambulante ärztliche Versorgung, war zuletzt aus Unionskreisen ausdrücklich zurückgewiesen worden.

Konsolidierungsschwerpunkte im MVZ-Markt sind dem Report zufolge radiologische und augenärztliche Praxen. Der nächste ambulante Sektor, in dem die Analysten mit zunehmender Übernahmeaktivität rechnen, sei die Orthopädie. Praxen würden „entweder als MVZ-Ketten zusammengeführt oder an Radiologien angeschlossen, für die sie als Zuweiser dienen“. Beispielhaft erwähnt wird die MVZ-Gruppe Med 360 AG, die „bereits seit einiger Zeit in NRW mit Zukäufen beschäftigt“ sei.

Pflegeimmobilien: Rendite sinkt

Die Nachfrage nach Anlagechancen im Pflegemarkt blieb 2020 gleichfalls groß. Von den 30 Pflegeheimbetreibern, die im Berichtsjahr den Besitzer wechselten (Vorjahr: 26), gingen zehn an einen Erwerber mit Private-Equity-Hintergrund (Vorjahr: 4). Der seit Jahren renditeträchtige Markt der Pflegeimmobilien erreichte zuletzt mit 3,4 Milliarden Euro Übernahmevolumen einen neuen Rekordwert; dem entsprachen 34 Deals (Vorjahr: 37).

Als Treiber der Pflege-Gesamtaufwendungen scheint der Immobilienpart jedoch zunehmend weniger ins Gewicht zu fallen. Die Spitzenrendite sei in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gefallen „und lag Ende 2020 bei rund 4,0 Prozent“, so PwC. Sie nähere sich damit dem Renditelevel anderer Immobilienanlagen wie Büro, Einzelhandel oder Wohnen. Ein Befund, den unlängst auch das Beratungsunternehmen BNP Paribas Real Estate ganz allgemein für Healthcare-Immobillien mitgeteilt hatte.

Erste Telemed-Übernahmen

Erstmals konnten die Düsseldorfer Berater in 2020 auch ein Konsolidierungsgeschehen unter bundesdeutschen Telemedizin-Anbietern beobachten – wenngleich noch auf sehr niedrigem Niveau.

Sechs Transaktionen wurden gezählt, darunter etwa der Verkauf des Münchener Start-ups TeleClinic an die Schweizer DocMorris-Mutter Zur Rose, die Übernahme der Berliner Arztnetz-Managementgesellschaft Medlanes durch Zava oder die Weiterführung des insolventen Hamburger IT-Unternehmens Vitabook durch den Immobilieninvestor und Medizinproduktehersteller Viromed.

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