Demenz

Optimierte Versorgung nach dem Silvia-Prinzip

In Stockholm können sich Ärzte mit einem Studium nebenberuflich fit machen für die bessere Versorgung von Demenzpatienten. Die konzeptionelle Idee der Stiftung der schwedischen Königin stößt in Deutschland auf Interesse.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 19.05.2016, 05:10 Uhr

STOCKHOLM. Die Humanmedizinerin und Leiterin der Fachstelle Demenz der Malteser in Deutschland Dr. Ursula Sottong darf sich nun auch offiziell Silvia-Ärztin nennen. Diese Woche bekam sie in Stockholm von Schwedens Königin Silvia die offizielle Auszeichnung überreicht. Sottong hat sich mit dem berufsbegleitenden Studium des Karolinska Institut und der Stiftung Silviahemmet fit gemacht für die optimierte Versorgung von Demenzpatienten.

Zweijähriges Studium

Demenzerkrankungen zählen heute zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten und stellen große Herausforderungen an die Pflege und Betreuung. Die Silvia-Ärzte haben ihr zweijähriges Masterstudium in der Demenzversorgung laut Karolinska Institut parallel zu ihrer klinischen Tätigkeit absolviert. Das Studium werde als Postgraduierten-Fernstudium angeboten. Der Arzt könne deshalb während des Studiums weiter arbeiten und seine neuen Kenntnisse direkt im Versorgungsalltag umsetzen. Kennzeichnend für diese Weiterbildung sei, dass sie sich nicht nur an Ärzte der Grund- und Regelversorgung wende, die Demenzpatienten behandeln, sondern auch an Spezialisten aus der Geriatrie, Psychiatrie, Neurologie, der Inneren Medizin und der Notfallmedizin.

"Demenzerkrankungen sind ein großes globales Problem. Es ist von größter Wichtigkeit, die Kenntnisse über Demenzerkrankungen und Behandlungsmethoden bei den medizinisch Tätigen sowohl in Schweden als auch im Ausland zu erweitern", erläutert Maria Eriksdotter, Vorstandsmitglied von Silviahemmet und Leiterin des Instituts für Neurobiologie, Pflegewissenschaft und Gesellschaft am Karolinska Institut. "Ein wichtiges Ziel des Studiums ist es, durch die enge Verbindung mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen das Interesse an der Forschung über Demenzen zu stärken", ergänzt Eriksdotter.

"Die Versorgung von Demenzpatienten ist äußerst komplex", verdeutlicht Wilhelmina Hoffman, Expertin auf dem Gebiet der Geriatrie und Präsidentin der Silviahemmet Stiftung. Es brauche eine gut funktionierende und kompetente Teamarbeit in jeder Phase der Krankheit. "Wir benötigen deshalb Ärzte, die gut auf die Versorgung dieser Patienten vorbereitet sind", so Hoffman.

Die Anzahl der Betroffenen nehme sowohl in Schweden als auch in anderen Ländern ständig zu. Man rechne heute mit 47 Millionen Demenzerkrankten weltweit - eine Zahl, die nach Schätzungen bis 2050 auf 131 Millionen ansteigen wird.

"Dieses Programm hat mir die Möglichkeit eröffnet, mit Kollegen aus verschiedenen Ländern zu studieren, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, und für die tägliche Praxis relevante Inhalte zum Thema Demenz und zur Versorgung von Demenzkranken zu vertiefen", resümiert Sottong. Neben ihr legten in diesem Jahr weitere fünf Ärzte das Examen ab. Davon arbeiten Anette Ekström, Björn Lennhed und Stylianos Orphanides in Schweden, Jean-Claude Leners in Luxemburg und Junichiro Toya in Japan.

Kooperation mit den Maltesern

Seit Januar 2009 sind die Malteser Kooperationspartner der Stiftung Silviahemmet in Deutschland. Die Stiftung habe die Grundlagen der Palliative Care für die Begleitung und Versorgung von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen erschlossen, was für die Malteser unter anderem Anlass gewesen sei, sich dieser Arbeitsweise anzuschließen.

Der Kooperationsrat des Malteser Verbundes hat im Mai 2011 eine Strategie verabschiedet, die die Sorge um den demenziell erkrankten Menschen und seine Angehörigen in den Mittelpunkt stellt. Demenz wird dabei als wichtiges Querschnittsthema verstanden, das fast alle Organisationseinheiten der Malteser betrifft, wie es heißt.

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