Zukunft von E-Health

Wenn Ärzte Apps verordnen wie Pillen

Vor dem Datensammeln haben Patienten heute keine Angst mehr. In ein paar Jahren werden Ärzte vielleicht ganz selbstverständlich die App-Infos ihrer Patienten auswerten. Wo die Grenzen liegen, ist aber noch unklar.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:
Gesundheitsdaten messen: Nicht nur für Ärzte, sondern auch für Versicherungen interessant.

Gesundheitsdaten messen: Nicht nur für Ärzte, sondern auch für Versicherungen interessant.

© alexey_boldin / fotolia.com

BERLIN. Der digitale Fortschritt kommt schneller, als es vielen lieb und den meisten bewusst ist. Das Smartphone zum Beispiel gibt es erst seit neun Jahren, "seitdem hat es die komplette Gesellschaft geändert", sagte der Internet-Experte Sascha Lobo, Blogger und "Spiegel"-Online-Kolumnist, der auf dem Kongress der Gesundheitsnetzwerker in Berlin die Bedeutung der digitalen Vernetzung für die Gesundheit beleuchtete.

Seitdem sei der Drang, Daten auszutauschen, in soziale Netzwerke einzustellen oder auf dem Handy zu horten, gestiegen. "Das Datensammeln kennt keine natürlichen Grenzen mehr", betonte Lobo.

Die Menschen seien zunehmend bereit, Daten auch mit medizinischer Relevanz zu teilen, wenn sie davon einen angemessenen Nutzen haben. Schon für die nahe Zukunft sei zu erwarten, dass die Veröffentlichung von Daten viel normaler werde, als "wir es heute glauben", sagte Lobo.

Apple in US-Kliniken präsent

Dieser Datenflut mitsamt dem rasanten technischen Fortschritt könne sich die Gesundheitswirtschaft nicht entziehen, schon deshalb, weil es die Leute wollten: In den USA arbeiteten beispielsweise 14 der Top-23-Kliniken mit dem "Healthkit" von Apple, weil unter den Patienten ein großer Bedarf bestehe, berichtete Lobo.

Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland müsse die Zukunft mitgestalten, steuern und lenken und dürfe sie nicht nur den großen Internetkonzernen überlassen. Zwar könnten Gesundheitsapps Patienten großen Nutzen bieten, etwa dann, wenn sie helfen, Migräneattacken vorherzusagen oder genauer Insulin zu spritzen. Doch die Datensammlung und vor allem die Verarbeitung in Echtzeit berge natürlich die Gefahr der Kontrolle.

Big Data werde vor allem für Versicherungen interessant. Die Gesundheitswirtschaft sei deshalb besonders aufgerufen, auch unter ethischen Kriterien zu klären, welche Daten wofür benutzt werden dürfen. Dabei müsse eine "rote Linie" markiert werden, jenseits derer die Datenverwendung ausgeschlossen sei.

Wer legt diese rote Linie fest? Blogger Sascha Lobo betonte, dass die Antwort auf diese Frage in einer gesellschaftlichen Debatte gefunden werden müsse. Britta Böckmann, Professorin für Medizinische Informatik an der Fachhochschule Dortmund, erinnerte daran, dass in den "letzten 20 Jahren nichts anderes gemacht" worden sei, als über rote Linien zu diskutieren.

Es sei wichtiger, auf dem Feld der vernetzten Medizin erst einmal zu "spielen, um Erfahrungen zu sammeln", dann könne über Datengrenzen nachgedacht werden.

Michael Franz von der CompuGroup Medical Deutschland mahnte, dass Patienten nicht mehr als unmündig behandelt werden dürften, sondern dass man ihnen die Entscheidung überlassen müsse, was sie tun.

Apps verordnen wie Tabletten?

Praxisrelevant werden Gesundheitsapps bald sein. Davon zeigte sich Markus Müschenich vom Bundesverband Internetmedizin überzeugt. Digitale Medizin, Therapien und Gesundheitsapps sollten in Zukunft genauso zu verordnen sein wie Kopfschmerztabletten, merkte Müschenich an.

Mehr Interesse an E-Health seitens der Mediziner forderte Britta Böckmann: "Als Patient würde ich mir wünschen, dass mich mein Arzt berät, welche App sinnvoll sein könnte." Dr. Werner Baumgärtner von Medi Geno Deutschland betonte, dass eine bessere Vernetzung zwischen ambulantem und stationärem Sektor wichtig sei.

Dabei dürften nicht nur Insellösungen produziert werden, Entwicklungen müssten entstehen, die in Kliniken und Praxen ausgerollt werden könnten und die technisch so gestaltet seien, dass sie von Ärzten angenommen werden könnten.

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