SARS-CoV-2-Analytik

Laborärzte sind für Genomanalyse gut gerüstet

Um Mutationen des Coronavirus nachverfolgen zu können, plant der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin 5000 Sequenzierungen positiver SARS-CoV-2-Proben pro Woche. Die Kapazitäten seien vorhanden, heißt es.

Von Kathrin Handschuh Veröffentlicht:
Die Genanalytik von SARS-CoV-2 soll nun auch in Deutschland vorangetrieben werden. Die Labormediziner könnten die Sequenzierung bewältigen, sagen sie.

Die Genanalytik von SARS-CoV-2 soll nun auch in Deutschland vorangetrieben werden. Die Labormediziner könnten die Sequenzierung bewältigen, sagen sie.

© tilialucida / stock.adobe.com

Berlin. Die fachärztlichen Labore sehen sich für die Feststellung von Mutationen des Corona-Virus gut gerüstet: Nach einem Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums sollen fünf Prozent aller positiven SARS-CoV-2-Proben künftig einer Genomsequenzierung unterzogen werden, um mögliche Virus-Mutationen wie die erstmals in Großbritannien nachgewiesene Virus-Variante B 1.1.7 rechtzeitig erkennen und nachverfolgen zu können.

„Wir können sofort loslegen“, betonte Evangelos Kotsopoulos, Vorstand der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.), bei einer Online-Pressekonferenz. „Der Mengenschlüssel von fünf Prozent ist gut machbar, das werden rund 5000 Sequenzierungen pro Woche sein.“

Kapazitäten seien ausreichend vorhanden, die Ergebnisse würden dann nach einigen Tagen vorliegen. Eine Genomanalyse funktioniere nicht über Nacht. Der Flaschenhals seien in erster Linie die Abläufe dahinter: Die Daten müssen aufbereitet, formatiert und hochgeladen werden, damit beispielsweise das Robert-Koch-Institut (RKI) darauf zugreifen könne.

Sequenzierung bisher an Universitätskliniken

Der ALM-Vorsitzende Dr. Michael Müller erläuterte, dass derartige Sequenzierungen in der Vergangenheit regelmäßig vor allem von Laboren an Universitäten durchgeführt wurden, beispielsweise in der Hepatitisdiagnostik. Auch bei regionalen Corona-Ausbrüchen in den vergangenen Monaten habe sich eine Sequenzierung als sinnvoll erwiesen. „Neu ist, dass das nach der Verordnung zur molekularen Surveillance nun flächendeckend gemacht wird.“

Kritik, dass dieses Verfahren in Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien zu spät aufgesetzt worden sei, wies Müller zurück. „Wir sind seit kurz vor Weihnachten für das Thema sensibilisiert und haben nur wenige Wochen später schon eine entsprechende Verordnung.“

Im Rahmen ihrer wöchentlichen Datenerhebung haben die 169 angeschlossenen Labore einen Rückgang der Positivrate bei den PCR-Tests von 16,4 in der Kalenderwoche 53 des vergangenen Jahres auf 13,7 Prozent verzeichnet. Das könnte aber auch mit der Zunahme der Anzahl der PCR-Tests insgesamt zu tun haben.

In der ersten Januarwoche wurden insgesamt rund 1,06 Millionen Tests (Vorwoche: 721.463)durchgeführt, davon hatten 145.358 einen positiven Befund. Die Auslastung der Labore befinde sich mit rund 60 Prozent im grünen Bereich, so Müller. Für die laufende Woche stünden insgesamt rund 1,82 Millionen SARS-CoV-2-PCR-Tests zur Verfügung.

BDL kritisiert gewerbliche Schnelltestzentren

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) kritisiert die deutschlandweite Eröffnung gewerblicher Schnelltest-Zentren. Immer mehr Alten- und Pflegeheime gingen dazu über, von Besuchern ein gültiges negatives Testergebnis zu verlangen, heißt es in der Pressemitteilung.

Häufig verfügten sie aber nicht über ausreichend Personal für die Vor-Ort-Diagnostik. Die Betreiber der Testzentren nutzten dies schamlos aus und böten den Angehörigen überteuerte Schnelltestuntersuchungen an, damit diese die Einrichtungen betreten könnten.

Auch ALM-Vorsitzender Müller betonte, dass Antigen-Schnelltests in ein professionelles Informations- und Beratungsumfeld eingebunden werden müssten. „Es ist ganz entscheidend, dass die Anwender mit dem Ergebnis nicht allein gelassen werden, sondern mit einem Arzt über das weitere Vorgehen sprechen.“ Antigentest für den Hausgebrauch ließen sich daher nicht so einfach umsetzen.

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