Allergologen warnen

Austausch von Adrenalin-Auto-Injektoren gefährdet Patienten

Veröffentlicht: 28.09.2019, 12:05 Uhr

HANNOVER. Schwere allergische Reaktionen nehmen in allen Altersgruppen zu. Studien weisen darauf hin, dass die Zahl von Krankenhausaufnahmen wegen schwerwiegender Allergiereaktionen gerade bei Kindern in den letzten zehn Jahren um das Siebenfache gestiegen ist, wie Allergologen in einer Pressemitteilung zum 14. Deutschen Allergie-Kongresses in Hannover hingewiesen haben.

„Die Anaphylaxie wird deutlich unterschätzt. Einer von 100 Menschen erleidet mindestens einmal in seinem Leben einen allergischen Schock. Das Risiko ist viel höher, als es den Betroffenen meist bewusst ist“, wird dazu Professor Christian Vogelberg, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA) zitiert.

Bei Kindern werden der Mitteilung zufolge anaphylaktische Reaktionen überwiegend durch Nahrungsmittel ausgelöst. An erster Stelle stünden Erdnüsse, Haselnüsse und Milcheiweiß. Bei Erwachsenen seien es Wespen- und Bienengift, Hülsenfrüchte, tierisches Eiweiß sowie Schmerzmittel.

Kritisch wenden sich die Allergologen gegen den Austausch von verordneten Adrenalin-Auto-Injektoren (AAI) in der Apotheke. Durch den Anfang Juli geschlossenen „Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung“ zwischen dem Deutschen Apothekerverband und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen seien Apotheker nämlich nun verpflichtet, statt des verordneten AAI einen der vier preisgünstigsten AAI an den Patienten abzugeben. „Hierdurch ist die Versorgung von Anaphylaxie-gefährdeten Patienten erheblich verschlechtert worden“, kritisiert Professor Dr. Ludger Klimek, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AEDA) in der Mitteilung.

Hintergrund ist, dass die Patienten und Bezugspersonen aufwendige Trainingsprogramme, wie das der Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie Training und Edukation (AGATE, www.anaphylaxieschulung.de ), machen, damit sie im Notfall schnell und richtig mit der Spritze umgehen können. Erhalte der Patient nun einen AAI, der anders als das eingeübte Modell funktioniere, könne das die Notfallbehandlung gefährden, warnen die Allergologen. (eb)

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