Ärzte Zeitung, 27.04.2011

Ärztestimmung verharrt noch im roten Bereich

Die Stimmung in der Medizinbranche hellt sich allmählich auf. An niedergelassenen Ärzten ist dieser positive Schub weitgehend vorübergegangen. Vertragsärzte bleiben somit überwiegend pessimistisch, wenn es um die ökonomische Lage und die Aussichten ihrer Praxis geht.

Von Dirk Schnack

Ärztestimmung verharrt noch im roten Bereich

HAMBURG. Nach den zahlreichen positiven, sich aufhellenden Stimmungsbildern aus anderen Industriebranchen zeigt auch der aktuelle Medizinklimaindex (MKI) nach oben (wir berichteten kurz). Mit einem Wert von minus 11,7 klettert der Index sogar in die Nähe eines Rekordhochs. Nur vor vier Jahren war die Stimmung noch marginal besser (minus 11,63).

Seit Beginn der Erhebung im Herbst 2006 liegt der MKI durchgehend im negativen Bereich. Dies liegt vor allem an der schon traditionell skeptischen Erwartungshaltung der niedergelassenen Ärzte. Im Vergleich zu den Zahnärzten und den psychologischen Psychotherapeuten, deren Stimmung ebenfalls im MKI berücksichtigt wird, stufen nur wenige Ärzte ihre wirtschaftliche Situation und vor allem ihre künftige Entwicklung als positiv ein.

Die Ergebnisse im Detail:

  • Von den niedergelassenen Humanmedizinern schätzen 22 Prozent ihre persönliche aktuelle wirtschaftliche Lage als gut ein. 53,7 Prozent sind zufrieden, 24,3 Prozent empfinden ihre ökonomische Situation dagegen als schlecht. Für die kommenden sechs Monate rechnen nur 11,3 Prozent der niedergelassenen Ärzte mit einer guten Entwicklung, 47,3 Prozent erwarten Kontinuität, aber 41,4 Prozent schauen düster in die Zukunft.
  • Der MKI nur für die niedergelassenen Ärzte liegt damit bei minus 16,2 und damit deutlich unter dem der Zahnärzte mit minus 3,3 und dem der psychologischen Psychotherapeuten mit plus 11,9. Die besseren Werte sind vor allem auf einen geringeren Anteil von Pessimisten hinsichtlich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung zurückzuführen. Zum Vergleich: Während bei den Ärzten über 40 Prozent mit einer negativen Entwicklung rechnen, erwarten nur acht Prozent der psychologischen Psychotherapeuten für die kommenden Monate eine ungünstigere Entwicklung. Bei den Zahnärzten sind dies 24 Prozent. Aussagen über die Gründe für den Pessimismus der ärztlichen Praxisinhaber liefert der MKI nicht.

Der halbjährlich erstellte Medizinklimaindex wird im Auftrag der Hamburger Stiftung Gesundheit von der Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse (GGMA) erhoben. Der Index wird aus dem Mittelwert der Salden der aktuellen und erwarteten Geschäftslage gebildet - analog zum IFO-Geschäftsklimaindex. Als Studienersteller sieht die GGMA den Medizinklimaindex auf Augenhöhe mit dem Geschäftsklimaindex. Er könne auf Trendwenden im Gesundheitsmarkt hinweisen.

Damit kann ein Vergleich zu anderen Branchen gezogen werden. Bei diesem Vergleich fällt die über Jahre deutlich schlechtere Stimmung im Medizinbereich, die hauptsächlich von den Humanmedizinern getrübt wird, auf.

Aktuell weist mit dem Bauhauptgewerbe mit minus 7,2 nur eine weitere Branche einen negativen Indexwert auf. Handel und Gewerbe hingegen glänzen mit deutlich positiven Werten zwischen zwölf und 30 Prozent.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Optimismus nur mit Planungssicherheit!

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »