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HINTERGRUND

Allergene machen nicht nur Lunge und Haut krank - auch die Speiseröhre kann betroffen sein

Dr. Marlinde LehmannVon Dr. Marlinde Lehmann Veröffentlicht:

Immer wieder gibt es in der Praxis Patienten, bei denen sich die Diagnose nur mit viel differentialdiagnostischem Tüfteln und Grübeln stellen läßt. Das ist oft dann der Fall, wenn eine ohnehin seltene Erkrankung vorliegt, und diese Erkrankung zu allem Übel keine auffälligen, krankheitsspezifischen Symptome verursacht.

Ein Beispiel dafür ist die eosinophile Ösophagitis, für die eine Immun-Fehlregulation oder Allergie-Genese diskutiert wird, wie Professor Daniel Jaspersen vom Klinikum Fulda der "Ärzte Zeitung" gesagt hat.

Eosinophile Ösophagitis ist oft mit Allergien assoziiert

Die oft mit einer allergischen Erkrankung, etwa Asthma, assoziierte Ösophagitis-Form ist erstmals 1978 beschrieben worden und hat lange Zeit als Erkrankung der Kinder gegolten, berichtet Jaspersen. Inzwischen werde eine zunehmende Prävalenz bei Erwachsenen beobachtet. Wie viele Patienten mit eosinophiler Ösophagitis es gibt, sei unklar, so Jaspersen. "Da die Erkrankung relativ unbekannt ist und nicht daran gedacht wird, gibt es eine hohe Dunkelziffer".

Häufig haben die Patienten Dysphagien für feste Speisen

Patienten mit eosinophiler Ösophagitis fallen nach Angaben des Gastroenterologen meist durch eine Dysphagie für feste Speisen auf. Jaspersen: "Die Patienten haben das Gefühl, daß Fleisch und Brot stecken bleiben". Manche haben auch typische Reflux-Beschwerden wie Sodbrennen.

Oft wird zunächst eine Reflux-Krankheit diagnostiziert. Spätestens dann, wenn die Patienten aber nicht auf die Standardtherapie mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) ansprechen, sollte differentialdiagnostisch früh auch an eine eosinophile Ösophagitis gedacht werden. Jaspersen schätzt, daß fünf bis 15 Prozent der Patienten mit Refluxkrankheit nicht von PPI profitieren.

Die Diagnose einer eosinophilen Ösophagitis wird in der Regel erst bei einer zweiten Endoskopie histologisch gestellt, eben etwa dann, wenn Patienten mit Reflux-Symptomen, unauffälligem Ösophagus und deshalb vermeintlich Endoskopie-negativer Refluxkrankheit (NERD) nicht auf PPI angesprochen haben.

Beweisend sind dichte eosinophile Infiltrate; endoskopisch finden sich selten auch stenosierende Ringbildungen sowie eine Wandstarre des Ösophagus als vermutliche Ursachen der Dysphagie. Ein erhöhtes Krebsrisiko sei bei eosinophiler Ösophagitis bisher nicht beobachtet worden, so Jaspersen.

Bei eosinophilen Infiltraten, erinnert er, sollte differentialdiagnostisch auch an eine sekundäre eosinophile Ösophagitis etwa aufgrund toxischer Arzneimittel-Effekte, parasitärer Infektionen oder maligner Tumore gedacht werden. Diese Erkrankungen ließen sich aber bei den meist jüngeren Patienten mit eosinophiler Ösophagitis leicht ausschließen.

Therapie der Wahl sind oral eingenommene Kortikosteroide

Therapie bei eosinophiler Ösophagitis sind orale Steroide, wobei Jaspersen bei noch fehlenden gesicherten Empfehlungen mit täglich 20 mg Prednisolon beginnt. "Typischerweise sprechen Patienten mit eosinophiler Ösophagitis nur auf Steroide an."

Da etwa 50 Prozent der Patienten mit eosinophiler Ösphagitis gleichzeitig eine allergische Erkrankung, oft eine Nahrungsmittel-Allergie, hätten, werde vielen Patienten auch empfohlen, auf unverträgliche Speisen zu verzichten. Auch inhalierte Allergene wie Pollen können saisonal die Reflux-Symptome bei eosinophiler Ösophagitis verstärken, haben kürzlich US-Forscher berichtet.



Eosinophile Ösophagitis bei Pollenallergie

Inhalierte Allergene wie Pollen können die Reflux-Symptome bei eosinophiler Ösophagitis verstärken. Das haben US-Forscher um Dr. Matthew I. Fogg aus Philadelphia bei einer 21jährigen Patientin beobachtet (J Allergy Clin Immunol 112, 2003, 796). Die Frau litt unter Asthma und allergischer Rhinokonjunktivitis. Im Mai 1998 wurde sie wegen Reflux-Symptomen - erfolglos - mit einem Protonenpumpenhemmer behandelt. Aufgrund eosinophiler Infiltrate in Biopsien wurde eine eosinophile Ösophagitis diagnostiziert.

Reflux-Beschwerden und eosinophile Infiltrate verstärkten sich immer wieder im Frühjahr und Sommer, waren aber in der kalten Jahreszeit deutlich geringer ausgeprägt oder nicht vorhanden. Wegen fehlender Hinweise auf eine Nahrungsmittel-Allergie, aber positiver Prick-Tests auf Gräser- und Baumpollen gehen die US-Forscher von einer Pollen-assoziierten eosinophilen Ösophagitis aus. Vermutlich würden in den Rachen gelangte Pollen verschluckt und kämen so in Kontakt mit der Ösophagus-Schleimhaut. (mal)

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