Jahresbilanz 2018

Novartis kündigt erneut großen Aktienrückkauf an

Mit patentgeschützten Arzneimittelinnovationen konnte Novartis 2018 kräftig zulegen. Das Generikageschäft lief zwar weniger rund, soll nach einer Portfoliobereinigung aber wieder besser laufen.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Über den Dächern von Basel: Unter dem Novartis-Logo firmieren bald nur noch reine Arzneimittelgeschäfte.

Über den Dächern von Basel: Unter dem Novartis-Logo firmieren bald nur noch reine Arzneimittelgeschäfte.

© dpa

BASEL. Der Umbau des Novartis-Konzerns zum reinrassigen Pharmaunternehmen kommt voran. Nachdem Anfang vorigen Jahres auch das Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten an GlaxoSmithKline abgegeben wurde – 2015 hatte GSK bereits die Impfstoffe der Schweizer übernommen –, steht jetzt die Abspaltung der Augensparte Alcon auf der Agenda.

Das Geschäft mit Kontaktlinsen und Technik für die Augenchirurgie hatte in der Vergangenheit wiederholt Probleme bereitet. Im Juli 2018 teilte Novartis dann mit, Alcon als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen zu wollen. Anlässlich der Veröffentlichung der Jahreszahlen am Mittwoch in Basel wurden die Aktionäre über die Konditionen des Börsengangs informiert.

Danach sollen sie je fünf eigenen Novartis-Papieren eine neue Alcon-Aktie erhalten. Stimmen die Aktionäre bei der Hauptversammlung am 28. Februar der Ausgliederung zu, könne die Transaktion noch im Laufe des 2. Quartals über die Bühne gehen, heißt es.

Sandoz zählt zum Kerngeschäft

Danach würde Novartis nurmehr patentgeschützte Originale, Generika und Biosimilars führen. Bei der Generika-Tochter Sandoz ist zwar eine Portfoliobereinigung angesagt: Der indische Hersteller Aurobindo übernimmt für rund eine Milliarde Dollar Sandoz’ US-amerikanisches Dermageschäft („PharmaDerm“) sowie die in den USA vermarkteten oralen Generika. Doch eine endgültige Trennung von dem Nachahmergeschäft sei nicht beabsichtigt, versicherte in Basel Konzernchef Vas Narasimhan. „Sandoz ist Teil von Novartis, wir planen keine Desinvestition.“

Wie bereits kurz berichtet, kann Konzernchef Narasimhan für das erste Jahr unter seiner Ägide solide Zahlen melden. Der Gesamtumsatz nahm um sechs Prozent auf 51,9 Milliarden Dollar zu. Mit 13,4 Milliarden Dollar (+9,0 Prozent) entfielen 26 Prozent der Verkäufe auf innovative Krebswirkstoffe – dem nach Indikationen damit größten Geschäftsbereich.

Die 20 umsatzstärksten Novartis-Produkte – darunter inzwischen 15 Blockbuster – trugen knapp 27 Milliarden Dollar (+10,0 Prozent) zum Gesamtumsatz bei.

Operativ verdiente Novartis mit 8,2 Milliarden Dollar fünf Prozent weniger als im Vorjahr, was insbesondere auf Akquisitions- und Restrukturierungskosten zurückgeführt wird. Der Überschuss verbesserte sich aufgrund eines hohen Sondergewinns aus dem Verkauf des OTC-Geschäfts an Glaxo um 64 Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar.

Der Dividendenvorschlag an die Hauptversammlung lautet 2,85 Schweizer Franken je Aktie. Das entspricht einer Erhöhung um 2,0 Prozent und wäre die 22. Dividendensteigerung in Folge.

Geld an die Eigner auskehren will Novartis aber auch über ein weiteres, inzwischen achtes Aktienrückkaufprogramm. 2018 hatte der Konzern für rund zehn Milliarden Franken 23 Millionen eigene Titel zurückgekauft, die jetzt zwecks Kapitalreduktion vernichtet werden sollen. Vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre sollen bis 2022 nun noch einmal zehn Milliarden Franken für eigene Titel ausgegeben werden.

Hinter der 2019er-Prognose stehen gleich mehrere Fragezeichen: Ob die Alcon-Abspaltung und der Sandoz-Aurobindo-Deal gelingen und ob für das mit 3,3 Milliarden Dollar aktuell größte Konzernprodukt, das MS-Mittel Gilenya® (Fingolimod), trotz anhängiger Rechtsstreitigkeiten bereits Nachahmerkonkurrenz auf den Markt drängt. Bestenfalls soll der Gesamtumsatz um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag zulegen und der operative Gewinn um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentbetrag.

Siponimod kommt Ende 2019

Die deutsche Landesgesellschaft lag 2018 leicht über Konzernlinie und konnte den Umsatz mit Dritten sogar um acht Prozent auf 3,5 Milliarden Euro verbessern. 64 Prozent der Erlöse entfielen auf innovative Arzneimittel, 31 Prozent auf Generika und Biosimilars und fünf Prozent auf Alcon, wie Landeschefin Dr. Sidonie Golombowski-Daffner in Basel berichtete.

Als die beiden zunächst in Deutschland anstehenden Neueinführungen kündigte Golombowski-Daffner für Ende dieses Jahres den S1P-Rezeptormodulator Siponimod gegen sekundär progrediente MS an, sowie voraussichtlich Mitte 2020 den Antikörper Brolucizumab gegen AMD.

Novartis 2018

  • Umsatz: 51,9 Mrd. Dollar (+6,0 %). Davon Originale: 34,9 Mrd. (+8,0 %); Generika: 9,9 Mrd. (-2,0 %); Alcon: 7,1 Mrd. (+6,0 %)
  • Betriebsgewinn: 8,2 Mrd. Dollar (-5,0 Prozent)
  • Überschuss: 12,6 Mrd. Dollar (+64 %)
  • Top 3 Produkte:Gilenya® (Fingolimod, MS) 3,3 Mrd. Dollar (+5,0 %) Cosentyx® (Secukinumab, Psoriasis) 2,8 Mrd. Dollar(+37 %) Lucentis® (Ranibizumab, AMD) 2,0 Mrd. Dollar (+8,0 %)
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