Banking im Jahr 2021

Wie junge Ärzte ihre Finanzen digital managen

Eine übersichtliche und effiziente Kontoverwaltung hilft Jungmedizinern enorm beim Aufbau einer gut laufenden, eigenen Praxis. Dabei bieten moderne Banken einiges, was früher viel Zeit gekostet hat.

Alexander JoppichVon Alexander Joppich Veröffentlicht:
Sparschwein schwebt über Smartphone: 80 Prozent der Millennials bevorzugen laut Studie digitales Banking.

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© andranik123 / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Revolut, N26, bunq, Tomorrow: Junge Start-ups fassen mehr und mehr in der Finanzbranche Fuß. Gerade, wer sich als Student, junger Arzt oder für seine eigene Praxis derzeit online über Bankkonten informiert, stößt schnell auf die sogenannten „Challenger-Banken“. Ob sie sich nun Neo-, Digital- oder eben selbstbewusst Challenger-Bank nennen: Sie behaupten Bankgeschäfte ins 21. Jahrhundert geholt zu haben – und Banking besser zu können als die alteingesessenen Sparkassen, Volksbanken und Co.

Dreh- und Angelpunkt aller Neobanken ist eine meist ausgetüftelte App. Diese ist sowohl vom Komfort wie von der Übersichtlichkeit der USP dieser Unternehmen. Das beginnt schon mit der Kontoeröffnung: Wer sich ein Konto zulegt, richtet dies in circa zehn Minuten von der Couch, dem Praxisschreibtisch oder der Klinikkantine aus ein – inklusive Identitätsprüfung per Videochat. Auch die Kontoführung funktioniert komplett digital: Mit den Apps der einzelnen Neobanken können Kunden nicht nur die Standard-Geschäfte wie Überweisungen tätigen, Kontostände prüfen und Daten aktualisieren, sondern die mobilen Anwendungen bieten Komfortfunktionen wie Push-Benachrichtigungen über Kontoaktivitäten, ein virtuelles Haushaltsbuch über die monatlichen Ausgabenstatistiken oder das Einrichten virtueller Unterkonten (auch Pockets oder Spaces genannt) – als digitales Sparschwein für Anschaffungen oder einfach zur Sortierung von Einnahmen und Ausgaben.

Als Girocard (früher: EC-Karte) setzen die Neu-Banken fast ausnahmslos auf Debit-Karten von Visa oder Mastercard; manche bieten auch Kreditkarten an. Der Clou: Die Karten werden per App verwaltet. Nutzer ändern mit ihrem Smartphone ihre Pin, legen Verfügungsrahmen fest oder sperren die Karte in Sekundenschnelle. Die kostenpflichtigen Premium-Kontomodelle bieten meist etwas aufwendiger gestaltete Karten aus Metall oder Holz als die Basistarife; Banking soll zum Statement werden und auf einen hippen Lebensstil hinweisen, so die Intention der Geldinstitute.

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Für moderne Banken nahezu selbstverständlich: das Bezahlen per Smartphone und -watch durch Integration von Google Pay oder Apple Pay. N26 und Co. bieten das Bezahlen über NFC mit Selbstverständlichkeit an, womit sich die traditionellen Banken oft noch schwertun. Darüber hinaus bieten manche Neobanken auch Iban-Scanner in ihren Apps, mit denen die Kunden Kontodaten für Überweisungen abfotofografieren statt einzutippen.

Bank – ohne Banklizenz

Grundsätzlich gibt es einen feinen rechtlichen Unterschied zwischen den Digitalbanken: zwischen Banken und Fintechs (ein Kofferwort aus Finanzen und Technologie). Haben Anbieter wie N26, bunq oder Revolut eine europäische Banklizenz, sparen sich Fintechs wie Penta oder Tomorrow diese langwierige und teure Investition und konzentrieren sich auf den Ausbau ihrer Apps. Stattdessen kooperieren sie mit sogenannten White-Label-Banken wie der Berliner Solarisbank: Hier wird das Konto geführt, während das Fintec-Unternehmen streng genommen nur die technische Infrastruktur bietet. Sicher sind die Kundengelder dort aber, da die gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung greift.

Einfach machen es sich die Anbieter oft auch beim Thema Kredite: Es gibt teilweise schlicht keine. Leicht für Zweitkonto-Nutzer zu verschmerzen, da es weder eine Schufa-Abfrage bei Kontoeröffnung noch einen Schufa-Eintrag gibt. Kunden, die explizit eine Kreditkarte mit Verfügungsrahmen und einen Dispo wünschen, müssen genau auswählen, da viele der Start-ups auf die für sie riskante Kreditgeschäfte komplett verzichten.

Welche Anbieter gibt es am Markt?

