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Untersuchung

Häusliche Pflege Todkranker verkürzt ihr Leben nicht

Die Befürchtung, die Pflege sterbender Patienten im eigenen Zuhause könnte deren Leben zusätzlich verkürzen, ist offenbar unbegründet.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Oft haben Todkranke und ihre Familien Bedenken, dass die Versorgung zu Hause nicht ausreicht.

Oft haben Todkranke und ihre Familien Bedenken, dass die Versorgung zu Hause nicht ausreicht.

© Creatas Images / Thinkstock

TSUKUBA/JAPAN. Der Pflege Todkranker in deren Zuhause stehen bisweilen Bedenken entgegen, ihre medizinische Versorgung könnte im Vergleich zur stationären Therapie leiden. Japanische Palliativmediziner haben untersucht, ob diese Furcht begründet ist.

Die Wissenschaftler um Dr. Jun Hamano von der Universität Tsukuba griffen für ihre Studie auf die Daten einer multizentrischen Kohortenstudie zurück, in der ein Prognoseinstrument für Patienten am Ende ihres Lebens entwickelt worden war (Cancer 2016; online 28. März).

Patienten leben zu Hause länger

Beteiligt waren 2069 unheilbar Krebskranke im mittleren Alter von 69,4 Jahren. 1607 von ihnen starben schließlich im Krankenhaus, 462 zu Hause. Es zeigte sich, dass die Betreuung daheim das Leben nicht verkürzt hatte: Patienten, denen die Ärzte nur noch wenige Tage zu leben gegeben hatten, starben zu Hause im Median nach 13 Tagen und im Krankenhaus nach neun Tagen.

Hatte die ursprüngliche Prognose auf Wochen gelautet, betrug die Überlebenszeit 36 gegenüber 29 Tage. Wurden den Kranken noch Monate an Lebenszeit eingeräumt, ergaben sich mit 59 vs. 62 Tagen keine signifikanten Unterschiede.

Zu Studienbeginn hatten 1582 Patienten eine stationäre Palliativpflege erhalten, 75 starben aber letztlich daheim. 487 Patienten wurden zu Hause von Palliativteams versorgt, 100 von ihnen starben am Ende doch im Krankenhaus. Legt man diese Einteilung zugrunde, lebten die zunächst zu Hause gepflegten Sterbenden mit einer Prognose von Tagen noch 13 Tage im Vergleich zu zehn Tagen bei den stationär palliativ Versorgten. In den Gruppen mit Wochen- oder Monatsprognose waren keine signifikanten Unterschiede festzustellen (34 vs. 29 Tage oder 65 vs. 60 Tage).

Letzte Maßnahmen sinnvoll?

In den Berechnungen hatten Hamano und Kollegen mehrere Einflussfaktoren berücksichtigt, darunter den Mentalstatus, Allgemein- und Ernährungszustand sowie Atemprobleme.

Ob damit alle Störgrößen ausgeschlossen werden konnten, ist zweifelhaft. Allerdings ist eine Zufallszuteilung der Sterbeorte, die solche Zweifel beheben könnte, bei einem Thema wie dem hier behandelten nicht vertretbar.

 Stationäre Palliativpflege führt den Ergebnissen von Hamano und seinen Mitarbeitern zufolge nicht zu einem längeren Leben Sterbenskranker als die Pflege daheim.

 Bemerkenswerterweise hatten aber mehr im Krankenhaus gestorbene Patienten noch in den 48 bis 72 Stunden vor ihrem Tod Flüssigkeit infundiert bekommen (67,9 Prozent vs. 24,5 Prozent). Auch wurden ihnen häufiger kurz vor ihrem Tod noch Antibiotika verabreicht (19,9 Prozent vs. 13,9 Prozent). Womöglich zeigt das, dass solche Maßnahmen in der Sterbephase nichts mehr bewirken können. Dies zu klären, sollte Aufgabe künftiger Studien sein, so die japanischen Wissenschaftler.

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 23.05.201613:49 Uhr

absolut NICHT überraschend!

Es ist doch seit Millionen Jahren bekannt, das jeder Mensch stirbt und früher gab es auch keine Krankenhäuser.
Das sollte deshalb nicht verdrängt werden aus dem Alltag, in den es gehört zu einer Spezialdisziplin, auf die man das natürlich jetzt mit höchsten Ansprüchen abschieben kann.
"Ich kann das ja nicht können, da ich kein Spezialist bin."
Das zweite, das nach meiner Erfahrung nicht nur von Angehörigen, sondern auch von Volksrednern offenbar NICHT gewusst wird ist, dass die Beihilfe beim Sterben (schmerzfreies "menschliches" Sterben) im Effekt IMMER mit einer wenn auch noch so begrenzten Lebensverlängerung verbunden ist.
Der Beitrag aus Japan, ich verneige mich vor diesem Volk, zeigt, dass dort zuhause gute Sterbehilfe geleistet wird. Die Anwesenheit der nächsten Angehörigen ist dabei der noch wichtigere "menschliche" Anteil, (einschließlich Körperpflege und Nahrung) der Hausarzt sorgt vorwiegend für die Schmerzfreiheit.

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