Ärzte Zeitung, 23.11.2005

Ein Stück gefaltete Magenwand verhindert sauren Reflux

Neue endoskopische Op-Technik / Gewebenähte sind nach drei Monaten noch erhalten / Viele Patienten können auf Medikamente verzichten

LUDWIGSBURG (ddp.vwd.). Viele Patienten mit einer Refluxkrankheit brauchen eine langfristige Behandlung. Etabliert ist dafür die Pharmakotherapie mit Protonenpumpenhemmern. Als Alternative werden derzeit endoskopische Therapien getestet. Bei einer davon werden mit einem speziellen Endoskop, dem Plicator, Gewebefalten gebildet, die sauren Reflux aus dem Magen verhindern sollen.

Ohne Endoskopie geht es nicht, wenn man bei Reflux über Ösophagus-Läsionen informiert sein will. Foto: Klaro

Für eine Langzeittherapie bei Refluxkrankheit werden die Protonenpumpenhemmer (PPI) meist gut vertragen. Allerdings müssen sie oft lebenslang eingenommen werden. "Es gibt Patienten, die das nicht wollen, und einige, die trotz Arzneimitteln nicht frei von Beschwerden sind und schließlich sehr wenige, die wegen seltener Nebenwirkungen auf eine andere Behandlungsmethode zurückgreifen müssen", erklärt Professor Karel Caca, Ärztlicher Direktor am Klinikum Ludwigsburg.

Längsgestellte ausgedehnte Erosionen bei Refluxösophagitis. Hier kann eine Langzeittherapie nötig sein. Foto: Koop

Eine Alternative ist dann eine Reflux-Operation. Etwa 85 Prozent der operierten Menschen sind mit dem Ergebnis hinterher zufrieden. 15 Prozent beobachten indes keine Besserung oder haben sogar neue, teils hartnäckige Beschwerden.

Schonender und sanfter für die Patienten ist etwa der derzeit erprobte endoskopische Eingriff mit dem Plicator, bei dem Gewebefalten gebildet werden, die Reflux verhindern sollen. Im Gegensatz zur bisherigen Technik der Faltenbildung kann mit dem Plicator-Verfahren die ganze Magenwand erfaßt werden. "Erstmals sind die Nähte von Dauer", so Caca.

Der Plicator verbirgt in seinem Inneren Nähmaschine, zwei Greifärmchen und eine Kamera. Am Übergang zwischen Ösophagus und Magen packt der winzige Arm ein Stück Magenwand und klappt sie zu einer Falte. Dann wird die Falte mit einem Kunststoff-Faden abgenäht. Die abgesteppte Gewebefalte dient künftig als Damm gegen die Säure.

In den vergangenen Monaten wurde das neue minimalinvasive Verfahren weltweit an 159 Patienten getestet. Außer zehn amerikanischen Zentren waren zwei Kliniken in Europa an der Studie beteiligt - darunter Cacas Team in Ludwigsburg und zuvor in Leipzig sowie eine zweite Forschergruppe in Brüssel.

"Die Ergebnisse sind sehr ermutigend: Bei allen Patienten waren die Nähte nach drei Monaten erhalten. 60 Prozent kamen gänzlich ohne Medikamente aus; bei allen besserten sich die Beschwerden. Es stieg weniger und auch seltener Magensäure in die Speiseröhre", berichtet Caca. Mitte November wurden die Resultate auf einem Kongreß in den USA vorgestellt.

"Noch ist es allerdings zu früh zu sagen, daß es ein perfektes Verfahren wäre. Dazu fehlen Langzeitdaten", räumt Caca ein. Diese erwartet er in etwa zwei Jahren, wenn die 159 Probanden abschließend untersucht sind.

Unterdessen wird das neue endoskopische Verfahren bereits weiterentwickelt. Erneut werden Patienten mit Sodbrennen an der Klinik in Ludwigsburg sowie an den internationalen Partnerkliniken für eine Studie ausgewählt. Dieses Mal soll die Bauchfalte nicht nur mit einer einfachen Naht, sondern mit einer doppelten Naht fixiert werden.

Davon erhoffen sich die Mediziner, den künstlichen Wulst noch paßgenauer zu formen. Dennoch steht für Caca schon jetzt fest, daß die neue minimalinvasive Methode weder die medikamentöse Behandlung noch die herkömmliche Operation gänzlich verdrängen wird.

Kollegen wie Professor Karl-Hermann Fuchs von der Klinik für Viszeral- und Thoraxchirurgie des Markus-Krankenhauses in Frankfurt am Main sehen das ähnlich: "Ich glaube, die neue Technik wird ihren Platz bei der Behandlung leichterer Refluxerkrankungen finden. Bei schweren Fällen ist der Plicator überfordert."

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