Mittlerweile tummeln sich viele Anbieter auf dem Markt und buhlen um die zumeist jungen Kunden. N26 ist der Platzhirsch bei den neuen Direktbanken: Seit 2013 am Markt geben sie an, inzwischen über sieben Millionen Kunden zu haben. Während das Fintech anfangs ein Interface für ein Wirecard-Konto bot, erhielt N26 2016 eine deutsche Banklizenz und bietet seitdem eigenständige Konten an.

Zum Beginn von Kunden und Presse hochgelobt als deutscher Pionier des Neobankings, muss sich das Berliner Unternehmen in den letzten Jahr Kritik gefallen lassen: von schlechtem Kundenservice bis zu einer Anordnung der BaFin, besser gegen Geldwäsche vorzugehen. Gleichwohl ist die Bank mit der auffälligen transparenten Girocard das wohl wertvollste Start-up Deutschlands: So lag die Bewertung laut Handelsblatt zuletzt bei circa 3,1 Milliarden Euro. Kritiker sehen in dem kontroversen Unternehmen dagegen eine schick gemachte Marketing-Plattform, deren Inhaber gezielt hohe Bewertungen suchen, um mit einer anvisierten Exitstrategie , also durch den Verkauf, das Unternehmen schwerreich zu verlassen.

15 Millionen Kunden hat laut eigenen Angaben der britische Dienstleister Revolut. Beim kostenlosen Kontomodell kann der Nutzer unbegrenzt Unterkonten – Vaults genannt – einrichten, bis zu 200 Euro im Monat kostenfrei abheben und seine Ausgaben mit der App statistisch analysieren. Spezialisiert sieht sich die Neobank mit litauischer Banklizenz auf das internationale Bezahlen und auf Reisen: In mehr als 30 Währungen kann der Nutzer sein Geld per App umtauschen und im Ausland in über 150 Währungen zum Interbankkurs bezahlen. Für rund 14 Euro im Monat fallen die meisten Limits weg und man erhält eine Karte aus massivem Metall.

Ähnliche Leistungen bietet auch das niederländische Unternehmen bunq. Daneben können Kunden einfach ein Gemeinschaftskonto einrichten, die Ausgaben einer Gruppe analysieren (Use-case: Wer hat was im Restaurant bezahlt?) und gemeinsam Bäume pflanzen. Weiterhin kann der Kunde entscheiden, ob er Zinsen erhalten will oder nicht: interessant für Muslime und diejenigen, die keine Datenübertragung an das Finanzamt wünschen. Den Groll vieler Nutzer zogen die Holländer auf sich, als sie vor einiger Zeit das kostenlose Kontomodell abgeschafft haben und seitdem knapp 8 Euro pro Monat verlangen. Kunden spotteten aus der „Bank of the free“, so der Claim, werde die „Bank of the fee“, die „Bank der Gebühr“.

Ja, wo sind sie denn? Wirecard sucht zwei Milliarden Euro

Was mit boon.Planet geschieht, dem mobilen Bankkonto der Wirecard Bank, war nach der Insolvenz von Wirecard noch offen. Das einst gehypte Start-up Wirecard musste im Juni 2020 eingestehen, dass fast zwei Milliarden Euro Aktiva wohl nicht vorhanden sind, nachdem mehrere Wirtschaftsprüfungsagenturen Belege eingefordert hatten. Der Vorwuf der Bilanzfälschung steht im Raum; das 2018 wertvollste deutsche Geldinstitut steht vor einem Scherbenhaufen. Diese Verwerfungen könnten auch boon in die Knie zwingen – und das taten sie: boon.Planet stellte im letzten Oktober seinen Dienst ein.

Daneben gibt es zahlreiche kleinere Anbieter, die ähnliche Ansätze wie die bisher genannten bieten, mit Fokus auf bestimmte Kunden oder Unternehmen. Alle Neo-Banken bieten dabei prinzipiell die gleichen Vorteile: Komfort durch übersichtliche Apps, schnelles Banking von überall per Smartphone, preiswerte Kontomodelle in den Basis-Tarifen. In den (oft teuren) Premium-Modellen fallen meist Beschränkungen wie Freigrenzen bei Abhebungen weg und es gibt schick gestaltete Bankkarten: Die neuen Banken setzen auf Marketing und ein Community-Gefühl, also dass Kunden sich als Teil einer modernen Bewegung sehen – inklusive Statussymbolen wie Karten aus Metall oder Holz. Ob die einzelnen Neo-Banken auf Dauer sich gegen die etablierten Geldinstitute durchsetzen können und ihr Geschäftsmodell funktioniert, wird die Zeit zeigen: In Finanzierungsrunden sammeln die Start-ups jedenfalls immer wieder hohe Investitionen ein.

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