Direkt zum Inhaltsbereich

Bonn

Ambulanz für Multisystem-Fehlbildungen eröffnet

Veröffentlicht:

BONN. Allen Multisystem-Fehlbildungen gemeinsam ist eine klinische Überschneidung zu anderen bekannten genetischen Krankheitsbildern und eine Vielzahl an gesundheitlichen Problemen, die oft ein Leben lang mit körperlichen und psychosozialen Folgen einhergehen.

Mit Geburtenhäufigkeiten von unter 1 zu 2.000 zählen diese multiplen Fehlbildungen zu den „seltenen Erkrankungen“.

Ein Beispiel für eine besonders gravierende Multisystem-Fehlbildung ist die „VACTERL-Assoziation“, bei der gleichzeitig die Wirbelsäule, der Enddarm, das Herz, die Luft- und Speiseröhre, die Nieren und die oberen Extremitäten betroffen sein können.

Sie tritt mit einer Geburtenhäufigkeit von 1 zu 10.000 auf. Die Seltenheit wirft zusätzliche Probleme bei der Versorgung auf, teilt die Universitätsklinik Bonn mit.

Weil diese Erkrankungen sehr selten sind, gibt es meist keine etablierten Nachsorgekonzepte, geschweige denn zentrale Anlaufstellen für Eltern und Betroffene. Das soll sich am Universitätsklinikum Bonn mit der Eröffnung der neuen Ambulanz ändern.

Hohes Engagement erforderlich

Der Initiator der neuen Ambulanz, Privatdozent Dr. Heiko M. Reutter vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn, hat über viele Jahre Erfahrung in der klinischen Betreuung und Behandlung chronisch kranker Kinder mit Multisystem-Fehlbildungen gesammelt.

„Die Komplexität dieser seltenen Erkrankungen erfordert ein hohes Maß an zeitlichem und persönlichem Engagement“, wird der Arzt in der Mitteilung zitiert. Reutter koordiniert auch das Ärzte- und Forschernetzwerk „CURE-Net“, das das nötige Know-how aus Wissenschaft und Medizin bündelt, um den Betroffenen besser helfen zu können.

Hierzu gehört auch eine systematische wissenschaftliche Ursachenforschung, wie sie am vor kurzem etablierten Zentrum für seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Bonn betrieben wird.

Diese Aktivitäten haben in den vergangenen Jahren zu einer stetigen Verbesserung der Behandlung und Betreuung der Betroffenen geführt.

Klärung der Ursachen angestrebt

Neben der Behandlung und Betreuung der Betroffenen mit Multisystem-Fehlbildungen haben sich Reutter und seine Kollegen der Klärung der Ursachen dieser seltenen angeborenen Erkrankungen verschrieben. Sie nutzen dazu moderne Prinzipien der wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Kürzlich konnte Reutter einen ersten Erfolg vermelden.

Im Fachmagazin "Kidney International" (2013; online am 23. Oktober) deckte er gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam den erblichen Zusammenhang der VACTERL-Assoziation mit dem TRAP1-Gen auf, das offenbar die Fehlbildung verursacht.

„Auch wenn nur für einen kleinen Teil der Patienten mit VACTERL Assocziation Mutationen in TRAP1 ursächlich nachgewiesen werden konnten, so ist die Entdeckung dieser genetischen Ursache für diese Multisystem-Fehlbildung ein erster wichtiger Schritt zu einem besseren Verständnis der biologischen Mechanismen normaler und gestörter embryonaler Entwicklung des menschlichen Organentwicklung.

Für die betroffenen Familien eröffnet sich durch die Identifizierung dieser genetrischen Ursache eine neue diagnostische Möglichkeit und eine genauere Einschätzung des Wiederholungsrisikos. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Konservative Behandlung

Nach distaler Radiusfraktur auf Risikogruppen achten

Das könnte Sie auch interessieren
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Veränderung gegenüber dem Ausgangswert im WOMAC-Gesamtscore (a) und im VAS-Schmerz (b) nach zwei Monaten und im weiteren Verlauf

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Osteoarthrose

Aktuelle Evidenz zur Wirksamkeit der intraartikulären Hyaluronsäure

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Recordati Pharma GmbH, Ulm
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Besser als Atemtherapie?

Supragastrisches Aufstoßen lässt sich mit Gesang vertreiben

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt